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04.04.2011

11 Spieler, die verstoßen wurden

Judas! Judas! Judas!

Text: Scharnbeck, Börner, Ries, große Klönne  Bild: Imago

Von Schalke nach Dortmund, von Arsenal zu Chelsea, von Celtic zu den Rangers, von Mainz nach Frankfurt – das muss man sich erst mal trauen. Wir erinnern an Spieler, die für einen Transfer exkommuniziert wurden.

11 Spieler, die verstoßen wurden - Judas! Judas! Judas!


1. Lothar Matthäus (von Borussia Mönchengladbach zum FC Bayern München, 1984)

31. Mai 1984: Im Endspiel des DFB-Pokals stehen sich die ewigen Rivalen Borussia Mönchengladbach und Bayern München gegenüber. Für Matthäus ist es nach fünf Jahren in Gladbach das letzte Spiel im Trikot der Borussen, sein Wechsel zum Finalgegner zur kommenden Saison steht schon seit Wochen fest. Für Matthäus keine einfache Zeit, denn seit der Bekanntgabe des Transfers beschimpfen ihn die Gladbacher Fans als »Judas«. In einem spannenden Spiel steht es nach 90 Minuten 1:1, und auch die torlose Verlängerung bringt keinen Sieger hervor. So muss das Elfmeterschießen entscheiden. Als erster Schütze tritt Matthäus an. Schon auf dem Weg vom Mittelkreis zum Elfmeterpunkt sieht man dem damals 23-jährigen seine Unsicherheit an. Matthäus, ein sonst sicherer Elfmeterschütze, nimmt einige Schritte Anlauf und schießt mit voller Wucht – über das Tor. In der Folge verliert Gladbach das Finale im Elfmeterschießen. Für die Fans ist Matthäus der Sündenbock und am Bökelberg endgültig eine persona non grata.



2. Andreas Möller (von Borussia Dortmund zu Eintracht Frankfurt, 1990)

Andreas Möller löste bei seinen Vereinswechseln häufig kontroverse Diskussionen aus, man denke nur an seinen Wechsel vom BVB zum Erzrivalen Schalke. Die Borussenfangemeinde schüttelte nur mit dem Kopf, und nicht wenige Schalke-Fans gaben ihren Mitgliederausweis zurück. Ein mindestens eben so großer, aber schon fast vergessener Aufreger war Möllers Transfer von Borussia Dortmund zu Eintracht Frankfurt im Jahre 1990. Gerüchte über eine Rückkehr des damals 22-jährigen Hessen zur Eintracht kursierten schon seit längerem. Doch nach zwei Jahren in Dortmund verkündete Möller höchstpersönlich im Anschluss an das letzte Bundesligaspiel der Borussia im Westfalenstadion über die Lautsprecher, dass er im Herzen Borusse sei und auch weiterhin in Dortmund spielen werde. Das Versprechen hielt nur wenige Tage, denn kurz darauf stand sein Transfer zu Eintracht Frankfurt fest. Möller hatte den Fans sein Wort gegeben und es gebrochen. Die Dortmunder Fangemeinde war außer sich.


3. Sean Dundee (vom Karlsruher SC zum FC Liverpool, 1998)


Nach Dundees 16 Toren im Premierenjahr für den KSC prophezeite ihm Trainer Winfried Schäfer eine glänzende Karriere in der Nationalmannschaft. Doch nachdem der Südafrikaner im Eilverfahren zum Bundesbürger erklärt worden war, versagten dem hoffnungsvollen Talent zusehends die Nerven. In der Saison 97/98 erzielte das sonst so treffsichere »Torkrokodil« nur drei Treffer. Den Spott der Fans zog er sich allerdings durch seine Eskapaden außerhalb des Platzes zu. Erst verließ er seine schwangere Freundin Heidi zugunsten einer südafrikanischen Jugendliebe, dann flirtete er in wilder Promiskuität mit sämtlichen Bundesligaklubs, die ihm seine dubiosen Berater vor die Nase hielten. Nachdem Dundee, noch angeheitert vom vorabendlichen Discobesuch, einen Behandlungstermin beim KSC-Vereinsarzt sausen ließ, gab ihm der Verein den Laufpass. Die letzten Auftritte im Wildparkstadion glichen einem Spießrutenlauf, dem sich Dundee in seiner jugendlichen Naivität offen stellte. Die Fans verziehen ihm dennoch nicht.


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Kommentare

  • User
  • 15.05.2007 14:08:34 thukydides

    Einen Beitrag über 11 verstoßene Spieler ohne den Judas Jörg Heinrich (Wechsel vom SC Freiburg zu Borussia Dortmund) kann gar nich vollständig sein!

    Schade
    Thukydides

  • User
  • 11.10.2007 10:42:25 levent

    Kleine Anmerkung:
    Sean Dundee war in seiner letzten Spielzeit (bis 2006) Publikumsliebling. Nach seinem Wechsel zu Offenbach wurde er im Heimspiel gegen den KSC bei seiner Einwechslung von den KSC-Fans gar gefeiert.
    Viel schlimmer als Dundees Hickhack (alle wussten, dass er seine Tassen ohnehin nicht alle im Schrank hatte) waren die Transfers von Olli Kahn und vor allem Thorsten Fink zum FCB.

  • User
  • 11.10.2007 16:15:59 monssolis

    Man sieht die Überschrift, man sieht TKD's Namen, und man weiß, einer der rotesten Fäden der Forumsgeschichte wird hier auftauchen, der Heinrich Jörg. Ach schön, daß es immer noch Dinge gibt, die sich nicht ändern!

  • User
  • 26.09.2009 05:22:34 ibanez605

    Also das mit Heinrich sehe ich gar nicht sooo eng. Vor allem haben die beiden Vereine auch keinerlei Konkurrenz (leider sogar das Gegenteil, damals).

    Wie wäre es denn mit Helmes (FC zu Bayer), Jeremies zu den Bayern oder um international zu sein, inzwischen Owen bei ManU. Wenn man das vor ein paar Jahren in Anfield erzählt hätte...

  • User
  • 26.09.2009 10:58:49 rz1979

    und wo ist bitte der Transfer des jungen Roberto Baggio von Fiorentina zu Juventus???? Da haben die Fans die Autobahn abgesperrt....

  • User
  • 26.09.2009 13:32:05 heisenberg

    wenn man cashley hole in die liste aufnimmt,muss man eigtl. noch den unaussprechlichen(klose) in die liste bringen.
    kurz vorm uefa-cup spiel am hannoveraner flughafen mit dem uli treffen ist nicht die feine art seinen abschied aus bremen zu forcieren...

  • User
  • 26.09.2009 13:49:26 MarcRamone

    Da gibt es bestimmt noch einige Beispiele, die extreme Reaktionen hervorbrachten, wenn man europaweit schaut. So kann der Artikel nur einen Ausschnitt darstellen.

    Ich selbst erinnere mich noch an das erste Auswärtsspiel von Jens Lehmann für den bvb auf Schalke. Ich habe noch nie soviel so laute Judas Rufe gehört. Das Stadion war bei dem damaligen Derby naturgemäß ausverkauft und man stelle sich vor, dass wirklich alle Schalker bei Lehmanns Ballkontakten Judas riefen. An so lautes kollektives Gebrüll kann ich mich vergleichsweise kaum erinnern. Ich fand es heftig. So ist es zumindest in meiner Erinnerung.

  • User
  • 26.09.2009 19:37:30 johannn

    vor allem fehlt in der liste natürlich sol campbell, der als absoluter publikumsliebling und kapitän von tottenham hotspur ablösefrei zu den erzrivalen arsenal london gewechselt ist.

  • User
  • 26.09.2009 22:01:56 FichtelFischer

    Als es damals hieß, das der Möller zu uns nach Schalke kommt,
    da wäre ich fast vom Stuhl gefallen.
    Kann mich an diesen Tag noch sehr genau erinnern.

    Ich saß in einem Küchengeschäft als wir die letzten Details klärten,
    kam dann im Radio diese Meldung. Ich konnte keinen klaren Gedanken mehr fassen, Küche wurde auch erst später gekauft!

    Solch ein Wechsel, wenn er emotional berührt, ist schon ein Schlag ins Gesicht.

    "Was, der Möller? Wohin soll der Wechseln? Den wievielten haben wir heute?"

    Für mich war das DER Wechsel, an kuriosität, meines erachtens nach nicht zu überbieten!

  • User
  • 26.09.2009 23:08:53 sgu07

    ich stelle mir die frage: wo kommt denn dieser zwei jahre alte fred her? warum wurde der gerade heute ausgegraben?

  • User
  • 28.09.2009 00:17:33 Vitoco

    Auch wenn der Artikel wohl schon 2 Jährchen alt ist, so sind die Anekdoten die z.B. das Ruhrderby betreffen doch immer wieder aktuell und interessant.
    Für mich ist übrigens der größte Judas (Geldhure klingt noch besser) Ronaldo. Der dicke Typ hat sowohl für Barcelona als auch für Real gespielt und ebenso in Mailand bei Inter und Milan.
    Und jetzt kehrt er nach Brasilien zurück, aber nicht in die Arme seines Jugendvereins Flamengo sondern zu dessen (auf Landesebene) größten Konkurrenten Corinthians!

    Übrigens ist Catanias Trainer Walter Zenga vor dieser Saison zu Palermo gewechselt. Ehre schreibt sich auf Sizilien anders.

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