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06.05.2011

Ralf Sievers über Bayern-St.Pauli

»Kaltgetränke im Flugzeug«

Interview: Alex Raack  Bild: Imago

2. März 1991: Der übermächtige FC Bayern München empfängt Abstiegskandidat St. Pauli zum ungleichen Duell. Doch die Hamburger feiern einen historischen Sieg. Torschütze Ralf Sievers über Teufel im Tor und Effe im Mittelfeld.

Ralf Sievers über Bayern-St.Pauli - »Kaltgetränke im Flugzeug«


Ralf Sievers, Glückwunsch nachträglich!

Wozu?

Zu Ihrem Tor zum 1:0 gegen Bayern München am 2. März 1991. Sie waren damals für den ersten Auswärtssieg vom FC St. Pauli bei den Bayern verantwortlich.

Danke, aber die Glückwünsche sollten Sie an Volker Ippig weiterreichen. Der hat gehalten wie der Teufel.



Aber Sie haben das Tor gemacht.

Und was für eins: Als mir der Ivo (Ivo Knoflicek, d. Red.) den Ball kurz vor dem Bayerntor zuspielte, war ich schon fix und fertig.

Warum das denn, Sie waren doch 1991 ein gesunder junger Kerl!

Aber ich war schon von unserem eigenen Strafraum an im Vollsprint unterwegs, um den Ivo irgendwie zu unterstützen. Der fegte mit dem Ball am Fuß durchs Mittelfeld, verfolgt von der halben Bayernmannschaft.

Um Ihnen dann sauber den Ball aufzulegen.

Genau. Ich machte noch einen langen Schritt und grätschte die Kugel dann irgendwie im Fallen an Raimond Aumann vorbei ins Tor. Schöne Bude, muss man sagen.

Wo war da eigentlich Ihr Gegenspieler?

Der Effenberg? Meilenweit entfernt, der war ja immer recht langsam. Im Ernst: Effe war ein teilweise genialer Spielgestalter, schon damals. Nur eben nicht der Sprinter vor dem Herrn.

Ihr Tor fiel kurz vor der Halbzeitpause – warum haben es die übermächtigen Bayern mit Weltmeistern wie Pflügler, Augenthaler, Thon oder Reuter nicht geschafft, noch wenigstens ein Tor zu erzielen?

Habe ich doch schon gesagt: wegen Volker Ippig! Vielleicht wird er Ihnen heute etwas anderes sagen, aber ein besseres Spiel hat der in seiner ganzen Karriere nicht gemacht. Ständig knallten ihm die Münchner den Ball um die Ohren, Volker war quasi dauerhaft in der Luft.

Schon in der 32. Minute hatte Olaf Thon die größte Chance für die Gastgeber. Der »Kicker« zitierte ihn nach dem Spiel: »Solche Bälle muss ich reinmachen.«

Thon stand frei vor Volker, der eigentlich noch am Boden lag. Aber trotzdem schmiss er sich in Thons Schuss, der Ball kullerte am Pfosten vorbei. Volker war einfach überragend an diesem Tag.

Dabei war er erst kurz vor dem Spiel wieder in die Startelf gerutscht, nachdem Trainer Helmut Schulte durch Horst Wohlers ausgetauscht worden war. Warum musste Schulte gehen?

Helmut war ein guter Trainer, aber wir haben damals einfach beschissen gespielt. Und das Geschäft war 1991 schon genauso wie 2010: Wenn die Mannschaft keinen Erfolg hat, trifft es als Ersten den Trainer.

Auch Wohlers konnte den Abstieg aus der 1. Bundesliga nicht verhindern...

Nein, wir stiegen ab. Im Entscheidungsspiel der Relegation gegen die Stuttgarter Kickers haben wir es letztlich verbockt. Und mein Tor gegen die Bayern war völlig ohne Wert.

Wurde dieser historische Auswärtssieg denn trotzdem anständig gefeiert?

Natürlich. Wir flogen damals nach Hamburg zurück, das war schon eine Ausnahme. St. Pauli musste ja Geld sparen, also fuhren wir meistens mit dem Bus. Im Flieger wurden dann ein paar anständige Kaltgetränke verteilt, so viel Spaß muss sein. .




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Kommentare

  • User
  • 10.12.2010 13:42:11 Rafael Thunderfart

    Mensch, das ist ja noch richtig 80er Jahre-mäßig, mit den trostlos leeren Rängen im Olympiastadion.

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