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03.10.2011

DDR-Nationaltorwart René Müller im Interview

»Du bist zu schnell für uns«

Interview: Dirk Gieselmann und Fabian Jonas  Bild: Imago

Die Stasi im Nacken, den FC Bayern im Herzen. René Müller träumte in der DDR von einer Weltkarriere. In unserer Reihe »Der Fußball, mein Leben und ich« erzählt er von Fluchtgedanken, Ärger mit Mielke und dem Spiel seines Lebens.

DDR-Nationaltorwart René Müller im Interview - »Du bist zu schnell für uns«


René Müller, wenn Sie sich an Ihre Kindheit erinnern: Was sehen Sie? Und was riechen Sie?

Jedenfalls nicht das Grau und den Smog, die heute die DDR symbolisieren! Nein, ich sehe und rieche die Wiesen meiner Heimat Markkleeberg, einer kleinen Stadt bei Leipzig. Nach der Schule habe ich sofort den Ranzen volley in die Ecke gedonnert und bin hinausgelaufen, um Fußball zu spielen. Jeden Tag.



Und die Hausaufgaben?

Ach, die waren zweitrangig. Mein Vater hatte vollstes Verständnis, dass ich sofort kicken wollte. Er wäre selbst gern Fußballer geworden, aber er hatte einen kleinen Friseursalon, für eine eigene Karriere blieb da keine Zeit. Ich habe also in gewisser Weise seinen Traum gelebt.

Wie sah denn dieser Traum aus?

Vom und für den Fußball zu leben. Fußball zu atmen. Wenn mein Vater mich zu seinen Altherrenspielen mitnahm, sog ich den Geruch von Gras, Schweiß und Leder in mich auf. Auch das ist ein solcher Sinneseindruck, der geblieben ist: die Luft in der Kabine. Ah! Herrlich!

Wenn Jungs von einer Fußballkarriere träumen, wollen sie meistens Spielmacher oder Stürmer werden. Sie wurden Torwart.

Das Torwartspiel ist im Laufe der Jahre zum Leitmotiv meines Lebens geworden: hinfallen und aufstehen, hinfallen und aufstehen, immer wieder. Ich bin kein Rheinländer, der von Natur aus optimistisch ist – ich bin ein Sachse, der gelernt hat, dass Liegenbleiben alles noch schlimmer macht.

Wer kam auf die Idee, Sie in den Kasten zu stellen?

Ich selbst. Wir spielten mit der BSG Aktivist Markkleeberg ein Turnier gegen die großen Vereine der Stadt. Ich war recht beweglich, da ich neben dem Fußball noch zweimal in der Woche zum Turnen ging. Also stellte ich mich ins Tor, um das Schlimmste zu verhindern. Das hat so gut geklappt, dass ich von Lok Leipzig entdeckt wurde.

Als Keeper muss man leidensfähig sein.

Das bin ich! Schon beim Fußball auf den Wiesen kam es vor, dass die Großen den Kleinen eine Kippe auf dem Oberschenkel ausdrückten. Ich aber bin nicht weinend nach Hause gelaufen, ich habe meinen Mann gestanden. Die Angst vor Schmerzen kannst du dir nicht abgewöhnen – du darfst sie gar nicht erst haben. Nicht als Boxer, nicht als Skispringer, nicht als Stürmer. Und erst recht nicht als Torwart.

Zahlen Sie heute den Preis für Ihren bedingungslosen Einsatz?


Meine Knie- und Hüftgelenke sind arg lädiert. Der Fußball war mein Gott, aber ein zerstörerischer. Jedes Spiel war eine heilige Messe, die nicht ohne mich stattfinden durfte.



Aus Heft#108 11/2010

Willkommen in Buenos Aires!


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Kommentare

  • User
  • 21.11.2010 22:29:41 tafelrunde

    Es spricht eine große, unglaubliche Klugheit, eine tiefgründige Weisheit und eine fantastische Gelassenheit aus den Worten von Rene Müller. Ohne eine wirklich erkennbare Attitüde.

    Selbst wenn man den Osten nicht kennt, so werden in seiner Person und durch seine Aussagen die zum Westen so ganz unterschiedlichen Grundprägungen deutlich.

    Es hilft auch zu verstehen, weshalb persönliches Glück nicht im totalen Erfolg verwurzelt ist, sondern immer und für jeden nur in einem selbst.

    Mit dem Typ könnte man ein Bier trinken. Mit Matthäus eher nicht so.

  • User
  • 21.11.2010 23:58:45 Pillepallepu

    Das Interview hat mich berührt. Großartig.

    Danke.

  • User
  • 22.11.2010 13:38:27 L3v3l0rd

    Grossartig!

  • User
  • 25.11.2010 23:20:28 okko

    Das Divenhafte bei Fußballern heutzutage ist das Ergebnis von Individualismus und Serlbstverwirklichung, die hier ausgelebt werden.

  • User
  • 26.11.2010 08:03:40 gelsenkirchen

    wenn sein papa frisör war, warum lief er dann mit so einer fiesen matte rum???

    jajajaja. is ja gut.....

  • User
  • 03.10.2011 19:30:56 ronnymaulfan

    Ein grandioser Torhüter, ein sympatischer Mensch, ein tolles Interview.

    DANKE 11Freunde!

  • User
  • 04.10.2011 03:52:00 fwball

    die volle kitsch- und dramadröhnung, herrlich....auch wenn seine geschichte interessant ist, die präsentation ist übelster bild-stil. "das wunder vom zoni"

  • User
  • 04.10.2011 20:20:12 Gruni

    Tolles Interview!

    Meine Knie- und Hüftgelenke sind arg lädiert Das kommt davon, wenn man einen vollgepackten original DDR-Schulranzen regelmäßig volley in die Ecke donnert....

  • User
  • 04.10.2011 22:26:40 Staatssicherheit

    Der Mann hat es richtig gemacht und blieb in der DDR bei seiner Familie, anstatt in den Westen zu emigrieren.

  • User
  • 04.10.2011 22:31:31 unionchemiker

    Wir malen uns die welt, wiediwiediwie sie uns gefällt....

    Wie war das nochmal mit dem markleeberger briefmarkenhändler? und wie genau sieht jetzt die untergegangene umgebung deines heimatdorfes (übrigens auch meines) aus?

    Jämmerlicher, verklärender schmock....

  • User
  • 04.10.2011 22:44:23 unionchemiker

    Warum sollte ich mit dir vogel sprechen!?

  • User
  • 04.10.2011 22:45:50 Jim Panse

    Bringt doch maa was über Ronny Hebestreit

  • User
  • 04.10.2011 22:54:28 Staatssicherheit

    Ich bin ein Vogel? Ich finde eher, dass du ein Unruhestifter bist bei dem, was ich hier lese.

  • User
  • 04.10.2011 22:58:22 Jim Panse

    nee, Ronny Hebestreit, der der immer gegen die Kickers getroffen hat, der ARSCH. Oder Olivier Djappa (oder so ähnlich) Stichwort: Lieblingsgegner

  • User
  • 04.10.2011 22:59:21 unionchemiker

    Quatsch weiter dämlich mit buitre, eufi...der freut sich wie bolle über aufmerksamkeit. Da nehmt ihr euch nüscht...

  • User
  • 04.10.2011 23:02:37 Staatssicherheit

    Und du brauchst die Auseinandersetzung, stimmts? Hat deine Alte es dir wieder nicht besorgt in den letzten zwei Quartalen?
    Ach was, du hast gar keine Olle, du Minenleger.Du legst eine Mine und erfreust dich daran,wenn sie hier im Forum hochgeht.Und dann heulst du, dass es nicht mehr so toll im Forum ist wie früher,weil manche Menschen hier Widerstand leisten.

  • User
  • 05.10.2011 00:44:42 El Buitre

    Hast Recht, zeigt aber leider, dass du ganz bestimmt nicht neu hier bist.
    Also warum sich ständig neue Accounts zulegen? Sicher man schreibt viel scheiße, ist peinlich, blamiert sich, wird beleidigend, wird beleidigt, aber so ist das nunmal wo sich viel tümmelt. Versteh nicht warum man sich ständig neu erfinden muss, das führt zu nix.
    Sogar die Krätze tuts, jemand der viel von sich hält. Dämlich is das.

  • User
  • 05.10.2011 08:02:37 haibi

    Insbesondre Seite 3 dürfte dem einen oder anderen Ostromantiker nicht gefallen, umso schöner das Interview.
    Hätte ihn auch gern länger am Millerntor gesehen,...schade!
    Take care!

  • User
  • 05.10.2011 08:53:52 unionchemiker

    Hätter gut länger hingepasst der schwätzer...

  • User
  • 05.10.2011 09:15:27 haibi

    Oh, Uschi, wir beide einer Meinung, ich glaub ich gönn mir nenn Lübzer,.....

  • User
  • 05.10.2011 22:07:46 Staatssicherheit

    Unionchemiker, ich werde deine Aktivitäten in diesem Forum von nun an begleiten, protokollieren und überwachen.Zum Wohle der Forumsgemeinde.

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