Bernd Schusters Karriere
Zwischen Genie und Gaby
Text: Dirk Gieselmann Bild: Imago
Vom SV Hammerschmiede Augsburg zu Real Madrid, vom Triumph zur Depression und wieder zurück: Bernd Schusters Laufbahn sucht ihres Gleichen. Wir blicken zurück auf seine Karriere, die untrennbar ist von einer blonden Frau.
In den frühen 70er Jahren spielte der SV Hammerschmiede Augsburg keine wesentlich größere Rolle als heute. Er ist ein kleiner Verein, einzig sein Name mag zum Nachdenken anregen. Lernten hier Karl Allgöwer und Martin Kree, was ein Hammer ist? Ja, sogar Dr. Hammer persönlich, Bernd Nickel? Keiner von ihnen. In den frühen 70er Jahren spielte in der Jugend des SV Hammerschmiede Augsburg ein Junge, der ein feines Füßchen hatte wie in Deutschland kaum einer vor und niemand nach ihm. Er war der blonde Engel: Bernd Schuster.
»Schuster ist eines der größten Talente, die ich jemals gesehen habe. Hier wächst ein spielerisches Genie heran«, frohlockte DFB-Trainer Jupp Derwall. Doch wie auch das zweite sich abzeichnende Ausnahmetalent des deutschen Fußballs, Lothar Matthäus, stand Schuster mit einem Bein im Wahnsinn. Im Alter von 18 Jahren unterzeichnete er drei Verträge zugleich - beim FC Augsburg, bei Borussia Mönchengladbach und beim 1. FC Köln. Schließlich ging er zum FC und eroberte sich dort nach nur wenigen Spielen einen Stammplatz im defensiven Mittelfeld. Aus der Tiefe des Raumes beherrschte der junge Schuster das Spiel durch seine Übersicht und lange Pässe »wie einst Franz Beckenbauer«, so Derwall. In seiner einzigen kompletten Saison für Köln schoss er obendrein neun Tore. Doch nach kaum zwei Jahren offenbarte Schuster: »Ich komme mit dem FC nicht dahin, wo ich hin will.« Schon warben die großen Vereine aus Italien und Spanien um ihn.
»Ich kriege den Bernd schon hin«
Bei der EM 1980 trat Bernd Schuster erstmals ins Licht der internationalen Öffentlichkeit. Er war es, der im Finale die Abseitsfalle der Belgier aushebelte und so das Siegtor durch Horst Hrubesch ermöglichte. Man wählte ihn zum besten Spieler des Turniers. In den Stunden danach erfuhr er, dass sein Trainer Hennes Weisweiler den FC verlassen würde. »Was soll ich denn jetzt machen?«, klagte er noch in der Kabine. Seine Frau Gaby wusste es: Es zog sie nach Südeuropa. Bernd Schusters Abschied aus der Bundesliga war besiegelt: Er wechselte zum FC Barcelona.
Dort empfing ihn Udo Lattek, der wusste, dass Schuster kein handzahmer Spieler war. »Ich kriege den Bernd schon hin«, sagte er. Er kannte sich in solchen Fällen aus. Denn in Barcelonas Kader stand ein junger Mann, dessen Genialität und Schrulligkeit damals schon offen lagen, wenn sie sich auch erst im Laufe der Jahre in beinah übertriebener Weise entfalten sollten. Sein Name war Diego Maradona. An dessen Seite und unter der Hand Latteks reifte Schuster zu einem Centurio des Spiels. Wo eine Lücke im Bollwerk des Gegners entstehen würde, das ahnte nur er und schlug genau dort hin den Zuckerpass. Alsbald waren auch seine Freistöße gefürchtet, seine Fernschüsse nicht weniger. In seiner ersten Spielzeit in der Primera Division gelangen Schuster gleich 11 Tore. Barcelona wusste nicht, wen es mehr lieben sollte, Maradona oder den blonden Engel vom SV Hammerschmiede Augsburg.
Aus 11 FREUNDE Spezial: 80er
---
News, Interviews, Blogs, Statistiken und Service zu: 1. FC Köln






