Die Geschichte der Fußballfans

11FREUNDE-Spezial: Nr. 1

Die Geschichte der Fußballfans

Neu hier? Alle Infos zu 11Freunde Community
01.12.2007

Traumhüter Lars Leese im Interview

„Ich bin ein C-Promi“

Interview: Ralf Piorr  Bild: Imago

Den Aufstieg des Keepers Lars Leese von der Kreisliga Westerwald bis hin zur englischen Premier League hat der Autor Ronald Reng 2002 zu dem Roman „Traumhüter“ verarbeitet. Wir sprachen mit unserem Mann an der Anfield Road.

Traumhüter Lars Leese im Interview - „Ich bin ein C-Promi“


Lars Leese, im Roman erzählen Sie, wie Sie auf Ihren Autofahrten zu den Spielen in der Kreisliga Westerwald immer drei Zigaretten nach einem strikten Ritual geraucht haben. Aus Aberglaube, um das Spiel zu gewinnen. Wie ich sehe, haben Sie das Rauchen noch nicht drangegeben!

(lacht) Nein, ganz im Gegenteil. Als Trainer verstärkt sich das noch, weil man den Druck durch das Rauchen kompensiert, was eigentlich völliger Schwachsinn ist. Früher habe ich sogar deutlich weniger geraucht, aber jetzt, um regelrecht gegen den Abstiegskampf in der Oberliga anzustinken, brauche ich ab und zu eine Zigarettenpause, um etwas herunterzukommen.



Im Roman geben Sie einen Teil Ihres Lebens mit allen Höhen und Tiefen preis. Ist es unangenehm, so eine öffentliche Person zu sein?

Es hält sich bei mir in schönen Grenzen. Ich genieße alle Vorteile eines C-Promis oder Vorstadtstars und habe trotzdem meine Ruhe. Wenn ich mal irgendwo hin möchte, lässt sich das meistens arrangieren, aber ich kann trotzdem ungestört in Köln durch die Straßen schlendern. Es ist ein sehr angenehmer Status. Durch das Buch haben die Leute, die mich treffen, immer das Gefühl, sie kennen mich schon sehr lange, weil sie einen Teil meiner Biografie gelesen haben.

Nutzen die Spieler die Insider-Informationen über die Eskapaden des früheren Spielers Lars Leese nicht aus?

Meine Spieler wissen selbst, was sie machen müssen, um unter die ersten Elf zu kommen. Wenn man freitags einen trinkt und am Sonntag gewinnt, dann ist das egal; verliert man aber, und es kommt heraus, dann gibt es einen auf die Backen. Das war zu meiner aktiven Zeit so und das ist heute auch noch so. Diese Grundregel wird sich wohl im Fußball nicht mehr ändern. Aber das Buch hat bei den Spielern eher dafür gesorgt, dass ich eine hohe Glaubwürdigkeit bekommen habe. Eben weil ich nicht der achtzigfache Nationalspieler bin, der von oben herunter guckt und darüber philosophiert, dass früher alles besser gewesen ist. Letztlich bin ich ein Typ wie sie selbst und habe alle Facetten des Fußballer-Daseins von der Anonymität der Kreisliga bis zum Ruhm der Premier League, vom „Held des Tages“ bis zum aussortierten Spieler auf der Tribüne miterlebt. Meiner Spieler finden das Buch auch deswegen gut, weil es eine Geschichte ist, die mit ein bisschen Glück jedem von den Jungs passieren könnte: Der richtige Zeitpunkt, der richtige Ort, auf einmal sieht dich jemand und plötzlich spielst du zwei Klassen höher - so groß ist der Unterschied ja nicht.

Prägen die Höhen und Tiefen, die Sie als Spieler erlebt haben, auch den Trainer Lars Leese?

Ich hoffe! Ich habe immer gerne mit Menschen gearbeitet und kameradschaftlich nie in einer Mannschaft Probleme gehabt. Hier in Bergisch Gladbach hatte ich das Glück, zu Beginn einer neuen Phase des Vereins einzusteigen. Das Präsidium hatte sich verändert, und gleich im ersten Jahr sind wir überraschend in die Oberliga Nordrhein aufgestiegen. Das war ein toller Auftakt meiner Trainertätigkeit, aber trotzdem bleibt die Verantwortung, sich ständig weiterzubilden. Torhüter ist meines Erachtens fast die ideale Position, um Trainer zu werden. Man hat von hinten mehr oder weniger im ganzen Spiel die Sichtweise des Trainers. Schon zu meiner aktiven Zeit habe ich meine Mannschaft lautstark dirigiert und gestellt. Für mich ist es wichtig, sich mit den Jungs auseinanderzusetzen. Ich weiß von meinen Spielern, was sie im Job machen, ob sie eine Freundin haben und wie ihr ganzes Drumherum aussieht. Ich befasse mich mit dem ganzen Spieler und nicht nur mit dem, der beim Training und sonntags auf dem Platz steht. Ich denke, der Respekt meiner Spieler kommt nicht daher, dass ich eine Romanfigur bin, sondern entsteht aus der Kompetenz, die ich ihnen beim Training und im Spiel vermittele.



Reviersport@11Freunde


weiterlesen [1] [2] [3]



---
News, Interviews, Blogs, Statistiken und Service zu: 1. FC Köln






Ähnliche Artikel

Kommentare

  • User
  • 12.12.2007 10:23:52 number10

    Hallo Freunde des Runden Leders,
    das Buch von Lars Leese ist absolut kurzweilig. Ich schenke es unserem Keeper zu Weihnachten und habe das Hörbuch gekauft. Ich bin gerade mitten drin und kann es kaum erwarten, bis ich wieder ins Auto steige und weiterhören kann. Ein absoluter Tipp...nicht nur für unsere Freunde zwischen den Pfosten. Viel Vergnügen auf den Seiten der 11 Freunde und gepflegte Weihnachten
    www.spvgg-tz.de

  • User
  • 12.12.2007 10:25:47 number10

    das Buch ist ein reines Leesezeichen!!!

  • User
  • 14.12.2007 11:18:07 sgu07

    habs mir auch gekauft und konnt es nicht mehr weglegen. danach hab ich es 3x als weihnachtsgeschenk gekauft. echt spitzenmäßig.

  • User
  • 15.12.2007 14:34:19 unionchemiker

    ein 5 jahre altes, zugegeben jutes, buch wird jetzt und hier rezensiert!? kurios....

  • User
  • 15.12.2007 20:58:14 einrudithömmes

    Naja, Wham steht ja auch in den Top10, oder?

  • User
  • 15.12.2007 21:50:34 Eurofighter

    Ich hab es auch zum Geburtstag vor 2 Monaten bekommen. Bin leider aus Zeitmangel nicht über dad zweite Kapitel hinausgekommen. Aber was ich bisher gelesen habe, war sehr gut !

  • User
  • 17.12.2007 17:24:03 qwertz3000

    Ich leese es auch jedes jahr wieder. Und jetzt kaufe ich mir auch mal das Hörbuch. Hörbücher sind toll! Wer liest das denn? Herr Leese persönlich?

  • User
  • 17.12.2007 18:40:57 unionchemiker

    hörbücher sind nicht toll finde ich. neben dem faktor des einschlafens halte ich selber lesen für schöner. nur hörSPIELE sind toll. aber da schlafe ich auch immer ein...

  • User
  • 17.12.2007 21:48:04 einrudithömmes

    Till Hagen. Das 'n guter Sprecher, da schläfste nich' ein und da brauchste kein Hörspiel.

    Und die Thalbach.

    Und Harry Rowohlt natürlich (Anspieltips: Schlimmes Ende oder Ich einen Tag sprechen hübsch)!

zum Forum

Logge Dich ein, um einen Beitrag zu schreiben!

VON DEN LESERN EMPFOHLEN



DIE AKTUELLE UMFRAGE

Thema: Fußballfans. Eure Wunschgäste für Maischberger, Lanz, Plasberg und Co.?

Werner Schulze-Erdel
Charly Steeb
Alf
Bono
Frank Zander
Zini
Max Power
Johannes B. Kerner
Günter Wallraf
Campino
Andreas Elsholz
Alfred Biolek
Vera Int-Veen
Marius Müller-Westernhagen
Ich




Frankfurt-Legende Lothar Sippel über die Fast-Meisterschaft 1992


Rekordtorschützen in der U21

  • Pierre Littbarski (21 Spiele, 18 Tore)
  • Heiko Herrlich (20 / 17)
  • Benjamin Auer (23 / 15)
  • Mike Hanke (26 / 14)

11Freunde Liveticker

11FREUNDE @ TWITTER