Die 50 härtesten Derbys der Welt #2
Bis aufs Blut
Text: Jens Kirschneck, Thorsten Schaar und Alex Raack Bild: Imago
Teil 2 unserer Top-50-Liste der härtesten Derbys der Welt. Eine geteilte Stadt in Schotttland, ein ewiges Duell zwischen Arm und Reich, die »Bestatter« gegen die »Mutigen« und ein »Heiliger Krieg« in Polen: Die Plätze 1 bis 25!
Echtes Derbyfieber zwischen verbissen um die Vorherrschaft ringenden Nachbarn gibt es heute nur noch in Ausnahmefällen, wie zum Beispiel in Glasgow, Istanbul oder Athen. Oder da, wo es fast ausschließlich Verlierer gibt, die ihr letztes bisschen Stolz bewahren wollen, wie in vielen Ligen des ehemaligen Ostblocks. Oder in Südamerika. Nicht ohne Grund finden sich zahlreiche osteuropäische und lateinamerikanische Derbys in den Bestenlisten von
footballderbies.com, einer engagierten, wenn auch ein bisschen nerdigen Website zum Thema, die für jedes Derby von Bedeutung ein Rating vergibt, wobei die Macher zwischen Stadtduellen, regio-
nalen Derbys wie Dortmund / Schalke oder Newcastle / Sunderland und gewachsenen Rivalitäten unterscheiden. Zu letzteren zählt nicht nur der spanische Superclasico, sondern auch so heikle Aufeinandertreffen wie das von Ajax Amsterdam und Feyenoord Rotterdam oder der kroatische Kriegsschauplatz Hajduk Split gegen Dinamo Zagreb. Eigentlich ist die Idee des Derbys allerdings eine andere: Es geht darum, wer der Herr im gemeinsamen Haus ist.
Was aber macht ein echtes Derby zu einem so einzigartigen Spiel, das oftmals eine Bedeutung hat, die mit der Tabellensituation nicht ansatzweise argumentativ zu begründen ist? »Egal, wie ihr abschneidet, wenn ihr gegen die Stadt bei Lüdenscheid gewinnt, ist es eine gute Saison.«: So schwadroniert man gerne auf Schalke zuungunsten Borussia Dortmunds, wogegen die Dortmunder beim Blick auf das Klassement schon mal gnädig ein Auge zudrücken, solange nur »Herne-West« in den direkten Duellen ordentlich eins auf die Mütze bekommt. Eine Überhöhung, die Trainern graue Haare wachsen lässt, weil sie sich von den Rängen auf das Spielfeld übertragen kann und für eine Verschiebung der Prioritäten sorgt, die im Profifußball sonst eigentlich gelten sollten: Für ein Spiel gibt es maximal drei Punkte, und wer am Ende der Saison die meisten Zähler gesammelt hat, schneidet am besten ab. In dieser nüchternen Arithmetik ist aber nicht berücksichtigt, dass sich Spieler in Derbys die Seele aus dem Leib rennen und dabei einen Substanzverlust beklagen, der ein paar Tage später zu einer überraschenden Heimniederlage gegen einen vermeintlichen Abstiegskandidaten führen kann; dass sich erhitzte Gemüter zu einer Tätlichkeit hinreißen lassen, in deren Nachgang sie wochenlang aus dem Verkehr gezogen werden; dass ein Erfolg oder Misserfolg im Derby eine ganze Spielzeit kippen kann.
»Dieses warme Gefühl der Zuversicht«
Der ehemalige englische Nationalspieler John Collins, der in seiner Karriere unzählige Derbyerfahrungen gesammelt hat (u.a. in Edinburgh, Glasgow und Liverpool), hat das Phänomen in einem Interview mit der englischen Zeitung »The Independent« sehr gut beschrieben. »Ein Derby ist etwas Einzigartiges und in seinem Verlauf völlig unvorhersehbar«, sagt Collins. »Du kannst einen fürchterlichen Negativlauf haben und alle deine Schlüsselspieler sind außer Form. Dann aber schießt du ein frühes Tor, die Zuschauer gehen aus sich heraus und plötzlich spürst du dieses warme Gefühl der Zuversicht durch deine Adern strömen.«
Collins weiß aber auch zu berichten, dass insbesondere das »Old Firm« in Glasgow nicht allen Spielern gut getan hat. Während einer wie er es liebte, dabei zu sein, fingen andere Akteure angesichts der Atmosphäre buchstäblich an zu zittern. Die allgemeine Aufregung führte dazu, dass der Ball in den ersten Minuten oft wie in einem Flipper unkontrolliert hin und her sprang, außerdem waren die Gesetze von Raum und Zeit außer Kraft gesetzt. »Im Ibrox-Stadion gibt es eine große Uhr«, erzählt Collins. »Du hast hochgeblickt und gesehen, dass bereits 43 Minuten um sind. Dabei hättest du gedacht, dass das Spiel gerade erst begonnen hat.«
Aus Heft#99 02/2010
Derby! Die härtesten Duelle der Welt


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Penarol – Nacional Montevideo
Uruguay
Als Penarol 1949 im Pokal zur Halbzeit 2:0 führte, verließen die Nacional-Spieler das Stadion durch die Hintertür ihrer Umkleidekabine. Fans von Nacional rechtfertigten die Entscheidung später mit der indiskutablen Schiedsrichterleistung. Der wahre Grund: Die Spieler fürchteten, eine historische Packung zu kassieren.






