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19.07.2011

Bernd Schusters Karriere

Zwischen Genie und Gaby

Text: Dirk Gieselmann  Bild: Imago

Vom SV Hammerschmiede Augsburg zu Real Madrid, vom Triumph zur Depression und wieder zurück: Bernd Schusters Laufbahn sucht ihres Gleichen. Wir blicken zurück auf seine Karriere, die untrennbar ist von einer blonden Frau.

Bernd Schusters Karriere - Zwischen Genie und Gaby


In den frühen 70er Jahren spielte der SV Hammerschmiede Augsburg keine wesentlich größere Rolle als heute. Er ist ein kleiner Verein, einzig sein Name mag zum Nachdenken anregen. Lernten hier Karl Allgöwer und Martin Kree, was ein Hammer ist? Ja, sogar Dr. Hammer persönlich, Bernd Nickel? Keiner von ihnen. In den frühen 70er Jahren spielte in der Jugend des SV Hammerschmiede Augsburg ein Junge, der ein feines Füßchen hatte wie in Deutschland kaum einer vor und niemand nach ihm. Er war der blonde Engel: Bernd Schuster.



»Schuster ist eines der größten Talente, die ich jemals gesehen habe. Hier wächst ein spielerisches Genie heran«, frohlockte DFB-Trainer Jupp Derwall. Doch wie auch das zweite sich abzeichnende Ausnahmetalent des deutschen Fußballs, Lothar Matthäus, stand Schuster mit einem Bein im Wahnsinn. Im Alter von 18 Jahren unterzeichnete er drei Verträge zugleich - beim FC Augsburg, bei Borussia Mönchengladbach und beim 1. FC Köln. Schließlich ging er zum FC und eroberte sich dort nach nur wenigen Spielen einen Stammplatz im defensiven Mittelfeld. Aus der Tiefe des Raumes beherrschte der junge Schuster das Spiel durch seine Übersicht und lange Pässe »wie einst Franz Beckenbauer«, so Derwall. In seiner einzigen kompletten Saison für Köln schoss er obendrein neun Tore. Doch nach kaum zwei Jahren offenbarte Schuster: »Ich komme mit dem FC nicht dahin, wo ich hin will.« Schon warben die großen Vereine aus Italien und Spanien um ihn.

»Ich kriege den Bernd schon hin«

Bei der EM 1980 trat Bernd Schuster erstmals ins Licht der internationalen Öffentlichkeit. Er war es, der im Finale die Abseitsfalle der Belgier aushebelte und so das Siegtor durch Horst Hrubesch ermöglichte. Man wählte ihn zum besten Spieler des Turniers. In den Stunden danach erfuhr er, dass sein Trainer Hennes Weisweiler den FC verlassen würde. »Was soll ich denn jetzt machen?«, klagte er noch in der Kabine. Seine Frau Gaby wusste es: Es zog sie nach Südeuropa. Bernd Schusters Abschied aus der Bundesliga war besiegelt: Er wechselte zum FC Barcelona.

Dort empfing ihn Udo Lattek, der wusste, dass Schuster kein handzahmer Spieler war. »Ich kriege den Bernd schon hin«, sagte er. Er kannte sich in solchen Fällen aus. Denn in Barcelonas Kader stand ein junger Mann, dessen Genialität und Schrulligkeit damals schon offen lagen, wenn sie sich auch erst im Laufe der Jahre in beinah übertriebener Weise entfalten sollten. Sein Name war Diego Maradona. An dessen Seite und unter der Hand Latteks reifte Schuster zu einem Centurio des Spiels. Wo eine Lücke im Bollwerk des Gegners entstehen würde, das ahnte nur er und schlug genau dort hin den Zuckerpass. Alsbald waren auch seine Freistöße gefürchtet, seine Fernschüsse nicht weniger. In seiner ersten Spielzeit in der Primera Division gelangen Schuster gleich 11 Tore. Barcelona wusste nicht, wen es mehr lieben sollte, Maradona oder den blonden Engel vom SV Hammerschmiede Augsburg.



Aus 11 FREUNDE Spezial: 80er

Das waren die Achtziger


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Kommentare

  • User
  • 22.12.2009 09:34:48 Gruni

    Also Leute, ihr könnt Loddar nicht in die Nähe von Bernd Schuster stellen!! Der blonde Engel ist unerreicht in seiner Spielintelligenz. Vielleicht ist Schuster sogar der beste Spieler, den wir je hatten.

  • User
  • 22.12.2009 11:37:38 MarcRamone

    Ich weiß auch nicht wieso man die beiden (Schuster, Matthäus) vergleichen sollte. Es sind sehr unterschiedliche Typen, sowhol auf dem Platz und wohl auch außerhalb.

    Mir war nie bewusst, dass Schuster die Zeit mit Maradona zusammenin Barcelona hatte. Das ist ja absolut genial. Ich habe mal eben auf youtube geschaut, ob es aus der Zeit tolle Spielzüge gibt. Ich fand nur einen gemeinsamen Spielzug mit Tor. Anonsten gabs "nur" grandiose Galaauftritte von Maradona. Sehenswert.

    Vielleicht wäre ja mal ein Interview mit den beiden zusammen unterhaltsam und interessant. Aber ich weiß nicht, ob das überhaupt Typen sind, die aus dem Nähkästchen plaudern...

    Mich würde mal das Bild der Spanier über Schuster interessieren. Klar ist er ein großer und sehr anerkannter dort, aber wie sieht man dort seine Wechsel? Nacheinander drei große Erzrivalen abklappern hat schon was.

  • User
  • 20.07.2011 16:39:52 Capocannoniere

    Außerdem ist Barca erst nach Schuster, Maradona, Lineker etc. richtig groß geworden. Was der Verein heute ist, hat er ausschließlich Cruyff zu verdanken. Kann sich z.B. jemand an einen der spanischen Spieler erinnern, mit denen Schuster und Maradona in Barcelona zusammengespielt haben ? Wahrscheinlich nicht.

    Bis zu dem Foul durch Goiko, von dem er nicht wieder zu seiner alten Form zurückgefunden hat, wurde der junge Schuster in Spanien nicht selten mit Pelé (!) verglichen. Er war der erste Spieler, der den Titel "bester Ausländer der letzten 25 Jahre" gewann - vor Cruyff. Erst Michael Laudrup in den 90ern hat dann sowohl Cruyff als auch Schuster hinter sich gelassen.

    In seinen späteren Jahren in Barcelona stand Schuster im Ruf eines Intriganten. Die sinnlose Endspiel-Niederlage in Sevilla 1986, bei der die Barca-Spieler ihre sämtlichen Elfmeter versemmelten, tat ein Übriges. Von 1990 an hat Cruyffs "Dream Team" sämtliche vorangegangenen Inkarnationen des Clubs ziemlich blaß aussehen lassen.

  • User
  • 20.07.2011 16:44:37 AntiMöller

    Gaby Schuster: die Yoko Ono des deutschen Fußballs...*donnergroll*

  • User
  • 29.07.2011 14:29:15 Corbeau

    Oh man, Schuster als Fußballgott, mir wird ganz schlecht...der Artikel hat jedenfalls was von Götzenverehrung.

  • User
  • 05.10.2011 23:34:22 linkswierechts

    Wär er beim FC geblieben, wenn Hennes geblieben wäre ? Wenigstens ein paar Jahre wahrscheinlich... 3 Verträge gleichzeitig unterschreiben is auch grandios. War wohl auch Gaby's Idee... @Corbeau: Eher etwas von Götterdämmerung

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