Aktuelles Heft

Heft #49 11 / 2005

Ende letzten Jahres präsentierte das Fußballmagazin »Fourfourtwo« eine Liste der hundert reichsten Männer im englischen Fußball. Wer dort nun das »who is who« der bestbezahlten Spieler erwartet hatte, musste erstaunt feststellen, dass mit David Beckham der erste Kicker mit einem geschätzten Vermögen von 65 Millionen Pfund erst auf Platz 41 rangierte. In den oberen Rängen ausschließlich zu finden: Geschäftsleute, Industriekapitäne, Geldadel. Zum Beispiel Paul Gregg, Chairman bei Everton, auf Platz 27 mit 127 Millionen Pfund. Trevor Hemmings, Anteilseigner bei Charlton und Preston, sitzt mit geschätzten 700 Millionen Pfund auf Platz vier. Und natürlich ist Chelseas russischer Mogul, Roman Abramowitsch, die eindeutige Nummer eins, mit rund 7,5 Milliarden Pfund auf der hohen Kante.

Steinreiche Herren also, wohin man blickt, und nur ein weiterer Beleg dafür, dass der englische Profifußball längst die Kontrolle über sich verloren hat. Denn regiert wird die Premier League nicht mehr von Vorständen und Vereinsgremien, sondern von kühl kalkulierenden Industriellen. Die wiederum interessieren sich weniger für Faninteressen oder sportliche Erwägungen, sondern vor allem für eines: den größtmöglichen Profit. Das mag wie eine antikapitalistische Brandrede klingen, ist aber nur die Erkenntnis aus der größten Übernahmeschlacht, die der englische Fußball je erlebt hat. Als der amerikanische Investor Malcolm Glazer sein Aktienpaket bei Manchester United erhöhte, formierte sich alsbald breiter Protest in der Fanszene gegen eine mögliche Übernahme. Denn Glazer ist in der Tat der Prototyp des fußballfernen Investors, der sich allein seinem Portemonnaie verpflichtet fühlt. Wie zur Bestätigung aller Befürchtungen kündigte der neue starke Mann bei United gleich nach der gelungenen Übernahme an, die Eintrittspreise drastisch zu erhöhen. Unser Autor Marcus Christenson hat den Kampf um die Macht bei Manchester United vor Ort verfolgt und beschreibt den erbitterten Widerstand der Anhänger, der schließlich in der Gründung eines neuen Klubs, des »FC United of Manchester«, mündete. Ein letzter, verzweifelter Schritt nach vielen Niederlagen, und so verwundert es nicht, dass sich viele Fans am Ende fragten: »Ist es eigentlich richtig, was wir hier tun?« Beantworten kann ihnen diese Frage niemand.

Viel Spaß beim Lesen wünschen

Reinaldo Coddou H. und Philipp Köster

Die Titelgeschichten der Dezember-Ausgabe

Zeitlupe

Die 11 FREUNDE-Monatsrückschau: Kameruns Drama, Wasser in Frankfurt, Iranische Frauenelf


Kurzpass

Lothar Matthäus, Allein unter Schalkern, Oma Panini, Heart of Midlothian


Titelthema

Bis Glazer uns scheidet: Wie Manchester United seine Seele verlor


Magazin

Kolumnen: Arnd Zeigler, Axel Formeseyn, Fredi Bobic, Christoph Azone

Achtzehn: Flotte Melodien, falsche Ausweise, billige Busse – Geschichten aus der Liga

Stammplatz: Fan-Bekenntnisse aus Krefeld und Mainz

Jahrhundertmannschaften: Der AC Mailand und seine Holländer Ende der 80er

Das Gespräch: SZ-Redakteur Hans Leyendecker über Berufsehre und Freikarten

Elfmeter: Christoph Biermann über Calmunds Schatten und den dollen HSV

Auswärtsspiel in Wilmersdorf: Wo Exil-Fans in Berlin überleben

Nagelsets und Wäschediebe: 25 harte Fakten über Kölns Prinzregenten Lukas Podolski

Spielstand per Handy: Linienrichter ganz unten

Hühner auf der Stange: Das Tour-Tagebuch der 11-FREUNDE-Lesereise

Cartoon von Guido Schröter: Vom Kaiser zum Kanzler

Ausgemerzte Erinnerungen: Der DFB unterm Hakenkreuz

Gelb ist die Hoffnung: Notdurft im Stadion

Anastacia im Abspann: Wie sich Plattenfi rmen in Sportübertragungen einkaufen

Kunstschuss: Føroyar - Bilder aus dem ewigen Herbst

Gästeblock: Was unsere Leser bewegt

Schweigeminute: Nachrufe auf Noel Cantwell und Toni Fritsch

Impressum


Die Welt ist rund

Bernd Schuster im Interview: Getafe in der Hand, Real auf dem Dach

Koloss im Kasten: Die Geschichte von William „Fatty“ Foulke

Und jetzt? Matthias Paskowsky über die Leere des Fußballers nach dem letzten Pfiff

Demis, der Denunziant: Wie der Präsident von AEK Athen gegen Hooligans kämpft

Europaplatz: Fotografische Grüße von Hans van der Meer


Probetraining

Medienrückschau, Verbale Pfostenschüsse, Bücher, Produkte, Bilderrätsel


Auswärtsspiel

Independiente - Racing Club, VVV Venlo – SC Cambuur Leeuwarden, Türkei - Deutschland


Günter Hetzer

Franzens Party zum 60sten: Horny Mike hat die Nase vorn
Bis Glazer uns scheidet
Bis Glazer uns scheidet
Der Verkauf des Klubs an den amerikanischen Großunternehmer Malcolm Glazer war zuviel. Unser Autor Marcus Christenson hat über Wochen in Manchester den Kampf gegen Glazer verfolgt und die Spaltung der United-Fans in mehrere Lager erlebt. Das Protokoll eines dramatischen Sommers
Berufsehre und Freikarten
Berufsehre und Freikarten
Hans Leyendecker ist Leitender politischer Redakteur der Süddeutschen Zeitung und einer der berühmtesten Rechercheure Deutschlands. Dem Fußball, traditionell ein schöner Ort für Mauscheleien, hat sich der investigative Journalist und bekennende BVB-Anhänger bislang allerdings nur sporadisch gewidmet.
»An mir lag es nicht«
»An mir lag es nicht«
Bernd Schuster ist als Trainer beim Madrider Vorort-Club Getafe CF erfolgreich. Der Mann der Stunde im spanischen Fußball würde aber bei einem Anruf von Real sofort schwach werden. Vorsorglich wurde schon mal ein neuer Vertrag unterzeichnet. Auch für den Fall, dass noch mal der VfL Wolfsburg anklopft.