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14.04.2012

Die 50 härtesten Derbys der Welt #2

Bis aufs Blut

Text: Jens Kirschneck, Thorsten Schaar und Alex Raack  Bild: Imago

Teil 2 unserer Top-50-Liste der härtesten Derbys der Welt. Eine geteilte Stadt in Schotttland, ein ewiges Duell zwischen Arm und Reich, die »Bestatter« gegen die »Mutigen« und ein »Heiliger Krieg« in Polen: Die Plätze 1 bis 25!

Die 50 härtesten Derbys der Welt #2 - Bis aufs Blut


Echtes Derbyfieber zwischen verbissen um die Vorherrschaft ringenden Nachbarn gibt es heute nur noch in Ausnahmefällen, wie zum Beispiel in Glasgow, Istanbul oder Athen. Oder da, wo es fast ausschließlich Verlierer gibt, die ihr letztes bisschen Stolz bewahren wollen, wie in vielen Ligen des ehemaligen Ostblocks. Oder in Südamerika. Nicht ohne Grund finden sich zahlreiche osteuropäische und lateinamerikanische Derbys in den Bestenlisten von
footballderbies.com, einer engagierten, wenn auch ein bisschen nerdigen Website zum Thema, die für jedes Derby von Bedeutung ein Rating vergibt, wobei die Macher zwischen Stadtduellen, regio-
nalen Derbys wie Dortmund / Schalke oder Newcastle / Sunderland und gewachsenen Rivalitäten unterscheiden. Zu letzteren zählt nicht nur der spanische Superclasico, sondern auch so heikle Aufeinandertreffen wie das von Ajax Amsterdam und Feyenoord Rotterdam oder der kroatische Kriegsschauplatz Hajduk Split gegen Dinamo Zagreb. Eigentlich ist die Idee des Derbys allerdings eine andere: Es geht darum, wer der Herr im gemeinsamen Haus ist.



Was aber macht ein echtes Derby zu einem so einzigartigen Spiel, das oftmals eine Bedeutung hat, die mit der Tabellensituation nicht ansatzweise argumentativ zu begründen ist? »Egal, wie ihr abschneidet, wenn ihr gegen die Stadt bei Lüdenscheid gewinnt, ist es eine gute Saison.«: So schwadroniert man gerne auf Schalke zuungunsten Borussia Dortmunds, wogegen die Dortmunder beim Blick auf das Klassement schon mal gnädig ein Auge zudrücken, solange nur »Herne-West« in den direkten Duellen ordentlich eins auf die Mütze bekommt. Eine Überhöhung, die Trainern graue Haare wachsen lässt, weil sie sich von den Rängen auf das Spielfeld übertragen kann und für eine Verschiebung der Prioritäten sorgt, die im Profifußball sonst eigentlich gelten sollten: Für ein Spiel gibt es maximal drei Punkte, und wer am Ende der Saison die meisten Zähler gesammelt hat, schneidet am besten ab. In dieser nüchternen Arithmetik ist aber nicht berücksichtigt, dass sich Spieler in Derbys die Seele aus dem Leib rennen und dabei einen Substanzverlust beklagen, der ein paar Tage später zu einer überraschenden Heimniederlage gegen einen vermeintlichen Abstiegskandidaten führen kann; dass sich erhitzte Gemüter zu einer Tätlichkeit hinreißen lassen, in deren Nachgang sie wochenlang aus dem Verkehr gezogen werden; dass ein Erfolg oder Misserfolg im Derby eine ganze Spielzeit kippen kann.

»Dieses warme Gefühl der Zuversicht«

Der ehemalige englische Nationalspieler John Collins, der in seiner Karriere unzählige Derbyerfahrungen gesammelt hat (u.a. in Edinburgh, Glasgow und Liverpool), hat das Phänomen in einem Interview mit der englischen Zeitung »The Independent« sehr gut beschrieben. »Ein Derby ist etwas Einzigartiges und in seinem Verlauf völlig unvorhersehbar«, sagt Collins. »Du kannst einen fürchterlichen Negativlauf haben und alle deine Schlüsselspieler sind außer Form. Dann aber schießt du ein frühes Tor, die Zuschauer gehen aus sich heraus und plötzlich spürst du dieses warme Gefühl der Zuversicht durch deine Adern strömen.«

Collins weiß aber auch zu berichten, dass insbesondere das »Old Firm« in Glasgow nicht allen Spielern gut getan hat. Während einer wie er es liebte, dabei zu sein, fingen andere Akteure angesichts der Atmosphäre buchstäblich an zu zittern. Die allgemeine Aufregung führte dazu, dass der Ball in den ersten Minuten oft wie in einem Flipper unkontrolliert hin und her sprang, außerdem waren die Gesetze von Raum und Zeit außer Kraft gesetzt. »Im Ibrox-Stadion gibt es eine große Uhr«, erzählt Collins. »Du hast hochgeblickt und gesehen, dass bereits 43 Minuten um sind. Dabei hättest du gedacht, dass das Spiel gerade erst begonnen hat.«



Aus Heft#99 02/2010

Derby! Die härtesten Duelle der Welt


weiterlesen [1] [2]





25
Penarol – Nacional Montevideo
Uruguay
Als Penarol 1949 im Pokal zur Halbzeit 2:0 führte, verließen die Nacional-Spieler das Stadion durch die Hintertür ihrer Umkleidekabine. Fans von Nacional rechtfertigten die Entscheidung später mit der indiskutablen Schiedsrichterleistung. Der wahre Grund: Die Spieler fürchteten, eine historische Packung zu kassieren.


Fotostrecke

  • 25<br />
Penarol – Nacional Montevideo<br />
Uruguay<br />
Als Penarol 1949 im Pokal zur Halbzeit 2:0 führte, verließen die Nacional-Spieler das Stadion durch die Hintertür ihrer Umkleidekabine. Fans von Nacional rechtfertigten die Entscheidung später mit der indiskutablen Schiedsrichterleistung. Der wahre Grund: Die Spieler fürchteten, eine historische Packung zu kassieren.<br />
  • 24<br />
Lok – Chemie Leipzig<br />
Deutschland<br />
Eine jahrzehntealte Feindschaft, trotz aller Umbenennungen nach der Wende. Als es 2009 rund um das Oberligaderby zu Ausschreitungen kam, in deren Verlauf der Schiedsrichter sogar das Spiel unterbrach und die Mannschaften in die Kabine schickte, sagte eine Polizeisprecherin: »Dafür, dass es sich um ein Stadtderby gehandelt hat, war die Lage verhältnismäßig ruhig.« <br />
  • 23<br />
Aris – PAOK Saloniki<br />
Griechenland<br />
In Thessaloniki treffen die Lokalrivalen viermal im Jahr aufeinander – beim Fußball und Basketball. Es ist ein Duell zwischen Griechen und griechischen Einwanderern und längst auch eines zwischen Hobbyfilmern, die offenbar den »Dogma«-Grundlagenvertrag skandinavischer Filmemacher unterschrieben haben und mit wackliger Handkamera Straßenschlachten filmen. Bei You Tube zu sehen: viel Qualm auf Straßenkreuzungen und junge Herren im lockeren Trab. Kommentar eines Users: »Run, chicken, run!« 2004 fand das Derby aufgrund einer Platzsperre für PAOK im Stadion der Provinzstadt Trikala statt. Nach nur zwölf Minuten mussten die Teams zurück in die Katakomben – ob des unvermeidbaren Platzsturms dutzender Rowdys.
  • 22<br />
Rapid – Austria Wien	<br />
Österreich<br />
Der Begriff »Wiener Derby« entstand in den Fünfziger Jahren. Es ist mit rund 400 Spielen das meistgespielte Derby Europas, nach dem »Old Firm« (siehe Platz 1). Rapid, der Arbeiterverein, gegen die Bürgerlichen von der Austria. Zwei Legenden kassierten hier den einzigen Platzverweis der Karriere: Franz »Bimbo« Binder (Rapid) und Matthias Sindelar (Austria). »Der Papierene« hatte seinem Gegenspieler eine »Watschn« verpasst.
  • 21<br />
Palmeiras – Corinthians<br />
Brasilien<br />
Was macht man, wenn man keinen Lokalrivalen hat? Man gründet selbst einen. Einige Anhänger von Corinthians riefen 1914 Palmeiras ins Leben, damals noch unter dem Namen Palestra Italia. Die großteils aus Einwanderern bestehende Anhängerschaft der Corinthians teilte sich in der Folge zwischen den beiden Vereinen auf. Die ehemaligen Corinthians-Fans wurden als »Verräter« bezeichnet, und bis heute sind die beiden Klubs die erbittertsten Rivalen in Sao Paulo. Den Namen »Derby Paulista« erfand der brasilianische Fußball-Journalist Thomaz Mazzoni in den 1940er Jahren. Corinthians-Fans bezeichnen ihre Kontrahenten meist als »Schweine«, während diese ihre Kontrahenten als »Krabben« verhöhnen. Das Derby wurde in einem brasilianischen Kinofilm verewigt: In der Komödie »O Casamento de Romeu e Julieta« verliebt sich die Tochter eines Palmeiras-Vorstands in einen Corinthians-Fan.
  • 20<br />
Dinamo – Steaua Bukarest<br />
Rumänien<br />
In der rumänischen Hauptstadt ging es beim <br />
Fußball stets auch um politischen Einfluss. 2006 veranlasste Dinamo, im Kampf gegen die Gewalt im Stadion, den Kartenverkauf an Frauen zu unterbinden. Es sollte verhindert werden, dass Steaua-Anhänger ihre bessere Hälfte zum Kartenkauf schicken und dann auf der gleichen Tribüne sitzen wie die Fans von Dinamo.


Kommentare

  • User
  • 19.09.2010 02:34:13 Vitoco

    Geil, schon damals im Heft fand ich diese Auflistung sehr interessant.

    Mindestens einmal habt ihr aber hier falsche Fotos verwendet:
    Das Bild zum 'clásico chileno' Universidad de Chile - Colo Colo zeigt die Fans von Newell's Old Boys (ARG).
    Widerum das Derby von Newell's gegen Central begleitet ein Bild von 'Los de Abajo', der Fankurve von Universidad de Chile.

    Mit Südamerika kann man uns nicht foppen ;-)

    Argifutbol Blog - argentinischer Fußball auf deutsch

  • User
  • 19.09.2010 11:57:49 yokum

    (3) Ein weiteres interessantes Derby findet derzeit auf der Trainerbank statt: Deutschland (Christoph Daum) gegen Holland (Frank Rijkaard).
    Almost aktuell... Ok, es zur Zeit des Heftes stimmte es ja noch. Das D-NL Match gibt es diese Saison zwischen Galatasaray (noch immer Rijkaard) und Besiktas (Schuster).

  • User
  • 14.04.2012 19:18:50 TD1978

    Sorry, aber zumindest die Texte zu den türkischen Derbys sind uralt und eine Frechheit. Wenn ich Vorurteile bestätigt haben möchte, lese ich Kicker oder Bild. Denn inzwischen sind die Derbys zwischen Besiktas, Galatasaray und Fenerbahce viel friedlicher als früher. Zu Gewalt kommt es meist nur noch fernab der Stadion, so wie hierzulande an Raststätten usw. Die Stadien selbst sind weitgehend clean. Meist werden zwar Gegenstände auf den Platz geworfen oder Bengalos trotz Verbot geschwenkt, aber das wars. Die Rivalität ist aber zwischen Fener und Gala und Fener und v.a. Trabzonspor aber immer noch immens. Nächstes Mal bitte etwas genauer recherchieren oder direkt hinfliegen. Kommt besser. Ansonsten seid ihr TOP!

  • User
  • 15.04.2012 18:42:45 Wer

    Hm. Also bei aller Liebe zu europäischen Derbys und deren Geschichte und sicher wird beim Pott-Derby auch besser Fußball gespielt - aber sind die europäischen Duelle nicht mittlerweile eigentlich viel zu "brav" um sie soweit in der Liste nach vorn zu stellen?
    Das sind doch durchgestilte Veranstaltungen, in denen das Spiel als Teil der Meisterschaft und sportlicher Wettbewerb im Vordergrund steht. Den beinah verzweifelten Charakter des völligen Fanatismus, wie er bei den südamerikanischen oder gerade dem ägyptischen Duell zu finden ist, hat das doch aber nicht mehr.

  • User
  • 15.04.2012 20:40:13 alterzabo

    Heute 18:42:45 von Wer

    Gottseidank - mir reicht schon das, was es bis jetzt los ist, einen Krieg brauche ich wirklich nicht.

  • User
  • 15.04.2012 20:46:41 Hobo With A Shotgun

    das stimmt alterzabo. user wer hätte es bestimmt lieber wenn es auch bei uns deutschen tote geben würde und überall schlägerein.

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