Die Zukunft des Zampanos
Where do you go to, Mourinho?
Text: Kai Pahl Bild: Imago

Aktuell hat Jose Mourinho SKY News ein Interview gegeben, in dem er die Möglichkeit, doch als Nationaltrainer zu arbeiten, offen ließ. Keine große Sensation soweit. Er hat sich dem Sender gegenüber zwei, drei Mal nach Steve McClarens Entlassung bereits ähnlich geäußert (irgendwann spätabends an dem Tor seiner Garageneinfahrt: extrem höflich und noch extremer unverbindlich).
Die FA hat dementiert, mit Mourinho gesprochen zu haben. Man habe noch niemanden kontaktiert, und knapp zwei Wochen nach dem Aus Englands in der EM-Qualifikation hat man noch nicht einmal eine Shortlist von möglichen Kandidaten in der Hand. Bei den Fans dürfte “The Special One” zu den populäreren Kandidaten gehören, zumal Harry Redknapps dunkle Verstrickungen in Schwarzgelder und Fußballtransfers dank eines gut getimeten Polizeieinsatz der Öffentlichkeit wieder in Erinnerung gerufen worden sind. Aber mit Fabio Capello und Marcello Lippi stehen zwei weitere sehr profilierte Trainer in der Verlosung.
Ich denke, wir sehen gerade einen Mourinho, der sich bewusst so lange wie möglich alle Optionen offen hält, um den Preis in die Höhe zu treiben und letztendlich die beste Option zu nehmen. Mourinho als Nationaltrainer? Das ist eine Geschichte, die auch von ihm selbst gerne forciert wird. Es ist kein Zufall, dass der "Guardian" seit einigen Wochen sehr laut dafür getrommelt hat: Mourinho habe noch kein Angebot der FA bekommen, er habe sogar einen Drei-Punkte-Plan in der Schublade.
Wenn man sich vergegenwärtigt, dass es der Guardian war, der als erstes sehr detailliert den Background von Mourinhos Entlassung beschrieben hat – mit sehr viel Insiderwissen –, und wenn man sieht, dass die Stories jedesmal von Duncan Castles kamen, dann ahnt man, dass es da eine sehr direkte Verbindung zwischen dem Blatt und Mourinho gibt, zum Nutzen beider Seiten. Daher sollte man die Tonalität der Berichte mit Vorsicht genießen.
Neben der England-Option wird am heißesten die Real Madrid-Option gehandelt. Bernd Schuster soll sich auf dem Posten nicht wohl fühlen, und angeblich will sich Real für den Fall vorbereiten, dass Schuster nach Saisonende von Bord geht. Mourinho wäre eine evidente Lösung, nicht zuletzt weil er in Barcelona bei seinen Auftritten mit Chelsea verbrannte Erde hinterlassen hat.






