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06.09.2011

Polen-Deutschland: Die Wasserschlacht von 1974

»Mein Gott, mach doch was!«

Text: Walter Meinel (Protokoll: Benjamin Apitius)  Bild: Imago

Was haben wir zuletzt über das schlechte Wetter gemeckert. Doch eines ist sicher: Das war Kinderkacke im Vergleich zu dem, was Feuerwehrmann Walter Meinel bei der legendären »Wasserschlacht« zwischen Deutschland und Polen 1974 erlebte.

Polen-Deutschland: Die Wasserschlacht von 1974 - »Mein Gott, mach doch was!«


Als ich mittags mit meiner 20-köpfigen Mannschaft am Frankfurter Stadion eintraf, waren wir bester Laune. Wir bauten unseren Unfallrettungszug auf, einen Löschwagen und mehrere Fahrzeuge aus dem Sanitätsbereich. An solchen Tagen hielt man sich für gewöhnlich nur diskret im Hintergrund.



Dann begann es plötzlich zu regnen. Die Himmelsschleuse öffnete sich, und ein heftiges Gewitter zog auf. Schon bald stand der Platz unter Wasser. Es war ein Kreuz. Das Waldstadion wurde einst auf sandigem Waldboden errichtet. Erst zwei Jahre zuvor hatte man eine Lehmwanne als stabilisierende Schicht zwischen Rasentragfläche und Untergrund gezogen, damit das Spielfeld nicht umsonst gewässert und gedüngt wurde. Und genau diese Maßnahme ließ den Platz nun untergehen. Es regnete wie aus Kübeln. Und regnete. Und regnete. Das Gemurre der Fans wurde lauter, man befürchtete eine Spielabsage.

»Mein Gott, mach doch was!«

Karl-Heinz Erdmann, damaliger Geschäftsführer der Stadion GmbH, schrie mich an: »Mein Gott, mach doch was! Lass dir was einfallen! Die machen mir sonst das Stadion kaputt.« Das Wasser stand ihm bis zum Hals. Doch was tun? Eine Vertiefung im Mittelkreis ausheben, damit das Regenwasser abläuft? Unmöglich. Ich sagte zu ihm: »Das bringt doch alles nichts. Im Nu sind all unsere Pumpen verstopft.« Mit Schlamm, Erdreich und Grasbüscheln.

Schiedsrichter Erich Linemayr bog um die Ecke und knurrte: »Diese Partie werde ich unter keinen Umständen anpfeifen.« Es waren chaotische Zustände. Die Pfützen waren mittlerweile gute zehn Zentimeter tief. Es blieb keine Stunde bis zum Anpfiff. Ich rief meine Männer zusammen, und wir entwickelten einen Schlachtplan. Wir bauten mit Wasserstrahlpumpen einen eigenen Kreislauf und verwendeten unser Wasser als Treibmittel.

Dieser Hergang war natürlich höchst unprofessionell, denn mit der Zeit gingen uns die funktionstüchtigen Pumpen aus – doch zumindest sank der Pegel auf dem Feld minütlich. Ich ließ das Großbrandgerätelager leer räumen, zusätzlich schoben freiwillige Helfer Tenniswalzen über das Feld. Bald setzte der Regen aus. Linemayr watete ein letztes Mal über den Platz - und pfiff die Partie mit 30-minütiger Verspätung tatsächlich an. Wir hatten es doch noch geschafft.






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Kommentare

  • User
  • 05.06.2010 12:11:46 Bash

    Ich versteh kein Wort.

    Was ist ein "Kreislaus aus Wasserstrahlpumpen" und wie wird dabei das Wasser als "Treibmittel" eingesetzt?

    Ich mein is ja schön wenn man vorher lang und breit eine wundervolle Geschichte erzählt aber wenn dann das "Wie" nicht für den Laien verständlich erklärt wird, dann ist es doch eine Anekdote, die sich auf "Die Feuerwehr hat das Wasser abgepumpt" zusammenstreichen lässt.

  • User
  • 05.06.2010 19:34:55 Ganna

    Vielleicht ist nicht der technische Aspekt, wie man da einige Maschinen zusammen schraubt, so wichtig, wie die Begleitumstände und Gegebenheiten, dass man aus Angst, die Zuschauer würden böse, auch unter indiskutablen Verhältnissen das Spiel durchgezogen hat.
    Es wäre sicher schöner gewesen, unsere Mannschaft hätte die Polen unter optimalen Bedingungen geschlagen. Dann hätten sich die Veranstalter vielleicht die Peinlichkeit eingehandelt, ein Spiel wegen einer "Lehmwanne" nicht durchführen zu können, aber man hätte sich später das alberne Gerede nicht anhören müssen, dass die Polen technisch besser gewesen wären und unsere "Rumpelfußballer" nur deshalb gewonnen haben, weil ihnen der Untergrund entgegen gekommen sei.
    Aber unterm Strich wirkt das schon irgendwo skurril: "Es wird gespielt, egal unter welchen Bedingungen; Wir sind ja nicht zum Spaß hier"...

  • User
  • 06.06.2010 10:37:20 MRex

    @bash:

    Wenn du Wasser "abpumpen" willst, gibt es prinzipiell zwei technische Möglichkeiten:

    1: Man saugt das Wasser einfach ab, das geht zwar technisch relativ schnell, man zieht aber erstens den ganzen Schlamm/Sand/Schmutz mit ein, und zweitens saugt man kurz vor Ende nur noch Luft ein, also bleibt ein ca. 5cm hoher Wasserstand übrig.

    2: Die sogenannte Kreiselpumpe.
    Hier wird eine spezielle Pumpe eingesetzt, in die man Wasser mit hohem Druck hineinspritzt, so dass es auf der anderen Seite wieder herauskommt. Das einlaufende Wasser reisst durch seine hohe Geschwindigkeit ein Teil des "Kellerwassers" mit, so dass der Pegel auch dann sinkt. Das ganze hat den Vorteil, dass das "Brackwasser" nur durch Schläuche abgeleitet wird, und keine Pumpen verstopft.
    (Ich weiss, dass das für aussenstehende seltsam aussieht, wenn man in einen zugelaufenen Keller Wasser pumpt.)

    Diesen Effekt kann man bei geöffnetem Autofenster auch erleben, wenn man auf der Schnellstrasse fährt, würde ein Taschentuch etc. auch weggerissen.

  • User
  • 07.06.2010 08:50:36 Pichi

    Eine Wasserstrahlpumpe arbeitet nach dem Injektorprinzip: man pumpt etwa 1/3 Treibwasser rein, um das Förderwasser zu transportieren:

    http://de.wikipedia.org/wiki/Wasserstrahlpumpe_(Fe uerwehr)

    Gut, besonders effizient ist das nicht, aber Ich weiß auch nicht, ob 1974
    schon allzu viele Tauchpumpen verfügbar waren:

    http://de.wikipedia.org/wiki/Tauchpumpe#Tauchpumpe n_bei_Feuerwehren

    Mit einer "normalen" Feuerlöschkreiselpumpe kann man bei Schmutzwasser nicht arbeiten, da hier mit hoher Drehzahl rotierende Schaufelräder (meist aus Aluminium) arbeiten. Kommen dann Fremdkörper (Steine, Sand) hinein, zerstören diese das Material sehr schnell.

    Heute hat die Feuerwehr Frankfurt jedenfalls mehr Material, falls das Dach der Commerzbankarena dann doch nicht halten stollte ;)

  • User
  • 07.06.2010 10:48:14 Dieter Prestin

    Feuerlöschkreiselpumpe ist auch ein sehr schönes Wort...

  • User
  • 07.06.2010 11:33:44 Ether

    Wenn die Plartzverhältnisse grenzwertig sind, ist der Verlierer, so er denn die Auswärtsmannschaft war, hinterher immer die technisch bessere Mannschaft, die nur durch die schlechten Platzverhältnisse verloren hat.

  • User
  • 07.06.2010 11:50:46 AntiMöller

    Sepp Maiers bestes Spiel.

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