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13.07.2011

11FREUNDE-Serie: Mein Lieblingstrikot (11)

Spitzenreiter im Seidensticker

Text: Jens Kirschneck  Bild: Imago

Es gab eine Zeit, da belegte Arminia Bielefeld den ersten Platz der Bundesligatabelle. Symbolisch für jene Tage stand das hellblaue Trikot mit »Seidensticker«-Aufdruck. Jens Kirschneck fand es vor einigen Jahren auf einem Flohmarkt wieder. Leider in Größe M.

11FREUNDE-Serie: Mein Lieblingstrikot (11) - Spitzenreiter im Seidensticker


Also, jetzt kommt eine Geschichte, die klingt ziemlich unwahrscheinlich. Es gab eine Zeit, das ist aber wirklich schon sehr lange her, als Arminia Bielefeld Tabellenführer der Fußball-Bundesliga war. Und zwar nicht am ersten Spieltag, wo so etwas ja immer mal durch eine Laune des Schicksals passieren kann, sondern am... äh, zweiten. Und am dritten noch mal. In Bielefeld rieb man sich verwundert die Augen.

>>> Das legendäre Seidensticker-Trikot in der Bildergalerie!



Was die leidgeprüften Ostwestfalen verblüffte, war aber nicht nur, dass sie ihren Klub am anderen Ende der Tabelle als sonst finden konnten, sondern auch die Art und Weise, wie es dazu gekommen war. Arminia Bielefeld spielte Fußball. Und zwar so richtig, mit Hackespitze, Ball laufen lassen und all dem, was man sonst nur von den anderen Mannschaften kannte. Retrospektiv besonders bizarr erscheint, dass die Truppe um Frank Pagelsdorf und Ewald Lienen vom jungen Coach Horst Köppel trainiert wurde, der später nun wirklich keine Bäume mehr ausgerissen hat.

Eine Woge des Erfolges – bis zum 1:11 gegen den BVB

In jenem Spätsommer des Jahres 1982 aber schwammen der Übungsleiter und sein weitgehend namenloses Team auf eine Woge des Erfolges. Gebremst wurde der Bielefelder Höhenflug erst, als die Tage kürzer und die Böden tiefer wurden. Am 6. November trat Arminia bei Borussia Dortmund an und versuchte das Match so anzugehen wie alle übrigen der bis dahin so berauschenden Saison. Heutzutage würde man sagen: Sie versuchten die Situationen spielerisch zu lösen. Bis zur Halbzeit funktionierte das ganz gut, es stand 1:1 und Beoabchter konstatierten ein eher schmeichelhaftes Remis für den BVB. Dann aber muss irgendwas aus dem Ruder gelaufen sein, das Endergebnis lautete 11:1. Für Dortmund, versteht sich.

In den vorderen Tabellenregionen hat man Arminia Bielefeld im weiteren Verlauf nicht mehr gesehen. Doch immerhin stand am Ende der Spielzeit der achte Platz und ein weitgehend sorgenfreies Frühjahr, und das ist definitiv mehr, als der auf karger Scholle wirtschaftende Bielefelder gemeinhin vom Leben erwartet. Quasi symbolisch für jene heiteren Tage stand ein Trikot, wie sie es in Bielefeld vor- und nachher nie wieder gewagt haben, ein formschön geschnittenes Jersey in einem sanften Blauton irgendwo zwischen Hell- und Mittel-, in jedem Fall heller als die in diesem Klub sonst übliche dunkelblaue Konfektionsware.

Das Trikot auf dem Flohmarkt – in der problematischen Größe M

Heute würden bei so etwas wahrscheinlich die Ultras Sturm laufen, von wegen Verfälschung der Traditionsfarben und ähnlicher Quatsch. Damals hat das keinen gekümmert und so steht das Seidensticker-Trikot der Saison 1982/83 stellvertretend für einen kurzen Moment, als das Leben als Arminia-Fan ein klein bisschen leichter als üblich war. Ich selbst zählte damals übrigens 15 Jahre und wohnte 50 Kilometer von Bielefeld entfernt, mein erstes Spiel auf der Alm sah ich erst in der Saison drauf. Später habe ich versucht, irgendwie an dieses Trikot zu kommen, doch es war nicht mehr zu finden – wie auch die Spielkultur jenes Sommers.

Erst viele Jahre und ein halbes Dutzend Ab- und Aufstiege danach habe ich es auf einem Flohmarkt gefunden. Leider war seine Größe M per se problematisch, zudem schien es, als hätte man in den frühen Achtzigern – so kurz nach dem Krieg – noch etwas anderes darunter verstanden. Ich habe es trotzdem gekauft und verschenkt.




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Schnell zu Fuß, schick gekleidet: Horst Wohlers in Aktion.


Fotostrecke

  • Schnell zu Fuß, schick gekleidet: Horst Wohlers in Aktion.
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