Die Geschichte der Fußballfans

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Michael Kriess im Interview

„Keine Hoffnung für dieses Team“

Interview: Roland Wiedemann  Bild: Imago

„Keine Hoffnung für dieses Team“

Herr Kriess, Österreich soll Rückgrat zeigen und sein Team von der Euro 2008 im eigenen Land zurückziehen. Eine ulkige Kampagne, die aber die ÖFB-Kicker international noch mehr zum Gespött macht.

Wir meinen es ernst mit unserer Aktion. Und sie ist nicht gegen den Trainer und die Spieler gerichtet. Ganz im Gegenteil. Wir wollen ihnen nur einen Gefallen tun. Schauen Sie doch mal in die bleichen, die Nationalhymne stammelnden Gesichter vor dem Anpfiff. Es wäre eine große Geste, wenn Österreich seinen Startplatz an eine echte Fußballnation abgäbe. Damit würden alle nur gewinnen. Der österreichische Fußballbund und das Land Österreich, das trotz seiner Vergangenheit und DJ Ötzi von der Welt geliebt werden würde.



Wann haben Sie gemerkt, dass es Zeit zum Handeln ist?

Das war beim Freundschaftsspiel gegen Japan. Österreich schoss in den 90 Minuten nicht ein einziges Mal aufs Tor, nicht einmal zu einem Eckball sind wir gekommen. Ich döste auf dem Sofa, als ein Freund aufsprang und meinte, er halte es nicht mehr aus, das sei nicht mehr mit anzusehen. Österreich war immer eine Kulturnation, ein Volk von Schöngeistern. Eine Teilnahme des ÖFB-Teams an der EM würde unser aller ästhetisches Empfinden arg verletzen – nicht nur das der österreichischen Fußballfans.

Wie viele Unterschriften haben Sie denn schon zusammen?

Derzeit sind wir bei 5000 Unterstützern. Es kommen jeden Tag rund 1000 neue dazu. Unser Ziel sind 100.000 Unterschriften in Österreich und eine Million aus dem Ausland.

Hat sich der österreichische Verband schon bei Ihnen gemeldet?

Wir haben einen Brief mit unserem Anliegen an den ÖFB geschickt, bislang aber keine Antwort bekommen.

Auch die Klinsmann-Elf steckte vor der WM im eigenen Land in der Krise. Macht Ihnen das deutsche Sommermärchen nicht Hoffnung?

Deutschland hat gegen Italien verloren – wir aber blamieren uns gegen drittklassige Gegner.

Es heißt, der Österreicher schätzt das eigene Scheitern sehr – insbesondere im Fußball.

Wir sehen das absolut nicht so. Wir warten nicht geradezu darauf zu verlieren. Es ist vielmehr so, dass der gelernte Österreicher seit Jahren versucht, an Wunder zu glauben und dabei immer wieder enttäuscht wird. Es gibt keine Hoffnung für dieses Team, das muss man realistischerweise so sehen.



Aus Heft #72 11 / 2007


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