Rainer Zobels Tipps für Globetrotter
1000 und keine Nacht
Text: Rainer Zobel (Protokoll: Andreas Bock) Bild: Imago
Als er noch bei den Stuttgarter Kickers auf der Bank saß, merkte man Rainer Zobel das Fernweh gar nicht an. Hier gibt der Mann, der gerade einen Job in Südafrika angenommen hat, eine Lehrstunde für alle angehenden Globetrotter.
Fußball in Afrika ist anders. Ich meine damit nicht diese verkalkten Stereotypen und jene vom Boulevard immer wieder bedienten Klischees des wilden und disziplinlosen Afrikaners, der angeblich ohne taktisches Grundverständnis über den Platz läuft und der die Bändigung des Europäers so dringend benötigt.
Nein, Fußball in Afrika ist anders, weil einfach Dinge passieren, die in Europa unvorstellbar sind. Oft denkt man, in einen schlechten Slapstick-Sketch geraten zu sein, doch dann zwickt man sich und merkt: Es ist Realität. Können Sie sich vorstellen, dass in Deutschland Teile der Mannschaft gekidnappt werden? Das passierte uns in der afrikanischen Champions League bei einem Spiel in Ghana. Stundenlang suchten wir nach unserem Masseur, einem kleinen rundlichen Herrn. Normalerweise holte er stets auch die Bälle aus dem Bus, half dabei, die Taschen in die Kabine zu tragen, doch vor diesem Spiel war er unauffindbar. Die Spieler saßen in der Kabine, warteten auf eine Massage, wollten sich auf das Spiel einstimmen, doch der Masseur fehlte – er kam und kam nicht. Erst fünf Minuten vor Ende der Partie tauchte er wieder auf. Er sei direkt nach der Ankunft von mehreren Polizisten in Gewahrsam genommen worden, berichtete er, danach musste er auf der Ehrentribüne Platz nehmen – unter strenger Beobachtung der Security. Als wir die verantwortlichen Herren der gegnerischen Mannschaft zur Rede stellten, antworteten die salopp: »Wir dachten, es sei Ihr Präsident. Und dieser muss sich doch auf der Ehrentribüne sicher fühlen.« Der Präsident! In kurzer Sporthose, weißen Socken und Turnschuhen.
Mir widerfuhren auch merkwürdige Dinge: Vor einem Auswärtsspiel hatte es stundenlang genieselt. Während sich meine Spieler in der Kabine umzogen, inspizierte ich den Rasen. Ich wollte testen, welches Schuhwerk mein Jungs benötigen würden. Ein solcher Check ist in Deutschland ja gang und gäbe. Als ich nun dort auf dem Rasen kniete, eilten zwei Polizisten herbei und führten mich sehr bestimmend vom Platz – sie dachten, ich wollte einen Voodoozauber in den Strafraum legen.
Natürlich waren meine ersten drei Jahre in Ägypten nicht nur von solcherlei skurrilen Erfahrungen geprägt. Und ich ging gewiss nicht nach Ägypten, um Erzählstoff für die heimischen Stammtischrunden zu sammeln. Mein Interesse in der Fremde galt immer dem Leben, der Kultur und den Menschen. Früh begeisterte mich das Reisen in ferne Länder. Ich war 20, als ich das erste Mal die Gelegenheit bekam, Südostasien kennen zu lernen. Mit der Olympiaauswahl und der Unterstützung vom Auswärtigen Amt reiste ich durch sechs Länder. Wir durchkreuzten den Dschungel in Thailand oder staunten über die riesigen Buddha-Statuen in den Tempelanlagen. Wir waren dabei, als in Malaysia Zinn abgebaut wurde und schlugen uns einen Weg durch das Verkehrschaos von Bangkok. Natürlich spielten wir auf dieser Reise auch Fußball, doch stand das bei mir weniger im Vordergrund. Wir hatten ein tolles Team und jeden Tag konnten wir neue Erlebnisse miteinander teilen – ich fand das wahnsinnig aufregend.




