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13.09.2011

Alemannia Aachen-Trainer Peter Hyballa im Interview

»Scheiß doch drauf ...«

Interview: Moritz Herrmann  Bild: Imago

Alemannia Aachen hat Trainer Peter Hyballa aufgrund des historischen Fehlstarts seiner Mannschaft mit sofortiger Wirkung entlassen. Noch vor wenigen Wochen sprach der schlagfertige Jungtrainer mit uns noch über Mentalkino, Kater und José Mourinho.

Alemannia Aachen-Trainer Peter Hyballa im Interview - »Scheiß doch drauf ...«


Peter Hyballa, was haben Sie 1989/90 gemacht?

Peter Hyballa: Die Mauer war grad gefallen und ich habe mir noch Aknecreme ins Gesicht geschmiert.

Immerhin wurden Sie neulich auf einer Pressekonferenz schon mit historischen Vergleichen konfrontiert. 1989/90 erwischte die Alemannia einen ähnlich schlechten Start und stieg am Ende der Saison ab.

Peter Hyballa: Ich bin extra nicht Geschichtslehrer geworden, weil ich nicht nur überlegen will, was früher war. Ich verstehe die Frage, ich verstehe auch den Beruf des Journalisten. Sie und Ihre Kollegen schauen gerne in die Vergangenheit, um Dinge vergleichbar zu machen. Sie arbeiten retroperspektiv. Ich bin aber Trainer geworden, um visionär zu arbeiten und in die Zukunft zu gucken. Deshalb habe ich 17 Jahre in den Zukunftsabteilungen der Klubs, sprich im Jugendbereich, gearbeitet.



Als Trainer müssen Sie aber doch wenigstens so weit zurückblicken, um das letzte Spiel zu analysieren.

Peter Hyballa: Natürlich überlege ich, was ich nach einer Niederlage besser oder nach einem Sieg ähnlich machen kann. Aber immer alles bis ins Allerletzte zu analysieren, kommt mir wie Ohrenschmalzsuppe raus. In Belgien gibt es eine eigene Berufssparte, den Visionärstrainer. Das gefällt mir. Eine Frage nach 1989 hat für mich keine Substanz. Ich mag konkrete Fragen, taktische Fragen.

Gerne, eine taktische Frage also: Nach der Niederlage gegen Energie Cottbus sagten Sie, Ihr Team habe nicht ins vertikale Spiel gefunden. Warum denn nicht?

Peter Hyballa: Beim Umschalten muss man in die Tiefe gucken, in die Tiefe laufen und in die Tiefe spielen. Um das umzusetzen, muss man aber auch Bock haben und den Mut, einen Fehlpass zu riskieren. Im Moment fehlt uns dieser Mut. Die Jungs haben Angst davor, Fehler zu machen. Das ist wie wenn ich sage: Denk auf keinen Fall an einen Elefanten mit blauen Punkten! Woran denkst du? Klar, an den Elefanten mit blauen Punkten.

Kann man Unbeschwertheit trainieren lassen?

Peter Hyballa: Mein Coachingverhalten zielt darauf ab. Ich sage auch mal: »Scheiß doch drauf, spiel den Pass.« Die Jungs kennen ja meine Idee vom Fußball. Derzeit kommt nur einfach das Mentalkino dazu. Vorne fehlt die Bereitschaft. Wir bewegen uns schlecht, probieren zu wenig aus und in der Folge kommt der Ball dann quer links, quer rechts. Es gibt Trainingsformen, die das manipulieren können. Die Vorgabe, in sechs Sekunden vor das gegnerische Tor kommen zu müssen, zum Beispiel, oder die Option, das Spielfeld sehr eng zu begrenzen. Da muss dann viel gelaufen werden und Querpässe verbieten sich. 

Vier Partien, vier Niederlagen, dazu das Pokal-Aus – die lokale Presse will die Startelf durchrotiert und die taktische Ausrichtung umgestellt sehen. Warum kann es aber auch mal richtig sein, gar nichts zu verändern?

Peter Hyballa: Um zu zeigen, dass nicht alles schlecht war. Dass wir viel Pech hatten. Gegen Cottbus haben wir zwei vermeidbare Tore bekommen. Deswegen krempel ich nicht gleich den Spielstil um, den ich hier seit fünfzehn Monaten predige. Unser Credo ist und bleibt das Umschalten. Ist der Gegner nach Ballverlust ungeordnet, geht es mit Attacke nach vorne.

Auch andere Teams setzen darauf, das Feld schnell zu überbrücken.

Peter Hyballa: Klar, das ist ein genereller Trend. Schalten, schalten, schalten! Nicht ohne Grund spielen viele Zweitligamannschaften mittlerweile im 4-1-4-1, mit einem schnellen Stürmer, den man bei Ballgewinn sofort schicken kann. Das ist die Zukunft.

Es gibt also gar keine Veränderungen bei Alemannia Aachen?

Peter Hyballa: Doch, im Kleinen. Gegen Energie Cottbus sind wir in Auswärtstrikots aufgelaufen, dazu hat Benny Auer das Team in den letzten Minuten vor dem Anpfiff eingestimmt. Und in dieser Woche haben wir uns nach dem Training einfach mal Pizza reingeschoben. Da war uns die Ernährungswissenschaft egal.   

Sie wollen Ihrer Mannschaft wieder den jugendlichen Leichtsinn einimpfen.

Peter Hyballa: Auf jeden Fall. Das ist wie wenn du mit 18 in die Disko gehst. Da haust du dir einen in' Schädel rein und denkst nicht: 'Oh, das ist jetzt vielleicht gar nicht so gut für mich.' Später allerdings, mit 35 Jahren oder so, da machst du dir Gedanken. Wenn du da mit einem Kater aufwachst, machst du am nächsten Tag wahrscheinlich langsamer – verpasst so aber vielleicht auch eine geile Party. In diesem Denkprozess befinden wir uns grad. Wir haben die Leistung gegen Cottbus verstanden. Was machen wir jetzt daraus?

Ist es unter dem Trainer Hyballa undenkbar, sich für einen dreckigen Sieg auch mal neunzig Minuten im eigenen Strafraum einzumauern?

Peter Hyballa: Die Defensive ist mir wichtig. Wer glaubt, dass mich die sechzig Gegentore aus der letzten Saison nicht gewurmt haben, liegt falsch. Hinten gut stehen und vorne irgendwie eins machen, manchmal geht das. Aber ich hätte zu viel Schiss. Das lädt den Gegner ja geradezu ein zum Toreschießen. Und in der zweiten Liga kann ein Schuss aus 22 Metern auch mal im Netz landen.


weiterlesen [1] [2]



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News, Interviews, Blogs, Statistiken und Service zu: Alemannia Aachen






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Kommentare

  • User
  • 19.08.2011 14:15:19 prazzomoto

    Dieser Hyballa ist ein ähnlich proletiger Unsympath wie diese Wollitz.

    Furchtbare Typen.

  • User
  • 19.08.2011 14:32:21 fänger

    Habe Hyballa mal kennen gelernt bei einer Trainerfortbildung. Ein Super-Typ, wirklich vollkommen normal geblieben. Weder ein Prolet, noch ein Unsympath. Aber eben ein Typ. Fand seine Antwort auf die Frage im TV mit 1989 usw. überragend. Hoffe, dass Alemannia wieder in die Spur kommt. So oder so, wird er aber bald in der ersten Liga auftauchen, da bin ich mir sicher.
    Wollitz kommt übrigens aus der gleichen Ecke wie ich (Kreis Höxter). Ist auch ein Typ. Deswegen muss man nicht alles gut finden, was der macht, aber er kommt mir auf jeden Fall authentisch rüber und labert nicht gleich von Konzept und Matchplan. Die Tuchels, die finde ICH dann nämlich unsympathisch.

  • User
  • 19.08.2011 14:49:46 leralle

    "Ich bin aber Trainer geworden, um visionär zu arbeiten und in die Zukunft zu gucken." Yo! Demnächst auf der Couch.

  • User
  • 19.08.2011 15:20:04 PittiTrueffelschwein

    Furchtbare Typen.

    Die Alternative sind Typen wie Babbel, die nach jedem Spiel reden und reden und reden und die ganze Zeit nichts sagen.
    Solche Menschen mit Charakter, wie Hyballa oder meinetwegen auch Wollitz (den ich persönlich auch nicht mag, aber nicht wegen seiner Art) sind die, die als Trainer den Fußball prägen.

  • User
  • 19.08.2011 16:29:28 Fix

    der babbel babbelt halt gern.

  • User
  • 19.08.2011 18:39:36 Aguirre de Bruxelles

    Ein herrlicher Typ! Hoffe, den auch mal ne Etage höher zu sehen!

  • User
  • 19.08.2011 18:54:36 bsg

    Ja, auch der hats mit der Scheiße!

    “Wir fahren am Wochenende in den Scheiß Osten zu einem Verein, der nicht Fußballspielen kann.”

    Und er fuhr ham mit ner 1:2-Niederlage. Im Rückspiel kam dann die Mannschaft, die nicht Fußball spielen kann aus dem Scheiß Osten nach Aachen und brachte einen 5:1-Sieg mit nach Hause.

    Mal gucken, wie das heute wieder im Scheiß Osten für Aachen endet.

  • User
  • 19.08.2011 20:46:29 Jim Panse

    Mal gucken, wie das heute wieder im Scheiß Osten für Aachen endet.

    Im Osten nix Neues

  • User
  • 19.08.2011 21:39:40 Links_Aussen

    "Ja, auch der hats mit der Scheiße!

    “Wir fahren am Wochenende in den Scheiß Osten zu einem Verein, der nicht Fußballspielen kann.”

    Und er fuhr ham mit ner 1:2-Niederlage. Im Rückspiel kam dann die Mannschaft, die nicht Fußball spielen kann aus dem Scheiß Osten nach Aachen und brachte einen 5:1-Sieg mit nach Hause. "

    Dann sollte man auch richtig zitieren. Damals sagte Hyballa, dass die Leute sagen würden, dass AUE (nicht Faschostock) ein Verein wäre, der ein Verein aus dem Osten sei, und daher nicht Fußball spielen könne, weswegen man dort nicht vedrliren düürfe und er genau das nicht teile. Himmel, Arsch und Zwirn. Nur weil ein paar Leute nicht mehr lesen als den 11Freunde-Spieltagsplaner zum Sonderheft im Din A5 Format, in dem eine Quoten-Frau/Quoten-Behinderte (ich bin auch körperlich behindert, nebenbei gesagt) sich zu Erzgebirge Aue mit dem gleichen Zitat äußern darf, sollte man nicht vergessenb, dass auch sie das Zitat entweder nur auf irehm Platz von Ohr zu Ohr gehört, aber nie gelesen oder es wissentlich falsch widergegeben hat. Aber um mehr Rechereche sollte man sich kümmern. Dafür sollte 11Freunde sich mehr um die eigenen Recherche kümmern, wenn sie solöchge inkompetenten Menschen für sich schreiben läßt im Planer - Quoten hin, Quoten her (als Nutznießer der Behindertenquote gesagt)

    Der Osten soll uns gefälligst die Mauer zurückgeben statt unsere Renten- und Sozialkassen zu plündern! ;)

  • User
  • 19.08.2011 21:44:07 Links_Aussen

    ... und warum erscheinen meine (korrigierten) Rechtschreibfehler immer noch als Fehler, obwohl ich sie während des Schreibens korrigiert habe? *grünel*

  • User
  • 19.08.2011 22:26:10 bsg

    Gefrustet, oder so?

  • User
  • 20.08.2011 07:35:22 currygoi

    Gestern 14:15:19 von prazzomoto
    Dieser Hyballa ist ein ähnlich proletiger Unsympath wie diese Wollitz.

    Furchtbare Typen.




    "proletiger Unsympath"....

    Dieser Kommentar musste von einem Hoffenheim-"Fan" kommen!
    Für euch sind wir doch alles Proleten! Ihr Bonzen!

  • User
  • 20.08.2011 07:42:48 currygoi

    Berichtigung: Hätte von einem Hoffenheim-Fan kommen müssen!

    (Ich entschuldige mich bei Prazzomoto, den ich verwechselte und für nen Hoffenheimer hielt!)

    Zumindest gab mir das die Möglichkeit, mal wieder über TSG zu schimpfen..

  • User
  • 20.08.2011 08:05:21 Tobi123

    Sonst gehts aber noch, oder? Sorry, du schreibst absoluten Unsinn. Was hast du denn gegen Hoffenheim? Meine Güte...

  • User
  • 20.08.2011 11:55:49 chickenbaron

    zum Thema Hyballa in der ersten Liga: da werden wohl noch ein paar Jährchen ins Land gehen müssen, in denen er zeigt, dass die Playstation-Generation ihn nicht nur gut findet, sondern auch erfolgreich unter ihm spielt. Ich glaub da schon eher an ein Comebock von Kopfstoß-Meier im Oberhaus.

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