11 interessante Beobachtungen zur CL
Arschbombenstimmung!
Text: Fabian Jonas und Dirk Gieselmann Bild: Imago
Seltsam verhalten, wie nach einem Nichtangriffspakt, gingen Barca und Schalke zu Werke. Wollten die Katalanen die Knappen gewinnen lassen, und die haben's nicht gecheckt? Fragen über Fragen – hier ein paar Antworten.
1.
Nachdem die Schweizerin Uriella 1973 bei einem Reitunfall Kopfverletzungen erlitten hatte, stellten sich bei ihr Persönlichkeitsveränderungen ein. Sie hielt sich für hellsehend, glaubte, Offenbarungen zu empfangen, und gründetete wenig später die Sekte »Fiat Lux«. Kaum auszudenken, wenn Kevin Kuranyi nach seinem Zusammenprall mit Gianluca Zambrotta etwas Ähnliches widerfahren wäre. In der spirituellen Leere, die auf dem Rasen herrschte, hätte eine neue Religionsgemeinschaft innerhalb von 90 Minuten jedenfalls zu prächtiger Blüte gelangen können.
2.
Nach dem 1:0 für Barca durch Yaya Touré applaudierte das Publikum wie nach einer nur leidlich gelungenen Arschbombe vom Dreimeterbrett des Freibads Recklinghausen. In ästethischer Hinsicht unterscheiden sich die Aktionen ja auch kaum voneinander.
3.
Freistoß für Schalke, ca. 20 Meter zentral vor dem Tor. Als Beobachter fragte man sich da, wer bei Schalke inzwischen solche Freistöße schießt, seit Lincoln nicht mehr da ist: Marcelo Bordon fiel einem ein, aber der ist eher für 40 Meter zu haben und nicht für den Kunststoß in den Winkel. Oder vielleicht würde sich Kuranyi ein Herz fassen? Jermaine Jones? Während man so überlegte, schoss Carlos Großmüller. Und die Frage blieb offen.
4.
Für die Halbzeitpause versprach uns SAT.1-Kommentator Kai Dittmann Analysen von Ex-Nationalkeeper Bodo Illgner. Doch dieser blieb der Verabredung fern. War der Auftritt etwa an den überzogenen Gehaltsvorstellungen seiner Gattin Bianca gescheitert? Oder hatte seine Abwesenheit amouröse Gründe? Erinnern wir uns an eine Passage aus Illgners Lebensbeichte »Alles«, in der er eine Begegnung mit seiner Ehefrau in der Nasszelle des Madrider Stadions »Santiago Bernabéu« nacherzählt: »Mein Penis schwoll in froher Erwartung an. Ihre Hände tasteten zu dem Handtuch, das ich mir um die Hüften gelegt hatte.« Dafür haben wir natürlich das allergrößte bzw. überhaupt kein Verständnis.
5.
Laut SAT.1-Videotext spielte der AS Rom gestern Abend in Manchester mit einer Fünfer-Abwehrkette – und ohne Torwart! Schön, die alte Bolzplatzregel »Letzter Mann hält« auch einmal auf höchstem Niveau angewendet zu erleben.
6.
Eine Frage, die nach Schalker Ecken behäbig im Raum herumstand: Kann es sein, dass der Trainingsplatz in Gelsenkirchen gute 20 Meter breiter ist?
7.
Ab und an ist man ja dann doch froh, dass man kein Profi-Fußballer geworden ist. Dadurch bleibt einem wenigstens erspart, sich selber in Super-Zeitlupe betrachten zu müssen, während man versucht, etwas zu trinken. Kevin Kuranyi indes muss mit diesem Schicksal leben. Leider war die Flasche, die er sich ausgesucht hatte, defekt, fast alles ging daneben. Schönes Bild – ein Tableau Vivant.
8.
Als Barca-Coach Frank Rijkaard mit Bojan Krkic den besten Mann vom Platz nahm, wedelte das Publikum mit weißen Taschentüchern und quittierte die Entscheidung mit einem gellenden Pfeifkonzert. Das gemahnte an Rijkaards Landsmann Dick Advocaat, der bei der EM 2004 im Wahnsinnsspiel Niederlande gegen Tschechien den bärenstarken Arjen Robben vom Platz genommen hatte. Holland verlor in der Folge, und so erfühlten wir in den paar Sekunden, während Krkic vom Platz joggte, doch noch das Potenzial für eine Sensation. Allein, Schalke war nicht daran interessiert, die Geschichte zu wiederholen, und so hatte Rijkaard am Ende lediglich einen Star für wichtigere Aufgaben geschont.
9.
Als das Spiel Mitte der zweiten Halbzeit zusehends verflachte, nickten wir kurz ein. Der Schreibblock fiel zu Boden, und die Versuchung, ihn dort liegen zu lassen, war groß. Doch dann erinnerten wir uns eines Satzes von Clifton Fadiman: »Langeweile, zur rechten Zeit empfunden, ist ein Zeichen von Intelligenz.«, wir fühlten uns geschmeichelt und schrieben doch noch zwei weitere Beobachtungen nieder. Sie folgen im Anschluss.
10.
Kommentator Kai Dittmann merkte ungefähr zur gleichen Zeit an, dass auch »neutrale Barca-Fans« von diesem Spiel nicht begeistert sein könnten. Das ist wohl war – doch wie hat man sich diese obskure Splittergruppe vorzustellen?
11.
Möglicherweise werden diese »neutralen Barca-Fans« noch einmal in Erscheinung treten: Nach Mirko Slomkas endgültiger Demission könnten sie ihm politisches Asyl in Katalonien anbieten.
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