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10.03.2010

1998: Als der HSV die erste Arena baute

»Wir fingen einfach an«

Interview: Andreas Bock  Bild: Imago

Als erster Bundesligaverein begann der HSV 1998 mit dem Bau einer Multifunktionsarena. Andreas Heller war damals einer der Architekten. Wir sprachen mit ihm über Pionierarbeit, Betonästhetik und Smartiesbestuhlung.

1998: Als der HSV die erste Arena baute - »Wir fingen einfach an«


Andreas Heller, am 2. Juni 1998 um 10.30 Uhr rissen die Bagger den ersten Block des alten Volksparkstadions ein. Ein erhabener oder ein wehmütiger Moment?

Es fühlte sich an wie der Aufbruch in ein neues Zeitalter – als besteige man den Mount Everest ohne Atemgerät. Wir arbeiteten dabei unter massivem Zeitdruck und unter Beobachtung der ganzen Bundesliga. Der Stadionum- respektive -neubau fand ja bei laufendem Spielbetrieb statt. Sie müssen sich das mal vorstellen: Kurz vor Beginn der Saison wurde das Spielfeld um 90 Grad gedreht. Und die Finanzierung stand erst 53 Tage nach Baubeginn.



Nach einem ausgefeilten Konzept klingt das nicht.

Ich vergleiche den Neubau der HSV-Arena gerne mit einem privaten Hausbau: Der HSV und die Architekten fingen einfach mal an. Wir hatten uns vorher natürlich etliche Stadien angeschaut – etwa das Stade de France oder das San Siro – doch in Deutschland hatte es ein vergleichbares Projekt noch nicht gegeben. Wir leisteten Pionierarbeit, von daher machten wir viele Dinge, die wir heute nicht mehr so machen würden.

Zum Beispiel?

Im Herbst 1998 entschieden wir, eine sogenannte Smartiesbestuhlung vorzunehmen, also Sitzplätze in vielen bunten Farben einzubauen. In US-Footballstadien ist eine solche Bestuhlung üblich, denn im Fernsehen sieht sie trotz leerer Ränge so aus, als seien die Arenen gut gefüllt. Als die HSV-Fans die Sitze zum ersten Mal sahen, protestierten sie. Sie wollten ein schwarz-weiß-blaues Stadion, kein buntes Smartiesstadion. Die Stühle waren aber bereits verschraubt. So kam es, dass wir in einer Nacht- und Nebelaktion sämtliche Sitzplätze des Stadions wieder austauschten. Selbst Werner Hackmann schraubte mit und drückte Sitzplatznummern ein.

In welchen Charaktereigenschaften sollte sich die Arena vom alten Volksparkstadion grundlegend unterscheiden? 

Wir wollten Kommunikation bauen. Das heißt, wir wollten uns von der massiven Betonästhetik und von den endlosen Wegen und Fluren in den VIP-Räumen und Katakomben des alten Volksparkstadions verabschieden.

Das Volksparkstadion galt als eines der anonymsten Stadien Deutschlands.

Man muss sich mal vergegenwärtigen, dass in den erfolgreichsten HSV-Zeiten, also Anfang der achtziger Jahre, selten mehr als 30.000 Zuschauer ins Volksparkstadion kamen. Fußball als Sport war vielleicht attraktiv, das Stadion indes war es nicht.

Es war ausladend.

Definitiv. Ich bin der festen Überzeugung, dass ein Stadion, das grau, rau und abweisend wirkt, Menschen mit Hang zur Gewalt zusätzlich provoziert. Die Arena in Hamburg tut das Gegenteil. Sie lädt Menschen jeglicher Couleur ein, Teil ihrer Architektur zu werden.



Ergänzung zu 11 FREUNDE-Spezial: 90er

Das waren die Neunziger




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Kommentare

  • User
  • 11.03.2010 09:55:29 Karpfenluder

    Schade, nen bißchen kurz geraten das Interview, weil nämlich gut.

  • User
  • 11.03.2010 10:26:16 HSViking

    Das fällt mir in letzter Zeit öfter auf. Kurze Artikel mit schönen Ansätzen aber nicht bis zu Ende gebracht.
    Die Schreibkurse in der Volkshochschule sind noch nicht über die Lektion "Ein schöner Anfang packt den Leser" hinaus gekommen?
    MM

  • User
  • 11.03.2010 10:47:44 Karpfenluder

    Dafür lassen sie den Praktikanten F.-O. gefühlte 12 Seiten gedankenlos daher plappern aber wenn`s mal interessant wird, gibts ne kurze Gute - Nacht - Geschichte.

  • User
  • 11.03.2010 18:35:33 Marco Polo

    Freut mich mal zu lesen wie jemand eine Lanze für die neuen Stadien bricht. Ich muss ehrlich sagen, dass ich einige der neuen Stadien sehr gelungen finde (Allianz-Arena zB...wenn auch die Akkustik zu wünschen übrig lässt ist es von außen immer wieder eine Augenweide). Die Behauptung sie sähen alle gleich aus ist haltlos. Ich erkenne in aller Regel jedes Buli Stadion auf den ersten Blick wenn ich vorbeizappe.
    Und nicht vergessen...früher war eben nciht alles besser. Das Hamburgerstadion hat definitv zugelegt.

  • User
  • 11.03.2010 19:35:09 Yvy

    Pffft.... Allianz Arena....

  • User
  • 11.03.2010 20:13:10 Humphrey

    Die Allianz-Arena sieht schon gut aus, vor allem von innen.
    Die drei Ränge haben was.

    Leider kommen die FCB-Zuschauer dem nicht wirklich nach. Viel zu leise und mehr ein Theater- denn ein Fussballpublikum.

  • User
  • 11.03.2010 21:07:51 Hotte80

    Hach, das war einzigartig damals während des Umbaus. Dicht gedrängt auf der alten Nordtribüne, noch näher dran am Spielfeld als jetzt. Schön wars.

  • User
  • 12.03.2010 09:41:40 Ether

    Am besten gefällts mir eigentlich ohne Dach. Sieht aus wie ein Modell. Hat schon was, die neue Arena...

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