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Ballesta vs. Oleguer

„Viva España, ihr Hurensöhne!“

Text: Dominik Bloedner  Bild: Carlos Moret

„Viva España, ihr Hurensöhne!“

Gegensätzlicher könnten sie nicht sein, die Fußballprofis Salva Ballesta (32), der in der Winterpause vom Zweitligisten Málaga an UD Levante in die erste Liga ausgeliehen worden ist, und Oleguer Presas (27) in Diensten des Champions-League-Siegers FC Barcelona. Ein strammer Rechtsaußen im Sturm gegen einen linksradikalen Verteidiger. Vor kurzem hat es zwischen den beiden richtig gekracht – allerdings nicht auf dem Spielfeld.



Oleguer, der aus der autonomen Szene kommt, mit Globalisierungsgegnern sympathisiert und schon einmal bei der Räumung eines besetzten Hauses festgenommen wurde, hat sich im Februar in einem Zeitungsartikel »aus humanitären Gründen« für die Freilassung des wegen 25-fachen Mordes inhaftierten baskischen Terroristen Iñaki de Juana Chaos stark gemacht. Der Terrorist, der seine Taten nie bereut hat, wurde 1987 festgenommen und sollte nach Verbüßung der Haftstrafe eigentlich schon freigelassen werden. Im Herbst 2006 wurde er nochmals verurteilt, da er in baskischen Zeitungen erneut zum Terror aufgerufen hatte. De Juana Chaos ging in den Hungerstreik und erreichte eine Minderung der Haft. Nun verbüßt er den Rest seiner Strafe als Hausarrest, für die Konservativen ein Affront und ein Beweis, dass die Politik von Ministerpräsident Zapatero im Baskenland gescheitert ist. Zumal die Terroristen der ETA trotz ihres im März 2006 proklamierten Waffenstillstands wieder mit dem Bomben und dem Erpressen
von Schutzgeldern begonnen haben.

Oleguers politische Wortmeldung blieb nicht ohne Folgen. Zum einen verlor er rasch einen Sponsorenvertrag mit dem spanischen Sportartikelhersteller Kelme, zum anderen rief sie Salva Ballesta auf den Plan. Einem Hundehaufen bringe er mehr Respekt entgegen als dem katalanischen Linksnationalisten, sagte Salva dem Radiosender Onda Cero. Der FC Barcelona wollte den Stürmer deswegen eigentlich vor das Sportgericht bringen, der spanische Fußballverband winkte aber ab.

Es ist nicht das erste Mal, das Salva, der in der Saison 1999/2000 mit 27 Treffern für den Underdog Racing Santander Torschützenkönig der Primera División wurde, für Polemik sorgt. Eigentlich tut er das an jedem Spieltag, vorausgesetzt, er trifft ins Tor. Denn seine Treffer feiert der Sohn eines Piloten seit jeher mit dem militärischen Gruß – die abgeschwächte Variante des ehemaligen Lazio-Spielers und bekennenden Faschisten Paolo di Canio, der den rechtsradikalen Mob seines Vereins oft und gerne mit dem römischen Gruß zu Beifallsstürmen hinriss, trotz saftiger Strafen durch den italienischen Fußballverband.     

In rechtsradikalen spanischen Internetforen kursiert ein Interview mit Salva, in dem er den deutschen Luftwaffenoberst Hans-Ulrich Rudel, einen unverbesserlichen Nazi auch nach dem Zusammenbruch 1945, zu seinem Idol erklärt. Und in einem Radio-Interview bekannte Salva unlängst, dass er gerne Antonio Tejero, der am 23. Februar 1981 mit anderen Gesinnungsgenossen der paramilitärischen Guardia Civil die damals junge spanische Demokratie in die Franco-Zeit zurückbomben wollte, kennenlernen würde. In Málaga hat er die Gelegenheit dazu verpasst, denn Tejero lebt nach Verbüßung seiner langjährigen Haftstrafe an der Costa del Sol und züchtet, wie es sich für einen alten Mann gehört, ganz friedlich Avocados.



Aus Heft #66 05 / 2007


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