Die Geschichte der Fußballfans

11FREUNDE-Spezial: Nr. 1

Die Geschichte der Fußballfans

Neu hier? Alle Infos zu 11Freunde Community
26.08.2011

Meldung vom Abgrund (8): Schlusskonferenz 1999

»Radio, Radio, das schnellste Medium der Welt!«

Text: Manni Breuckmann, Günther Koch, Dirk Schmitt, Protokoll: 11FREUNDE  Bild: Imago

»Du hast alles gesagt.« Am letzten Spieltag der Saison 1998/99 liefern sich Eintracht Frankfurt, der 1. FC Nürnberg und Hansa Rostock einen legendären Abstiegskrimi. Und die Reporter Breuckmann, Koch und Schmitt liefern den Soundtrack.

Meldung vom Abgrund (8): Schlusskonferenz 1999 - »Radio, Radio, das schnellste Medium der Welt!«


29. Mai 1999. Vor dem letzten Spieltag der Saison 1998/99 können noch fünf Mannschaften absteigen: Nürnberg, Stuttgart, Freiburg, Rostock und Eintracht Frankfurt. Nürnberg auf Platz 12 hat die besten Chancen, Frankfurt auf Rang 16 die schlechtesten. Jedenfalls auf dem Papier. Die Tabelle vor dem 34. Spieltag bietet viel Raum für Zahlenspiele:

tab

Stuttgart führt gegen Bremen schnell mit 1:0, das Spiel ist vorzeitig entschieden. Frankfurt, Rostock, Freiburg und der 1. Nürnberg kämpfen weiter um den Klassenerhalt. Die letzte Viertelstunde dieses Spieltags wird zu einem Drama. Die ARD-Radiokonferenz hat die entscheidenden Partien mit folgenden Kommentatoren besetzt:
VfL Bochum - Hansa Rostock /Manni Breuckmann
Eintracht Frankfurt - 1. FC Kaiserslautern / Dirk Schmitt
1. FC Nürnberg - SC Freiburg / Günther Koch

Die letzten Minuten in Schrift und Wort...



Günther Koch, warnend
»Harmlos, gelähmt, unsicher, nervös, mit wackligen Knien. Der FC Wackelknie, der FC Nürnberg, die Clubberer, ja was ist denn, wo denn, da muß man doch kämpfen, wenn es gegen den Abstieg geht, und der Sportclub, frei, locker, der FC Lockerburg spielt hier, muß sich nicht einmal anstrengen. Es gab einen Schuß der Clubberer - es sei geklagt, es sei gesagt - von Ciric in der 60. Minute, nach tollem Einsatz von Kuka, aber: Richard Golz hat den Ball festgehalten.«


Manni Breuckmann, brüllt plötzlich
»Tooor in Bochum! Tooor in Bochum! 2:1-Führung für den VfL Bochum. Ein Freistoß. Ich glaube, es ist Peter Peschel gewesen. Wir sind in der 73. Minute. Und es kann sein, daß sich jetzt allmählich das Schicksal von Hansa Rostock zum Schlechten wendet. Denn nach dem gegenwärtigen Stand der Dinge ist Hansa Rostock draußen. Wir geben weiter nach Frankfurt.«

Dirk Schmitt, selig
»...und hier liegt sich wirklich alles in den Armen. Rechts von mir die gesamte Polit-Prominenz. Petra Roth liegt Roland Koch in den Armen. Aus Gründen des Parteiproporzes sei auch Hans Eichel, der Bundesfinanzminister, genannt, der sitzt direkt davor. Der hat zwar Petra Roth nicht umarmt, sich aber nicht minder gefreut.... Freistoß für die Eintracht, die es jetzt natürlich ganz ruhig angehen läßt, die natürlich weiß, wie es auf den anderen Plätzen und vor allem beim VfL Bochum steht. Und es ist immer wieder faszinierend, wenn man die Reaktionen in einem Stadion sieht, obgleich überhaupt nichts passiert. Aber es wird halt Radio gehört.«

Koch, kopfnickend, innerlich gebrochen
»Radio, Radio, Radio, das schnellste Medium der Welt. Aber sie tun mir leid, die Rostocker, wenn es dabei bleiben sollte, haben wir keinen Verein mehr in der Bundesliga aus dem Osten. Hansa Rostock, im Moment um 17.05 Uhr in der zweiten Liga. Darüber kann man sich, darüber darf man sich nicht freuen. Im Moment in Nürnberg der Spielstand 0:2, gebanntes Hören an den Radios, aber nichts zu sehen von den Clubberern. Wo bleibt eure Ehre, was habt ihr eurem Publikum zu bieten. Kämpfen, kämpfen heißt es. Sie wackeln mit den Knien und sie haben keine Chance und Freiburg hält das 2:0.«

Breuckmann, schon wieder unterbrechend
»Tor in Bochum. Tor Tooor in Bochum. Ausgleich für Rostock. Agali hat es gemacht. Und es ist die 77. Spielminute. Hansa Rostock bäumt sich noch einmal auf. Obwohl auch dieses Unentschieden nach den Spielständen, die wir kennen, nichts nützt. Aber die Hoffnung für die Ostseestädter ist noch nicht vorbei. Und dieses Spiel ist noch nicht gelaufen.«


Schmitt, heiser
»Tor in Frankfurt. Tor in Frankfurt. 3:1 für die Eintracht. Von der linken Seite dringt Marko Gebhardt in den Strafraum ein und so als habe es die ersten 30 Spiele dieser Saison nicht gegeben, schießt dann Marko Gebhardt aus einem ganz spitzen Winkel mit dem linken Fuß den Rall unter die Latte. Es heißt 3:1 und jetzt müßte wenigstens die Eintracht hier im Waldstadion den Sieg nach Hause schaukeln. Bitte Bochum.«


weiterlesen [1] [2] [3]





Ähnliche Artikel

Kommentare

Logge Dich ein, um einen Beitrag zu schreiben!

VON DEN LESERN EMPFOHLEN



DIE AKTUELLE UMFRAGE

Thema: Fußballfans. Eure Wunschgäste für Maischberger, Lanz, Plasberg und Co.?

Werner Schulze-Erdel
Charly Steeb
Alf
Bono
Frank Zander
Zini
Max Power
Johannes B. Kerner
Günter Wallraf
Campino
Andreas Elsholz
Alfred Biolek
Vera Int-Veen
Marius Müller-Westernhagen
Ich




Hans Meyer rechnet ab

11Freunde Liveticker

DVD Edition