Bernd Schuster und wie ihn die Welt sieht
El buen alemán
Text: Tim Jürgens Bild: Imago

Auf wen hat das Sprichwort vom Propheten, der im eigenen Land nichts gilt, je besser gepasst? Als bestätigt war, dass Bernd Schuster beim bedeutendsten Klub der Erde das Traineramt übernimmt, meldete eine hiesige Agentur, der wahre Wunschkandidat sei eigentlich Lothar Matthäus gewesen. Eine Meldung aus der »Neuen Spezial«, aus »Mad«?
Leider nicht. Die Wahrnehmung des blonden Engels aus Augsburg ist und bleibt in Deutschland eben zwiespältig. Aber bei aller Liebe, Schuster im Augenblick seines größten Erfolgs als Trainer insofern die Kompetenz abzusprechen, indem über die Ticker geht, dass 2007 jeder zweitklassige Clown im Fußballzirkus sich inzwischen für das Operetten-Ensemble von Real eignet, grenzt schon an Frechheit. Warum fällt es uns so schwer, den bockigen Oberschwaben, dieses menschgewordene Gesamtkunstwerk – eine krude Mixtur aus Robert Redford, aus Antje, dem NDR-Walroß, und dem Miesmacherschlumpf – als das anzuerkennen, was er ist?
Schuster war schon immer ein Problemfall
Wir Deutsche beweisen bezüglich Schuster immer wieder eine eigentümliche Provinzialität. So wie sich die Landbevölkerung oft schwer tut anzuerkennen, wenn einer der ihren plötzlich in der großen Stadt zu Ruhm und Geld kommt, wollen wir nicht akzeptieren, dass ein deutscher Spieler mehr als sein halbes Leben in Spanien verbringt und dort alles abräumt, von dem wir mit unseren international nur wenig erfolgreichen Spitzenteams seit fast einem Jahrzehnt nur noch träumen können.
Schuster war schon immer ein Problemfall: Bei der EM 1980 wurde er als 20-Jähriger zum besten Spieler des Turniers gewählt, vier Jahre später aber überwarf er sich mit Bundestrainer Jupp Derwall. Ein fast unmögliches Unterfangen, wie man heute weiß, schließlich hatte der rheinländische Gutmensch sogar zugelassen, dass Breitner & Co. sich während des WM-Turniers 1982 (Schuster war verletzt) regelmäßig im Mannschaftshotel einen auf die Lampe gießen. Wer weiß, ob Derwall seinen Hut nach der verkorksten EM 1984 hätte nehmen müssen, wenn er auch bei Schuster ein Auge zugedrückt hätte….
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