Dirk Eitzert über seine Karriere
»Neid war mir fremd«
Interview: Daniel Schneider Bild: Imago
Die große Karriere blieb dem ehemaligen Bochumer Bundesligaprofi Dirk Eitzert verwehrt – und trotzdem ist er heute Millionär. Wir sprachen mit ihm über Geld, Bescheidenheit und ein Beinahe-Tor gegen Jens Lehmann.
Herzlichen Glückwunsch, Dirk Eitzert!
Huch, wozu denn das?
Sie dürften der erste Ex-Profi sein, der erst nach seiner Karriere Millionär wird.
(lacht) Ja, das ist mal was anderes. Ich bin ja schon mit 24 Jahren Sportinvalide geworden. Allerdings war ich immer sparsam und hatte meinen Traum vom Eigenheim. Nach meiner Fußballzeit habe ich mir ein größeres Haus für mehrere Familien gebaut mit einer Penthousewohnung in der obersten Etage. Die anderen Mieter haben damit meine Hypothek abbezahlt. Das hat sehr gut funktioniert. Allerdings habe ich auch selber Steine geschleppt und hatte das Glück, dass aus meiner Verwandtschaft viele einen handwerklichen Beruf haben. Angefangen habe ich mit 300.000 Mark.
Für viele Profifußballer ist es schwer, sich nach der Karriere eine berufliche Existenz aufzubauen. Haben Sie dafür Verständnis?
Ich denke, viele haben das Problem sich im Beruf unterzuordnen. Die haben vorher viel verdient und sollen dann von einem Moment auf den anderen nur noch, sagen wir mal, 2000 Euro verdienen. Viele treten solch einen Job dann erst gar nicht an. Das Problem ist nur, dass das ersparte Geld aus der Profikarriere irgendwann aufgebraucht ist. Kein Verständnis habe ich für die Fußballer, die Millionen verdient haben und plötzlich vor dem finanziellen Nichts stehen.
Würden Sie Ihre jetzige Situation gegen den Gewinn einer Meisterschaft eintauschen?
Darüber habe ich oft nachgedacht. Es tat mir schon weh, als ich mir nach meiner Verletzung die Spiele anschaute. Ich spiele ja auch in der VfL-Traditionsmannschaft. Die haben sportlich viel mehr erreicht als ich. Ich bin aber nicht neidisch, wenn ich sehe, wie es denen heute geht. Für Titel und viele Bundesligaspiele kann man sich eben auch nichts kaufen. Und es ist ja nicht so, dass ich nie etwas gewonnen habe. Im Amateurfußballbereich war ich durchaus erfolgreich.
Sie gelten als sehr bescheiden. Haben Ihre Kollegen Sie damals nicht ausgelacht, als Sie mit Ihrem kleinen Wagen zum Training gekommen sind? Zu der Zeit haben Sie auch nicht zu Hause bei den Eltern gewohnt.
Ja, ich hatte damals wirklich noch einen alten Opel Corsa GSI. Und manch einer wäre tatsächlich neidisch auf die anderen mit ihren großen Wagen und den schicken Appartements gewesen. Doch Neidgefühle waren mir immer fremd. Man muss auch sehen, dass die Spieler zum Teil erhebliche monatliche Unkosten hatten. Die hatte ich nie.
Was sind Ihre schönsten Erinnerungen an die Bundesligazeit?
Auf jeden Fall der Sieg gegen den FC Bayern München. Mit 2:0 haben wir da gewonnen, bis heute der einzige Auswärtssieg in der VfL-Geschichte. Mein direkter Gegenspieler war damals Stefan Effenberg. Der ist genauso nett, wie er heute im Fernsehen rüberkommt. Das andere Erlebnis war die 75. Minute im Spiel gegen Werder Bremen. Unser Torwart Ralf Zumdick sah die Rote Karte und ich musste die letzte Viertelstunde in den Kasten. Es stand 2:1 für Werder.
Konnten Sie sich als Torwart empfehlen?
Gleich beim ersten Freistoß auf mein Tor köpfte Wynton Rufer einen Ball an die Latte. Da dachte ich, das Tor bricht gleich unter mir zusammen. Später hielt ich noch einen Ball von ihm, als er allein auf mich zulief. Kurz vor Schluss schlug ich einen weiten Abschlag auf Olaf Dressel, der im Strafraum gefoult wurde. Olaf Heinemann traf dann per Elfmeter zum 2:2. Der Abschlag ging sogar noch weiter als der von Manuel Neuer auf Miroslav Klose bei der WM in Südafrika.
Und Ihre nicht so schönen Erinnerungen?
Ich würde mich nicht noch einmal fitspritzen lassen. Ich war damals jung und hatte schon Verletzungsprobleme, wollte meinen Stammplatz aber nicht verlieren. Ich spielte also, weigehend auch schmerzfrei, doch die Verletzung bekam ich nicht aus dem Kopf. Zu dem Zeitpunkt der Saison 1992/93 wurden die Leistungen der Mannschaft auch zusehends schlechter und die Zuschauer fingen an zu pfeifen. Am Ende sind wir abgestiegen.
Ein Tor haben Sie leider nie erzielt. Ärgert SIe das heute?
Meine Kollegen ziehen mich damit noch auf. Dann sage ich immer: Jungs, ein Tor ist mir doch gelungen, beim Intertotocup. Einmal hätte es in der Bundesliga auch fast geklappt, gegen Jens Lehmann von Schalke 04. Der Ball ging aber knapp daneben.
Sie mussten Ihre Karriere verletzungsbedingt beenden. Ein großer Schock für Sie?
Schock kann man nicht sagen. Wenn man 18 Monate am Stück verletzt ist, stellt man sich auf so etwas ein. Als der Arzt mir die Botschaft überbrachte, war ich schon am nächsten Tag in der Immobilienbranche tätig. Ich war nie der Typ, der einfach aufgibt.
Sind Sie dem Fußball trotzdem treu geblieben?
Na klar, ohne Fußball geht es einfach nicht. Seit ein paar Jahren trainiere ich den SSV Mühlhausen in Unna. In der letzten Saison sind wir aus der Westfalenliga abgestiegen. Mein nächstes Ziel als Trainer ist die Fußballlehrerlizenz, auch wenn es für die ganz große Trainerkarriere wahrscheinlich schon zu spät ist.
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