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21.11.2011

Die herzergreifende Geschichte des Prince Tagoe

Prinz Eisenherz

Text: Alex Raack und Ron Ulrich  Bild: Joel Micah Miller

Die Bundesliga hat Prince Tagoe fast vergessen. Doch seine Geschichte gehört zu den kuriosesten Vorfällen des vergangenen Jahrzehnts. In Ausgabe 100 berichteten wir über herzergreifende Geschichte von Prince Tagoe.

Die herzergreifende Geschichte des Prince Tagoe - Prinz Eisenherz


Die »Ratsstube Steidel« in Sinsheim-Dühren hat an diesem 9. Juni 2009 einen besonderen Gast: Prince Tagoe, ein 22-jähriger Fußballer aus Ghana, der soeben seinen ersten Profivertrag in Europa unterschrieben hat. Begleitet wird der junge Mann von Jan Schindelmeiser, Geschäftsführer von Tagoes neuem Arbeitgeber TSG Hoffenheim, und Djuro Ivanisevic, dem Berater des Spielers. »Als ich meinen Namen auf das Papier schrieb«, erinnert sich Tagoe, »fühlte sich das an, als ob mein Leben neu beginnen würde.«



Auf dem internationalen Fußballmarkt ist der wuchtige Angreifer mit den feinen Rastazöpfen im Sommer 2009 längst kein Unbekannter mehr. Bereits drei Jahre zuvor hat der FSV Mainz 05 um seine Dienste geworben. Erfolglos. Für viel Geld wechselte Tagoe nach Saudi-Arabien. Doch der Aufenthalt auf der arabischen Halbinsel sollte für den flinken Offensivspieler nur eine Zwischenstation auf dem Weg zum Traumziel Europa werden.

Angebote aus Mailand und Valencia – Tagoe geht nach Hoffenheim

Im Frühjahr 2009 geht der Traum in Erfüllung. Vor Tagoe liegen unterschriftsreife Verträge von Inter Mailand und dem FC Valencia. Die Tür zur großen weiten Fußballwelt steht offen. Und Tagoe? Entscheidet sich für die TSG Hoffenheim. Dort spielt bereits sein Freund Isaac Vorsah, und gemeinsam mit den Beratern kann der seinen talentierten Landsmann für den Bundesligisten in der Rhein-Neckar-Provinz begeistern. Djuro Ivanisevic will seinem Schützling auf der Karte einen Ort zeigen, der dort gar nicht vermerkt ist. Aber was bedeuten schon Einwohnerzahlen und Breitengrade, wenn man in der Liga spielen kann, in der ghanaische Nationalhelden wie Sammy Kuffour und Tony Yeboah ihre Karrieren starteten? Tagoe vertraut seinen Beratern und dem alten Kumpel Isaac. Am 9. Juni 2009 wird doppelt gefeiert: ein gutes Geschäft und der Beginn des Fußballtraums, den Prince Tagoe ab sofort leben darf.

Damit sollte die Transfergeschichte des begabten afrikanischen Jungfußballers in die Bundesliga eigentlich beendet sein. Stattdessen aber geht sie an dieser Stelle erst los. »Denn plötzlich«, sagt der Berater Djuro Ivanisevic, »begann dieser Alptraum.«

Fußballer sind die Ware, die den Mehrwert erzeugen

Professionelle Fußballvereine sind längst zu wirtschaftlichen Unternehmen avanciert, in denen das Personal auf dem Platz die Ware ist, die den Mehrwert erzeugen muss. Falsche Transfers können die wirtschaftliche Situation eines Klubs schnell in Schieflage bringen. Die Deutsche Fußball Liga sieht zudem in ihren Lizenzauflagen vor, dass sich Spieler einem zweiteiligen medizinischen Check unterziehen müssen: einer orthopädischen und einer kardiologisch-internistischen Untersuchung. Erst wenn der behandelnde Arzt die Sporttauglichkeit erteilt, erhält ein Fußballer in Deutschland seine Spielerlaubnis. Die Auflagen sind streng, die Strafen bei einem Fehlverhalten können drastisch sein.

Prince Tagoe wird am 8. Juni 2009 untersucht, einen Tag vor der Vertragsunterzeichnung. Das Zeitfenster ist eng, denn Tagoe kämpft mit seiner Nationalmannschaft um die Teilnahme bei der ersten WM auf afrikanischem Boden. Die Pause zwischen den Länderspielen will der 22-Jährige nutzen, um bei seinem neuen Verein alle Formalitäten zu klären. In seiner Heidelberger Praxis erwartet Hoffenheims Mannschaftsarzt Dr. Pieter Beks den Patienten. Begleitet wird Tagoe von Djuro Ivanisevic und dessen Partner Goran Milovanovic. Alles soll nach Plan verlaufen, also haben sie ihrem Schützling Turnschuhe für die Spiroergometrie besorgt, ein Standardverfahren bei der kardiologischen Erstuntersuchung von Profifußballern. Beks belässt es laut Ivanisevic im Rahmen dieses Checks allerdings bei den orthopädischen Tests: »Zur Spiroergometrie kam es damals nicht. Dr. Beks sagte: ›Keine Sorge, das reicht.‹« Die Turnschuhe bleiben eingepackt.



Aus Heft#100 03/2010

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Kommentare

  • User
  • 03.05.2010 15:10:43 misterkite

    ach...auch wieder so einer, der die haare schön hat..... ist latürnich ne nette geschichte für den boulevard, aber der typ wird genauso untergehen wie die ganzen maicosuels, eduardos, zucculinis etc etc....

  • User
  • 03.05.2010 15:24:28 Andreas Blenke

    Du meinst den Schindelmeider, gell? :-D

  • User
  • 03.05.2010 15:26:11 misterkite

    du hast mich schon verstanden ... ;-) aber der schindelmoser ist...naja....mir egal....

  • User
  • 03.05.2010 15:29:27 saloth sar

    aber der schindelmoser ist...naja....mir egal....

    sag's doch wie es ist, der hat keine tradition! und nen schwarz-weiss bild von ihm gibt es auch nicht. ein skandal!

  • User
  • 03.05.2010 15:33:52 Hotte80

    Es gibt ja noch nicht mal ein Schwarz-Weiß-Bild vom Hanne Sobek in Hoffenheim. Das ist noch viel, äh, traditionsloser!

  • User
  • 03.05.2010 15:35:59 skifahrer

    auch auf die gefahr hin, dass jetzt wieder die üblichen reflexe einsetzen: man stelle sich diese geschichte einmal mit uli hoeneß als der handelnden hauptperson vor.... eben...unvorstellbar. und schon erkennt man den unterschied zwischen fähigen und unfähigen managern.

  • User
  • 03.05.2010 15:39:10 misterkite

    der dimpelmeier hat doch eh nix zu sagen! und jetzt bloss keine "traditionsdebatte" ... ich finde halt, die diesjährige saison hat eindrucksvoll bewiesen, dass es weder ein schlüssiges "jugendkonzept" noch eine gelungene "eingliederung" von ausländischen (resp. südamerikanischen) spieler in hoffenheim gibt... vielleicht sollten dieneben das trainingszentrum noch ne großraumdisse bauen, dann können eduardo und co. mit ein paar sap hostessen zu rythmo de la noche mal die rastazöpfe wackeln lassen... der rafinha kann denen ja mal nen kurs geben: samba de brasil im reihenhaus - carnival de neubaugebiet...
    naja, vadder hoppp wird denen schon den kopf waschen...und im nächsten jahr steigt die tsg ab, rangnick wird gefeuert und hopp saniert den s04, damit er den magath sofort bekommt...

    diesbezüglich scheint das angebot an vergnügungsstätten im kraichgau ja eher mau zu sein. und die vorlesestunden mitm beck haben sich wohl auch erübrigt... naja..WHO CARES!

  • User
  • 03.05.2010 16:03:30 giselher

    @ skifahrer:

    Es gibt Anforderungen, die übersteigen das dem Menschen Mögliche. Die Anforderung, sich Uli Hoeneß in so einer Geschichte vorzustellen, z.B. Würde man dies tun, also, ... hm, ... dann gäb's die ganze Geschichte nicht ...

    Nix für ungut, wir meinen das Gleiche.

  • User
  • 03.05.2010 16:05:05 Andreas Blenke

    Mal was anderes. Hatten die Hoppenhausener nicht auch irgendeinen Kooperationsvertrag mit Eurem Dr Müller-Wohlfahrt? Nun ist der kein Kardiologe, deshalb paßt's hier nicht hin. Aber was macht der da eigentlich? Es hieß ja, die hätten ihm Geld für seine neue Praxis in München gegeben. Und was sagen eigentlich Uli und Kalli dazu?

  • User
  • 03.05.2010 16:13:35 misterkite

    der hopp oist da gesellschafter..hehe...andreas, schau dir die hp bloss nicht an, da biegen sich dir die fussnägel hoch...

  • User
  • 03.05.2010 16:16:36 skifahrer

    @andreas blenke
    Nein, hatte Hoffenheim nicht. Aber Hopp. Das ist seine "private" Beteiligung als Mäzen. Und es passt sehr wohl hierhin: der Doc ist nicht nur so gut, weil er so ein unglaublich fähiger Diagnosist ist, er ist auch deshalb so gut, weil er sehr schnell und sehr genau weiss, wen er auf was warum draufschauen lassen muss. Und er lässt immer nur die Besten draufschauen. Den Bayern ist das alles nur recht, schließlich profitieren sie alle davon...

    @giselher
    Eben weil es so schwer bis gar nicht vorstellbar ist, habe ich mich das schwer Vorstellbare gefragt. Die Bayern hätten dem Jungen geholfen und Ergebnisse abgewartet, bevor sie die Juristen bemüht hätten.

  • User
  • 03.05.2010 16:19:06 Andreas Blenke

    Ich bin natürlich so doof und schau gleich auf die Webseite. Sch___ ist die abgeschmackt. Ich lach mesch kapott, von vorne bis hinten. Brüller: das »Strategiesheet«.

  • User
  • 03.05.2010 16:23:22 skifahrer

    Ohne den Doc säßen etliche Sportler im Rollstuhl. Weiß nicht, was an der Präsentation so verkehrt sein soll. Aber es gibt genug Besserwisser, die es besser zu wissen meinen.

  • User
  • 03.05.2010 16:30:36 El Buitre

    Hoffe hatte keine Probleme mit ihren alten Plänen, Mister, die Spieler hatten die typischen Probleme, die im 2. Jahr inner BL auftreten: viele lukrative Angebote von anderen Vereinen, Erfolgsdruck, größer gespendete Aufmerksamkeit durch Medien und co.
    Gescheitert ist da noch lange nichts, durch die Phase gehen alle Aufsteiger irgendwann.

  • User
  • 03.05.2010 16:33:05 misterkite

    ach skifahrer: es redet doch hier niemand von den fachlichen qualifikationen des dr.mull (wie sollte icc die auch beurteilen können) ,die steht ja auch nicht zur diskussion! aber wenn man ein millionen unternehmen mit seinem namen verbindet und sich selbst höchst professionell gibt, dann sollte die hp weder optisch noch sprachlich auf vhs kurs niveau liegen...

  • User
  • 03.05.2010 17:30:54 skifahrer

    DAS ist natürlich eine ganz andere Frage.... wo Du Recht hast, hast Du Recht.

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