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12.12.2011

Hans Krankl über Cruyff und Catalan

»Barca ist wie Hollywood«

Interview: Alex Raack  Bild: Imago

Beim FC Barcelona tobt ein kruder Machtkampf um die Nachfolge des Präsidentenamtes. Mittendrin: Der neue Ehrenpräsident Johan Cruyff. Wir sprachen mit Hans Krankl, der den Holländer 1978 als Barca-Star beerbte.

Hans Krankl über Cruyff und Catalan - »Barca ist wie Hollywood«


Vor dem Viertelfinal-Hinspiel in der Champions League gegen den FC Arsenal, hatte sich in Barcelona eine merkwürdige Vereinsposse entwickelt: Weil der scheidende Klub-Präsident Joan Laporta seinen alten Freund und Weggefährten Johan Cruyff zum Ehrenpräsidenten ernannte, kochte die stolze katalanische Volksseele der über 100.000 Vereinsmitglieder. Laporta wurde vorgeworfen mit seiner Entscheidung in den anstehenden Wahlkampf um seine Nachfolge einzugreifen. Bis dato hatte Vize-Präsident Sandro Rossell als aussichtsreicher Kandidat gegolten.. Die Barca-Fans monierten derweil den Bruch mit der herrschenden Tradition sich dem Personenkult zu widersetzen. Selbst bei Barca-Ikone Johan Cruyff schienen die Anhänger da keine Ausnahme zu machen. Die Süddeutsche Zeitung zitiert in ihrem Bericht »Wer schwitzt mehr?« den ehemaligen Barca-Präsident Joan Gaspart: »Es gibt Lieben, die töten können und jene, die Laporta für Cruyff empfindet, gehört dazu.«



Wir sprachen vor einigen Wochen mit Hans Krankl, der mit kurzer Unterbrechung von 1978 bis 1981 als legitimer Cruyff-Nachfolger seine Schuhe für den FC Barcelona schnürte. Krankl gilt nicht nur als intensiver Beobachter der katalanischen Vereinspolitik, sondern auch als persönlicher Freund von Ex-Präsident und Cruyff-Kritiker Joan Gaspart.    

Hans Krankl, welche Rolle spielt Johan Cruyff für den FC Barcelona?

Eine enorme: Cruyff war als Spieler unglaublich und als Trainer fast genauso gut. Wenn die aktuelle Barca-Mannschaft noch nicht Weltklasse sein sollte – das Barcelona unter Johan Cruyff Anfang der neunziger Jahre war es.

Barcelonas Generaldirektor Joan Oliver wird mit den Worten zitiert: »Cruyff hat ins Erbgut von Barcelona eingegriffen.« Würden Sie dem zustimmen?

Absolut! Cruyff hat Barcelona erst das Offensivspektakel eingeimpft, weshalb der Verein heute in der ganzen Welt verehrt wird. Er hat sich als erster Trainer getraut, ganz neue Wege zu gehen.

Die da wären?

Er hat sich nicht am nackten Ergebnis orientiert, sondern an diesem totalen Offensivcharakter, der die Menschen Fußball genießen lässt.

Sie sind nach der WM 1978 von Rapid Wien zum FC Barcelona gewechselt, Cruyff war da schon weg. Hatten Sie überhaupt Kontakt zu ihm?

Ich war sein Nachfolger, zusammen gespielt haben wir also leider nicht mehr. Ich habe mich allerdings häufig mit Carlos Rochax unterhalten, der hatte lange Zeit mit Cruyff gemeinsam auf dem Rasen gestanden und war noch im Verein, als ich dort aufkreuzte. Zweimal hatte ich auch die Möglichkeit, mich mit Johan selbst über Fußball auszutauschen.

Worüber haben Sie gesprochen?

Wie gesagt: über Fußball. Darüber, wie er dieses Spiel begreift und versteht. Der Inhalt dieser Gespräche prägt mich bis heute, Cruyffs Aussagen über Offensivfußball waren teilweise sensationell. Ich habe später als Trainer versucht den Fußball spielen zu lassen, von dem Johan Cruyff mir erzählt hat.

Ist es Ihnen gelungen?

Nicht immer. Aber meine Vereine hießen Rapid Wien, Tirol Innsbruck oder LASK Linz. Und als Trainer musst du dich an dem Spielermaterial orientieren, dass du zur Verfügung hast. Cruyff, Rijkaard und auch Guardiola hatten und haben so eine sensationelle Auswahl an Fußballern, dass sich beispielsweise ein 4-3-3 auch so berauschend spielen lässt, wie es Barca in der Gegenwart tut.

Also haben Sie resigniert?

Das nicht. Ich habe dann einfach versucht auf ganz kleine und bescheidene Art und Weise diese Vorstellungen von Fußball in die Philosophie der jeweiligen Vereine zu impfen. Das ist mal gelungen, mal nicht.


weiterlesen [1] [2]





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Kommentare

  • User
  • 10.07.2010 15:57:35 AntiMöller

    Aktualisierung: Rossells erste Amtshandlung war, Cruyff die Ehrenpräsidentschaft zu entziehen. Jetzt wird darüber von den Mitgliedern abgestimmt werden.

  • User
  • 02.11.2010 20:15:01 Luis Enrique

    ohne cruijff wäre barça heute ganz gewiss nicht das, was es ist. das'ma fakt.

  • User
  • 03.11.2010 01:00:12 Rafael Thunderfart

    ohne cruijff wäre barça heute ganz gewiss nicht das, was es ist. das'ma fakt.

    Das seh` ich absolut genauso.

    Ohne das Kapitel "Cruyff bei Barca" wäre auch die spanische Nationalmannschaft nicht, was sie heute ist.

  • User
  • 03.11.2010 10:24:27 oranje49

    @ Rafael Thunderfart

    Du widersprichst dich ein bisschen. Alle Spanier sehen Ohne das Kapitel "Cruyff bei Barca" wäre auch die spanische Nationalmannschaft sehr ähnlich. Der ist ja zumidestens halb sakrosankt. Der Johan, zwar sehr eigensinnig z.B. mit der KNVB (–ein Einwurf für unseren Freund AntiMöller), hat immer einen überragend guten Spieleinsicht gehabt und so auch die Tradition, die daraus entstand.

  • User
  • 03.11.2010 12:00:10 AntiMöller

    Cruijff war eigentlich Deutscher und hiess Hans Kreuf. Ist dann verschleppt worden und konnte sich verständlicherweise "drüben" nicht outen. War mehrfacher Weltmeister im Skat und musste dann seinen Lieblingssport aufgeben. Hat sich dann eben ein Ventil im Fussball gesucht.

  • User
  • 19.03.2011 18:44:48 Rafael Thunderfart

    @ Oranje

    Der SPIEGEL-Artikel hat sich bei nochmaliger Lektüre als ziemlich hanebüchen erwiesen. Natürlich war Cruyff nicht über Nacht zu einem "ungeliebten Trainer" geworden. Vielleicht hat der anonyme Schreiberling die Gelegenheit benutzt, um eine persönliche Rechnung zu begleichen. Die hintergründige Malice ist typisch für die SPIEGEL-Berichterstattung; die Bedeutungs-Alchimie, mit deren Hilfe aus einem beispiellos erfolgreichen Mann wie Cruyff, kaum daß er einmal weniger erfolgreich ist, ein "ungeliebter Trainer" wird. Leute, die etwas besser können als andere und damit erfolgreich sind, mögen sie beim SPIEGEL nicht: So z.B. hat der SPIEGEL sich damals auf die Korruptionsaffären des Vaters von Steffi Graf gestürzt, um die Tennisspielerin als Vorbild und Identifikationsfigur zu demontieren. Ärmliche Zeilenschinder mit Germanistikstudium, die eine bedenkliche Tendenz zeigen, sich erfolgreichen Sportlern moralisch und intellektuell überlegen zu fühlen.

    Wahr ist nur soviel, daß sein Status als zweiter katalanischer Nationalheiliiger den Cruyff nicht davor schützt, zwischen die Fronten der großen Vereinspolitik zu geraten. Die Aberkennung des Ehrenpräsidenten-Titels durch Rosell war ein solcher Fall, desgleichen die eigenartigen Umstände, unter denen Cruyff 1996 sein Traineramt aufgeben mußte.

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