Aktuelles Heft

die Fußballwelt dreht sich fix. Es ist gerade ein paar Monate her, da nahm Uwe Rapolder die geballten Huldigungen des Feuilletons für sein postmodernes Pressing entgegen und der Kölner »Express« sank angesichts des neuen FC-Trainers ehrfürchtig auf die Knie: »Mit seinem Fußballkonzept kommt er in die Stadt wie ein Wasserhändler in die Wüste.« Bald darauf aber wurde nur noch wenig über vertikale Pässe und Pressing in der gegnerischen Hälfte debattiert, sondern über die Menschenführung des neuen Trainers. Und prompt schien sich die ewige Weisheit zu bestätigen, dass in Köln die Wege kurz sind, vom Ehrenmitglied der Prinzengarde zum steckbrieflich gesuchten Geißbockmörder. Doch was zunächst aussieht wie der alljährliche Crashtest von kölschen Titelträumen und harter Realität, ist ein universeller Mechanismus im Fußball: Trainer werden geholt, bejubelt und gefeuert. Ganz selten nur erhalten sie die Gelegenheit, länger als drei oder vier Jahre am Aufbau einer Mannschaft zu arbeiten. Der sportliche Misserfolg hat am Ende noch jedem Coach das Genick gebrochen. Und unverdrossen predigen Vereinsvorstände nach dem Rausschmiss, dass spätestens beim nächsten Trainer endlich langfristig gearbeitet wird. Selbst wenn der neue Mann Friedel Rausch heißt.

Deshalb haben wir uns bei unserem Titelthema gefragt: Was zeichnet einen guten Trainer aus? Strategisches Denken, einnehmender Charme, schneidiges Auftreten? Der richtige Ton in der Kabine? Ein Händchen für schwierige Spieler? Wer eine Stellenanzeige für den perfekten Trainer zu formulieren hätte, käme wahrscheinlich ganz schön ins Schwitzen. Denn das Profil des modernen Übungsleiters ist weitgefächert. Woche für Woche muss er mindestens 20 Spieler disziplinieren, die richtige Aufstellung für das Kellerduell am Samstag finden, dem Manager die Transfersumme für eine Verstärkung im linken Mittelfeld aus dem Kreuz leiern, auf einem Fanklubtreffen Autogramme schreiben und natürlich der Presse erklären, warum denn schon wieder nur mit einer Spitze gespielt wird. Kurzum, es ist der drittstressigste Job überhaupt, »nach Astronaut und Börsenmakler«. Übrigens eine Einschätzung von Uwe Rapolder. Und da hatte er in Köln noch nicht einmal angefangen.

Bevor wir es vergessen: Dies ist die 50. Ausgabe von 11 FREUNDE. Ein herzlicher Dank geht an unsere Leser, die uns einen langen Atem verschafft haben, den wir anfangs selbst nicht für möglich gehalten hätten. Manchmal dreht sich die Fußballwelt eben doch nicht so fix. Schön.

Viel Spaß beim Lesen und wunderbare Weihnachten wünschen

Reinaldo Coddou H. und Philipp Köster
Gute Trainer, schlechte Trainer
Kaum ein Bundesligatrainer bleibt länger als drei Jahre beim gleichen Verein. Dann wird er gefeuert. Ein atemloser Kreislauf, der die Frage aufwirft: Was macht einen guten Trainer eigentlich aus? Ist er eine Mischung aus Ernst Happel, Ottmar Hitzfeld und José Mourinho? Oder findet am Ende jeder Trainer seinen ganz eigenen Weg? Ein Essay von Philipp Köster
Chinesische Maultaschen
Guido Buchwald, Teammanager der Urawa Red Diamonds, über die Situation der J-League, den vernach lässigten asiatischen Markt, die selbst gebackenen Laugenbrezeln von Frau Buchwald und morgendliche Autogramme in der U-Bahn
Grantler und Bohemien
Ernst Happel war nicht nur einer der erfolgreichsten Trainer der Fußballgeschichte, er ist eine Ikone. Einer, an dessen Bilanz und Charisma sich noch Generationen von Coaches messen lassen müssen. Und dies alles trotz oder gerade wegen seines widersprüchlichen Charakters. Ein Porträt von Jens Kirschneck

Die Titelgeschichten der Januar-Ausgabe

Zeitlupe

Die 11 FREUNDE-Monatsrückschau


Kurzpass

WM-Auslosung, 2000 km zu jedem Auswärtsspiel, Jean-Marie Pfaff


Titelthema

Gute Trainer, schlechte Trainer: Was ein Coach alles braucht


Magazin

Kolumnen: Zeigler, Formeseyn, Bobic, Azone

Spielplan: Termine im Dezember und Januar

Tackling: Pfeifen die Schiris zu kleinlich?

Achtzehn: Kleine Geschichten aus der Bundesliga

Stammplatz: Fan-Bekenntnisse aus Bremen und Karlsruhe

Das Gespräch: Georg Koch über Ämterhäufung und Verantwortung

Elfmeter: Christoph Biermann über die Überraschungsmannschaft der Saison

Das Ende der Nostalgie: Cottbus feiert eine Renaissance

Unterkiefer in Position: Tipps für intelligente Pöbeleien aus dem Block

Das Biest mit der 44: Gert Goolkate trifft in Nordhorn, wie er will

25 Dinge, die man unbedingt über die Winterpause wissen sollte

Notizen aus der Provinz: Giuseppe Reina fand in Siegen sein Glück

Ihr Freund und Helfer: Die Zeugwarte des FC Bayern

Guido Schröter: Wörnsi will Sex vor dem Spiel

Kunstschuss: Impressionen aus Boca

Schweigeminute: Nachrufe auf Franco Scoglio und John Haynes

Impressum


Die Welt ist rund

Chinesische Maultaschen: Guido Buchwald im Interview

Strickpatent mit Wappen: Fans entwerfen ihre eigenen Jacken

Freudentanz bis Stromausfall: Togo, Ghana und die Elfenbeinküste sind bei der WM dabei

Im Netz der finsteren Supernanny: Matthias Paskowsky über Sittenverfall in England

Europapokal in Almelo: Martin Pieckenhagen hütet jetzt in Holland das Tor

Europaplatz: Fotografische Grüße von Hans van der Meer


Probetraining

Medienrückschau, Verbale Pfostenschüsse, Geschenktipps


Auswärtsspiel


Nottingham – Rotherham, Managua – Esteli, New Zealand – Adelaide


Günter Hetzer

Wie die Clique Peter Neururer von einem Engagement in Nürnberg abhielt
Heft #50 12 / 2005

Artikel zur Ausgabe

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