Die Geschichte der Fußballfans

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Die Geschichte der Fußballfans

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25.11.2011

Zum 6. Todestag George Best

Where did it all go wrong?

Text: Ulrich von Berg  Bild: Imago

Heute vor sechs Jahren, am 25. November 2005, starb George Best. Den Ball beherrschte, am Leben scheiterte er. Dass ihn der Alkohol ruinierte, war ihm bewusst, trotzdem trank er weiter. So blieb er auch im Sterben ein großer Verweigerer.

Zum 6. Todestag George Best - Where did it all go wrong?


»Wenn es zu spät zur Umkehr ist, kann man sich nur noch zu Tode saufen oder versuchen, dem Teufel große Werke zu errichten.« (Irisches Sprichtwort)

Er hatte sich für die erste Alternative entschieden und es endlich hinter sich gebracht.War auf die andere Seite übergewechselt und überrascht haben dürfte es niemanden. Man hatte es kommen sehen, seit wie vielen Jahren eigentlich schon? Es war wohl mehr als seine Karriere, deren unrühmliches Ende mehr als 20 Jahre zurückliegt, angedauert hat. Was danach noch folgte, war eine einzige Freakshow. Obwohl es einen im Grunde einen Dreck angeht, wird man wütend. Wer auch nach der Lebertransplantation weitersäuft wie tausend Russen, der hat selbst Schuld. Als ob es um Schuld ginge, oder darum, wer Mitleid verdient.



Der vielleicht nicht größte, mit gewisser Wahrscheinlichkeit aber charismatischste Fußballer aller Zeiten ist tot. Andere haben häufiger Titel abgeräumt und mehr Tore geschossen, aber kaum einer repräsentierte seine Zeit so nachhaltig wie George Best. Und wenn die Zeit, für die er stand, immer stehen wird, nun einmal diejenige ist, die einen selbst geprägt hat, dann zählt eben nur sie. It’s as simple as that! Bestie, der Belfast Boy, Geordie (wie er in seiner Heimatstadt immer nur hieß), der fünfte Beatle, zu dem man ihn zeitweise ernannte, hat sich mit wenig Grandezza, aber brutaler Konsequenz unter die Erde gesoffen. He did it his way! Ein letztes Mal.

59 ist noch kein Sterbealter

Der runde Sechzigste, an dem man ihn wohl noch einmal im großen Stil abgefeiert und ihm vielleicht auch für viele seiner Entgleisungen öffentlich Absolution erteilt hätte, der war ihm nicht mehr vergönnt. Nein, 59 ist noch kein Sterbealter, und klar, es ist ungesund, permanent zu verdrängen, dass man irgendwann halt den Preis für seinen Lebenswandel bezahlt, oder in Bests Fall wohl besser: die Zeche. Trotzdem konnte und wollte man sich einen geläuterten und altersmilden Bestie, der als elder statesman ausgewogene Statements von sich gibt, auch nicht unbedingt vorstellen. Außerdem: Bobby Moore, diesen wahren Ausbund an Seriosität und in jeder Beziehung das krasse Gegenteil von Best, raffte the big C mit Anfang 50 dahin, und John Lennon wurde mit gerade mal 40 von einem Irren abgeknallt. Und Brendan Behan, das andere irische Schandmaul das in seinem Beritt jeden anderen nach Belieben an die Wand gespielt hat, ertränkte seine gequälte Seele im Whiskey gerade zu der Zeit, als Best anfing groß herauszukommen.

Die Frage »Where did it all go wrong, Georgie?« wurde oft genug gestellt. An laienpsychologischen Fernanalysen über die Ursachen seiner Sucht und seiner Selbstzerstörung herrscht seit Jahrzehnten kein Mangel. Genau wie an Versuchen, ihn als letztlich Gescheiterten oder Unvollendeten zu porträtieren. Erinnern wir uns lieber an den Fußballer George Best, denn als solcher war er vielleicht doch der Größte.

Welche Position er spielte, war völlig egal

Verdammt schwierig, die Magie nach all der Zeit auf einen Nenner zu bringen.Vielleicht war es die enge Ballführung bei hohem Tempo; vielleicht die kleinen provozierenden Sidesteps, mit denen er, bevor er sich einen oder mehrere Kontrahenten zur Brust nahm, das gegnerische Publikum herausforderte; vielleicht aber auch nur die lässige Art, wie er einen Moment lang dastand, unmittelbar bevor er zu einer Aktion ansetzte, die man so noch nie gesehen hatte: mit lockeren Hüften und in den Knien wiegend, nicht unähnlich den Gunslingern aus den ersten Italowestern, die gerade herauskamen. Einer seiner furiosen Sololäufe, bei dem er es mit wehender Mähne, irrwitzigem Gleichgewichtsgefühl und abgrundtiefer Verachtung für alle Blutgrätschen, die ihn aufhalten wollten, am liebsten mit einem halben Dutzend Gegenspieler aufnahm, das war so etwas wie Schienbeinsurfen und ist, zumindest aus britischer Perspektive, ein genuines Abbild der Sixties, so wie der Auftritt der Yardbirds in »Blow Up«, eine Modenshau mit Twiggy oder die Titelsequenz von »The Prisoner«. Dabei ließ er aber so gut wie nie den nötigen Zug zum Tor vermissen, was ihn von den Fummelbrüdern südeuropäischer Prägung unterschied. Er war beidfüßig, sauschnell und viel robuster, als sein schmaler und auf den ersten Blick so mickrig wirkender Körper vermuten ließ. Seine Trickkiste war vielleicht nicht ganz so prall gefüllt wie die von Garrincha, und weniger zirkuskompatibel wirkte er auch, dafür aber traf er viel öfter ins Tor.


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»Mittwoch bis Samstag ist die Hölle, da hab ich Ausgangssperre und muss um elf ins Bett. Das einzige, was mich bei Laune hält, ist der Gedanke an die Parties am Sonntag, Montag und Dienstag«
(George Best über sein Training bei ManU-Trainer Matt Busby, 1965)

Notizzettel Matt Busby , Tapetenstück ManU-Büro
Fundort: Vereinsheim, Old Trafford

Mit knapper Notiz, die an Bests Umkleidespint steckte, beorderte der wütende ManU-Coach Matt Busby seinen 19-jährigen Zögling zur Unterredung ins Chefzimmer: »Babe« George hatte zum dritten Mal in Folge das Vormittagstraining geschwänzt und bekam dafür nun einen gehörigen Einlauf verpasst. Während Busby Best kommissartig die Leviten las, begann dieser plötzlich, die Fliegen auf der Tapete zu zählen. Auf die grantige Zwischenfrage des Trainers: »Wieviele Tierchen sind es denn schon?« antwortete Best gelangweilt: »Es werden mit jedem ihrer Worte mehr, Sir«. Ein original Tapetenstück aus Busbys Chefetage zeigt letzte Spuren der Insektenwelt, die Best damals von der Moralpredigt des Trainers ablenkte.



Fotostrecke

  • »Mittwoch bis Samstag ist die Hölle, da hab ich Ausgangssperre und muss um elf ins Bett. Das einzige, was mich bei Laune hält, ist der Gedanke an die Parties am Sonntag, Montag und Dienstag«<br />
(George Best über sein Training bei ManU-Trainer Matt Busby, 1965)<br />
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Notizzettel Matt Busby , Tapetenstück ManU-Büro<br />
Fundort: Vereinsheim, Old Trafford<br />
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Mit knapper Notiz, die an Bests Umkleidespint steckte, beorderte der wütende ManU-Coach Matt Busby seinen 19-jährigen Zögling zur Unterredung ins Chefzimmer: »Babe« George hatte zum dritten Mal in Folge das Vormittagstraining geschwänzt und bekam dafür nun einen gehörigen Einlauf verpasst. Während Busby Best kommissartig die Leviten las, begann dieser plötzlich, die Fliegen auf der Tapete zu zählen. Auf die grantige Zwischenfrage des Trainers: »Wieviele Tierchen sind es denn schon?« antwortete Best gelangweilt: »Es werden mit jedem ihrer Worte mehr, Sir«. Ein original Tapetenstück aus Busbys Chefetage zeigt letzte Spuren der Insektenwelt, die Best damals von der Moralpredigt des Trainers ablenkte.   <br />
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  • »Damit kannst du dir ein bisschen die Beine zusammenbinden, Kollege.«<br />
(George Best zu Johan Neeskens, 1976)<br />
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Stutzen, Nationalteam Nordirland <br />
Fundort: Feijenoord-Stadion, Rotterdam <br />
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Mit Abpfiff des WM-Qualfikations-Länderspiels zwischen Nordirland und Holland zog sich George Best spontan einen Strumpfstutzen aus und übergab diesen seinem verdutzten Kontrahenten Johan Neeskens mit den Worten: »Hier Kollege, damit kannst du dir ein bischen die Beine zusammenbinden«. Best hatte Neeskens im Verlauf der Partie dutzende Male getunnelt und durch die extreme O-Bein-Veranlagung des Niederländers jedesmal besonders leichtes Spiel gehabt. Nach wiederholter längerer gesundheitsbedingter Abstinenz im nordirischen Team sollte dieses Match im Rotterdamer Feijenoord-Stadion (Endstand 2:2) George Bests letzter großer Auftritt als Nationalspieler sein: Bei seinen Dribblings hatte der Dreißigjährige das komplette Oranje-Team inklusive »König Johan« Cruyff vorgeführt und nochmal eindrucksvoll demonstriert, wie »voetbal totaal as its Best« aussieht. <br />
  • »Mein Lieblingshobby ist Miss-en!«<br />
(George Best über seine bevorzugten Freizeitaktivitäten)<br />
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PinUp Girl-Feuerzeug <br />
Fundort: Nightclub »Annabels Army«, London, 1977<br />
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Es war ein Geburtstagsgeschenk des befreundeten BBC-Sportjournalisten Michael Parkinson und als Medaille für Bests endlose Abschlepp-Erfolge gedacht: Der silberne Benziner in Münzform mit PinUp-Girl und einem passenden wie schicksalhaften Spruch (»Always the winner. Never the loser«) war ein zweckdienliches Accessoire auf Bests Nachttouren durch London, nicht nur für kubanische Zigarren, sondern auch zum Zünden von »Miss-Stands«: So scheint die prompte Zuneigung der Miss World Mary Starvin ebenfalls auf Bests Baggertaktik zurückgehen, im richtigen Moment am richtigen Ort Feuer zu geben: Der Münz-Lighter wurde jedenfalls auf der Damentoilette des Londoner Jetset-Clubs »Annabels Army« am Morgen nach der Film-premierenparty von »The Spy who loved me« gefunden, wo Best intensive Bekanntschaft mit dem frischgebackenen Bond-Girl machte. <br />
  • »Ja, ich habe mit dem Trinken aufgehört. Aber nur, wenn ich schlafe.«<br />
(George Best über seinen Alkoholkonsum)<br />
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Leberprobe, OP-Testabschnitt <br />
Fundort: Cromwell Hospital / London, 2002<br />
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Bevor Prof. Roger Williams, Chefchirurg im Londoner Cromwell Hospital, das erste Stückchen von Bests alter Leber herausseziert hatte, war diese schon so gut wie klinisch tot: Zum Zeitpunkt der Transplantations-Not-OP im Juli 2002 lag die Leistungsfunktion des gesamten Organs bereits unter 20 Prozent. Das Laborglas mit dem in Formalin konservierten Erstabschnitt wollte sich George Best nach seiner Krankenhausgenesung natürlich als Operationssouvenir mit nach Hause nehmen. Vor allem in Erinnerung an das spektakuläre Bluttransfusions-Erlebnis beim Aktivieren seiner neuen Spender-Leber: »Die Jungs haben in zehn Stunden vierzig Pint in mich reingeschüttet und damit glatt meinen persönlichen  Rekord gebrochen.«
  • »Ich habe viel für Alkohol, Weiber und schnelle Autos ausgegeben. Den Rest hab ich einfach verprasst.«<br />
(George Best über seine Finanzen)<br />
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5Pfund Sterling-Geldnote   <br />
Fundort: ULSTER BANK, Dublin / Irland <br />
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Nicht nur die Umbenennung des nordirischen Staats-Flughafens in »George Best Airport«, sondern vor allem diese offizielle Gedächtnis-Banknote dokumentiert, wie groß die posthume Verehrung Nordirlands für den in Belfast geborenen Fußballhelden ist. Genau ein Jahr nach Bests Tod druckte die nordirische Staats-Bank im November 2006 eine offizielle 5Pfund-Sterling-Note, die bereits 48 Stunden später restlos vergriffen war. Keiner der in einer Million Auflage gedruckten Geldscheine sollte jemals irgendwo als reguläres Zahlungsmittel auftauchen: Nicht nur im Norden der Insel trägt man die George Best 5Pfund-Note seitdem als Heiligtum im Portemonnaie, während wenige in den Sammlerhandel gelangte Geldscheine mittlerweile Liebhaberpreise in hundertfacher Höhe ihres Bankwerts erreicht haben.


Kommentare

  • User
  • 25.11.2010 14:51:43 Donaldo

    Schade, dass ich -Fluch der späten Geburt- ihn nie gesehen habe...war halt vor meiner Zeit...

  • User
  • 25.11.2010 15:21:22 AntiMöller

    Ich hab mir mal aus dem Grund die stinklangweilige/künstlerisch herausragende DVD "Fußball wie noch nie" besorgt.

    "1970 drehte der deutsche Filmemacher Hellmuth Costard einen Film über ein Match zwischen Manchester United und Coventry City, in dem die Kamera während der gesamten Spieldauer ausschließlich auf Best gerichtet war. „Fußball wie noch nie“ wurde 1971 von der ARD ausgestrahlt und rief massive Proteste hervor, da der Großteil der Zuschauer es unmöglich fand, den Film zur besten Sendezeit auszustrahlen bzw. ein Fußballspiel lang nur einen Spieler herauszuheben. Bei der ARD häuften sich nach der Sendung die Beschwerdebriefe."
    (aus Wiki)

  • User
  • 25.11.2010 15:27:21 MarcRamone

    Ich muss zugeben ohne die Lektüre von 11Freunde noch von George Best gehört zu haben. Das ging an mir offensichtlich immer vorbei.

    Diese DVD habe ich mir auch geholt, da so ein großer Kult und Wirbel um diesen Spieler gemacht wird/wurde. Also... nicht auszuhalten, diese DVD! Zumindest ist sie NIX für mich.

    Ich würde gerne mal Interviews von Zeitzeugen lesen, die ihn früher gesehen haben oder womöglich mit oder gegen ihn spielten.

  • User
  • 25.11.2010 15:32:26 AntiMöller

    Gibt`s alles massig im Internet.

  • User
  • 25.11.2010 15:45:28 gelsenkirchen

    mich würde mal interessieren wie der einfluss von george best in deutschland war. hat man den überhaupt groß wahrgenommen?
    oder kamen die ganzen best-stories erst im zuge des england-hypes der vergangenen 10-15 jahre herübergeschwappt und werden nun als "schon immer dagewesen" verkauft.
    ich finde das schrecklich wenn eine andere (fussball-)popkultur nun als die eigene verkauft wird weil die eigene damals nur "gute freunde kann niemand trennen" oder die lover's lane zu bieten hatte.

    vielleicht versteht's ja jemand was ich meine.

  • User
  • 25.11.2010 15:52:30 Hotte80

    sehr gut gelse! vor 10, 15 jahren hat hierzulande doch keine sau von best gesprochen und in den 60er und 70ern wird es nicht viel anders gewesen sein. warum auch? von '66 mal abgesehen hatte englands damaliger fußball nun wahrlich nicht viel mehr glanz zu bieten als der deutsche. im gegenteil, schon das neue, noch richtig frische abenteuer bundesliga wird alle aufmerksamkeit auf sich gezogen haben; von den wesentlich geringeren informationsmöglichkeiten mal gar nicht zu sprechen. und vor allem in der ersten hälfte der 70er schließlich war englands fußball so abgewrackt wie es best selbst schließlich war.

  • User
  • 25.11.2010 15:59:39 gelsenkirchen

    danke. dieses unreflektierte abgehype sämtlicher dekaden des englischen fussballs geht mir um ehrlich zu sein fast gleich hart auf die nüsse als die premier league an sich.

    schöne geschichten der fussballhistorie zu lesen ist das eine, kein thema und gefällt durchaus. aber dieses gebetsmühlenartige wiederholen von kultstories aus england, verpackt als wären sie schon zur entstehungsgeschichte topthemen am deutschen fussballtresen gewesen, eine ziemlich nervende ausgeburt.

  • User
  • 25.11.2010 15:59:54 MarcRamone

    Früher gab es noch gar nicht so viel internationale Berichterstattung und ich muss zugeben, aus England kannte ich damals keinen Spieler. Kevin Keegan vielleicht, aber wo spielter er da? Richtig! Erst seit der Zeit um die WM 1990 herum sind mir einige englische Spielernamen geläufig.

    Wenn ich sonst an große Spielernamen denke, die ich damals als Kind oder Teenager mitbekommen habe... Da war Pelé, Maradona und Maradona, dann wieder Maradona und dann Bobby Charlton. Irgend so ein Johann Krüff schwebte auch im Raum. So war die Wahrnehmung bei mir. Es kann sehr gut sein, dass George Best erst im Zuge des England Hype so groß thematisiert wurde.

    Weshalb bei mir aus den Zeiten der 70er und 80er keine anderen großen internationalen Spielernamen in der Erinnerung zu jener Zeit präsent waren, kann ich mir nur damit erklären, dass zu der Zeit in Deutschland massig wirklich richtig gute und auch berühmte Spieler waren.

    Und wenn es das alles (Interview über George Best mit Zeitzeugen usw.) im Internet gibt, da gibts ja alles, dann werde ich das Internet mal konsultieren.

  • User
  • 25.11.2010 16:00:44 gelsenkirchen

    dieses internet von dem alle reden?

  • User
  • 25.11.2010 16:25:47 pique

    Die Informationsmöglichkeit, bezüglich internationaler Profis war in meiner Kindheit das PANINI-Album (vor allem WM 1986, EM 1988).

    Dadurch waren mir die Nationalspieler bekannt (z.B. Gary Lineker). Allerdings trieb das auch komische Auswüchse, z.B. mochte ich den Keeper von Ungarn, weil der so lustig aussah. Alles noch recht unreflektiert damals...

    Link

  • User
  • 25.11.2010 16:31:22 gelsenkirchen

    eben, deswegen bezweifele ich halt dass george best zu seiner zeit hier so eine große nummer war wie er es in england war. immerhin galt der ja als "fünfter beatle" (wo jeder weiss dass dieser titel offiziell brian epstein zustand!).
    und diese geschichten erwecken immer so eine "weisse noch damals" stimmung.

  • User
  • 25.11.2010 16:42:27 Hotte80

    dazu kommt, das es heutzutage schick ist, kaputte typen zu kultfiguren zu erklären.
    aber warum werden eigentlich nicht auch andere großartige spieler, die sich in jungen jahren ins nirwana gesoffen haben oder anders in den abgrund geruscht sind, dermaßen gehypt? garrincha oder horst assmy z.b. kann es sein, das diese spieler wegen ihrer herkunft bzw. stationen (brasilien und ddr) nicht ins gut verkäufliche schema "popkultur" passen?

  • User
  • 25.11.2010 17:00:35 Buthelezi

    garrincha oder horst assmy z.b. kann es sein, das diese spieler wegen ihrer herkunft bzw. stationen (brasilien und ddr) nicht ins gut verkäufliche schema "popkultur" passen?

    Zumindest Garrincha findet hier auf der Seite doch einige Beachtung, guckst du z.B.:

    hier oder hier.

  • User
  • 25.11.2010 17:38:19 Rafael Thunderfart

    erst im zuge des england-hypes der vergangenen 10-15 jahre herübergeschwappt und werden nun als "schon immer dagewesen" verkauft.

    So ungefähr. Ich habe den Namen Best zum ersten Mal 1994, in einer Ausgabe des englischsprachigen Fußball-Magazins World Soccer, gelesen.

    Mein Vater war Fußballtrainer, und ein großer Bewunderer des englischen Fußballs, aber den Namen George Best habe ich aus seinem Munde nie zu hören bekommen.

    Der Geniekult ist ein soziales Phänomen, und zwar in allen Bereichen. Beispiel: Wather v.d. Vogelweide. Er war total vergessen, sein Name lag überhaupt nicht vor; dann schrieb Ludwig Uhland das berühmte Buch über ihn, und auf einmal war er der größte Lyriker des Mittelalters. Ebenso Rembrandt: Zu Lebzeiten galt er als epigonal, erst durch den Bestseller Julius Langbehns, des sog. "Rembrandtdeutschen", aus den 1890er Jahren wurde er zum größten aller niederländischen Meister.

    Der Fußball kennt auch umgekehrte Fälle: z.B. Ruud Gullit, der vor 20 Jahren als ein Spieler vom Format Maradonas galt. Manche, z.B. George Best, fanden, daß Gullit eigentlich sogar besser sei, als Maradona.

    In unserem Medienzeitalter eignet sich ein Mann wie Best ideal für die postume Rolle des gefallenen Genies, auch aufgrund seiner spektakulären Spielweise. Darüber wird vergessen, daß Bests Glanzzeit nur wenige Jahre dauerte. Weniger spektakuläre Spieler, die über anderthalb Jahrzehnte auf Weltklasse-Niveau spielten, haben es heuzutage schwerer, die Wertschätzung zu erhalten, die ihnen zusteht.

    Zu der Frage, die diesem Artikel vorangestellt ist: Best ist nicht der erste Genuß- und Gesellschaftstrinker, der schließlich ein alter Suchtknochen wurde, dessen Trinkgewohnheiten mit Genuß und Lebensart nichts mehr zu tun hatten.

  • User
  • 25.11.2010 19:13:13 gelsenkirchen

    Heute 17:38:19 von Rafael Thunderfart
    Der Fußball kennt auch umgekehrte Fälle: z.B. Ruud Gullit, der vor 20 Jahren als ein Spieler vom Format Maradonas galt. Manche, z.B. George Best, fanden, daß Gullit eigentlich sogar besser sei, als Maradona.

    DAS ist in der tat eine interessante sache. gullit war wirklich der wahnsinn. mit dem ende seiner fussballkarriere ist r auch abgetaucht.
    zu seinem spiel kam natürlich noch das für seinerzeit unortodoxe auftreten. lange rastas, fast ein punk! heutzutage lockt man damit keinen mehr hinterm ofen hervor.
    als trainer war er ja nur mäßig erfolgreich. in rotterdam eine saison, in newcastle auch. jetzt isser fernsehexperte.
    ich glaube bei RG war es einfach so, dass er zwar eine schillernde figur war, so aber ein sehr angenehmer zeitgenosse der keinerlei extrovertiertes verhalten zutage legte (er hat sich allerdings sehr gegen die apartheid in südafrika engagiert!)
    was auch vergessen wurde: er wäre 1992 mal um ein haar zu bayern gekommen, hatte den medizinischen test bereits bestanden. aber der uli hoeness hat seiner frau offenbar die falschen blumen geschickt. die wollte dann nicht nach münchen.

    ebenfalls so ein vergessenes genie: carlos valderrama, der hierzulande leider nur auf seine blitzgenesung 1990 gegen deutschland reduziert wird.

  • User
  • 25.11.2010 20:31:37 Hotte80

    @ Buthelezi

    gerade mal zwei artikel. im vergleich zu den vielen über best ist das nicht viel. es geht ja auch nicht nur darum, wie viele artikel auf dieser seite erscheinen, sondern um das gesamtbild. dieser hype um best im allgemeinen, inkl. bescheuerten merchandising wie t-shirts. und während über garrincha korrekterweise steht, das er nunmal ein kaputter typ war, der elendig zugrunde ging, wird über best eher nach dem motto "haha, der georgie, voll krass der mann, hat alles versoffen und verhurt, immer am saufen und ficken, der verstand zu leben, extreme lage, cooool". das er genauso jämmerlich gescheitert und gestorben ist, wird eher ausgeblendet.

  • User
  • 25.11.2010 21:23:17 gelsenkirchen

    cih glaube george best hätte sich gewünscht niemals mit der sauferei angefangen zu haben.

  • User
  • 25.11.2010 21:29:21 Buthelezi

    Geb' dir vollkommen Recht, was die Nervigkeit eines Hypes (im Allgemeinen und im speziellen Fall Best) angeht. Zumal Alkoholismus nun wirklich nicht cool ist - weder früher noch heute.

    Wollte nur darauf hinweisen, dass auch Garrincha hier zu seinen Todes- bzw. Geburtstagen doch auch ab und zu erwähnt wird und Best nicht der einzige Ex-Profi und Säufer ist, der hier Beachtung findet.

  • User
  • 25.11.2010 21:29:37 Buthelezi

    @ Hotte natürlich

  • User
  • 25.11.2010 21:30:12 Buthelezi

    @ Gelse

    Das glaube ich auch.

  • User
  • 25.11.2010 21:32:58 gelsenkirchen

    wie hiesser nochmal, der kerl von den helden von bern, der sich totgesoffen hat und das, trotz angeblich wunderbarer kameradschaft, keinen seiner mannschaftskollegen interessiert hat?

  • User
  • 25.11.2010 21:35:35 Hotte80

    werner kohlmeyer

  • User
  • 25.11.2010 21:48:42 MarcRamone

    Oh ja, da wird gerade eine traurige Geschichte angesprochen...

    Dabei wollte ich eigentlich noch etwas zum Phänomen solcher Typen wie George Best sagen. Es ist auffällig, dass Leute wie er, die ihr Innerstes nach außen kehrten und für alle sichtbar machten, dass es ihnen nicht nur gut geht, auch am meisten geliebt oder gemocht werdden. Da kommt nicht nur die Bewunderung über das Können, sondern noch ein Mitfühlfaktor ins Spiel.
    Da gibt es einige Beispiele, gerade im SHowbusiness. Stichwort Harald Junke, der ließ die Leute auch ah an sich ran. Der bekam viel zurück. So war es vielleicht bei Best auch. Trotz des offensichtlich genialen Spiels holte ihn sein Alkoholdebakel wieder zu den sterblichen zurück.
    Vielleicht ist es sowas.
    Ruud Gullit ist exemplarisch: Er war vom Typ her unauffällig.

    Und zu Carlos Valderrama, über den sollte 11Freunde mal etwas schreiben!

  • User
  • 25.11.2010 21:57:33 suppenteller

    ruud gullit unauffällig? ich fand der war im fußball, gerade in den schwiegersohn-90ern, ein ziemlich bunter hund. ich würde eher sagen, dass er nicht der alltägliche tpy war, mit dem sich irgendwelche massen identifizieren konnten, selbst wenn er alle an sich ran gelassen hätte

  • User
  • 25.11.2010 22:11:35 AntiMöller

    Der Vergleich mit Juhnke könnte passen, gefällt mir. Allerdings war Juhnke nicht "Europas Fussballer des Jahres". War das Gullit mal? Natürlich: "Gullit wurde 1987 zu Europas Fußballer des Jahres und zum Weltfußballer gewählt. Die Wahl kam überraschend, da Gullit bis dahin noch keinen internationalen Erfolg verzeichnen konnte. Den Preis widmete er dem damals noch inhaftierten Nelson Mandela."
    Toller Spieler! Als er zu Bayern wechseln sollte war ich damals skeptisch, weil er seinen Zenit schon hinter scih zu haben schien, oder er auch lange Verletzt war. Was sich im Nachhinein auch so erwies. Valderrama gehört aber nicht in diese Reihe, dafür ist er - bei aller gelassener Brillianz- zu klein.

    Obwohl ich bewusst schon Mitte der 70er Fussball konsumierte und ein enger Kumpel immer die englische Fußballzeitung blätterte und der Fußball von der Insel immer noch einen ausgezeichneten Ruf besaß, war Beste eigentlich keine ganz große Nummer. Da ging es auch bald mit Keegan los. Oder Trevor Francis, Steve Heighway...

  • User
  • 08.09.2011 16:23:42 Capocannoniere

    "Ruud Gullit ist exemplarisch: Er war vom Typ her unauffällig."

    Ich weiß, was du meinst, aber "unauffällig" ist bei einem Kirmesgaul wie Gullit das falsche Wort. Gullit galt immer als der launige Rastaman, das positive Beispiel eines Surinamesen, wohingegen Edgar Davids die Rolle des Bösewichts besetzt hielt. In Wirklichkeit ist Davids ein stiller, schüchterner Mensch, während Gullit in seinem Heimatland seit Anbeginn als Großmaul verschrien war. Im Ausland hat man ihm freilich die Pose des geborenen Sympathieträgers bereitwillig abgekauft.

    Wie weit der fußballerische Geniekult ein gesellschaftliches und mediales Phänomen ist, lehrt der Fall Rummenigge. Der war zwar nicht Weltmeister, sondern "nur" Europameister und 2 x Vizeweltmeister, aber er war immerhin auch zweimal Europas Fußballer des Jahres. Dem bundesdeutschen Fußball-Geschichtsbild zufolge, war Rummenigge kein so großer Spieler wie Beckenbauer, Netzer und Overath, obwohl er

    ---als Einzelspieler höher dekoriert wurde als Netzer und Overath

    ---skills-mäßig die 3 Vorgenannten in den Schatten stellte, auch viel mehr Tore erzielte, als diese.

    Rummenigge hatte das Pech, daß seine Zeit begann, als die goldenen Jahre des westdeutschen Fußballs zu Ende gingen; und daß er den Herbst seiner Karriere in einer Zeit verbrachte, als der deutsche Fußball an Attraktivität eingebüßt hatte.

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