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10.05.2011

Ein Greis versöhnt Essen und Schalke

Dat is unsa Oppa!

Text: Ron Ulrich und Dirk Gieselmann  Bild: Jens Nieth

Schalke 04 und Rot-Weiss Essen sind verfeindet. Doch Fans beider Lager besingen den gleichen alten Mann. In Essen heißt er Oppa Luscheskowski, auf Schalke Oppa Pritschikowski. Wer sind seine wahren Enkel?

Ein Greis versöhnt Essen und Schalke - Dat is unsa Oppa!


Das Ruhrgebiet – das ist Maloche, Currywurst und wenig Platz. Fünf Millionen Menschen leben hier auf nur 4500 Quadratkilometern, in Städten, die zu einer einzigen Riesenstadt zusammengewachsen scheinen. Doch innerhalb seiner Grenzen gibt es etliche Demarkationslinien: Hinterm Gartenzaun ist Feindesland. Fußball ist Religion im Pott, und Religion führt zu Konflikten.



Die Rivalität zwischen Schalkern und Dortmundern gehört längst zur Bundesligafolklore. In Gelsenkirchen verscheucht man gern mal eine Biene vom Butterkuchen, weil sie ja schwarz-gelb ist. Aber zwischen diesen Städten liegen immerhin 40 Kilometer, genug Raum, um sich aus dem Wege zu gehen. Gelsenkirchen und Essen jedoch gehen direkt ineinander über – da kann man froh sein, wenn einen überhaupt noch ein Zaun vom verhassten Nachbarn trennt.

Die Stimmung an der A 40 war nicht immer feindselig. Im Gegenteil. Früher ging man samstags in die Schalker Glückauf-Kampfbahn und am Sonntag an die Hafenstraße zu Rot-Weiss, schiedlich-friedlich. Sogar eine Ikone teilte man sich: Der inzwischen wegen seiner nationalsozialistisch belasteten Vita in Misskredit geratene Fritz Szepan gründete in den dreißiger Jahren den Schalker Kreisel, 1955 führte er RWE als Trainer zur Deutschen Meisterschaft.

Doch 1971 zerriss das Band der Freundschaft, es war das Jahr des Bundesligaskandals. Spiele waren verschoben worden, auch Profis des FC Schalke gehörten zu den Tätern. Während ihr Verein aber im Oberhaus blieb, stiegen die unschuldigen Essener ab. Noch 40 Jahre danach halten sie die Tatsache, dass sie vier Ligen unter dem Erzrivalen spielen müssen, für eine historische Ungerechtigkeit.

Zerkratzter Lack in Essen

Der Schalker Klaus Fichtel wurde damals wegen Manipulation verurteilt. In den letzten Jahren arbeitete er als Scout für seinen alten Klub, auch auf den Tribünen an der Hafenstraße. Im Feindesland. »Das war für mich nie angenehm«, sagt er. »Als ich einmal das Stadion mit meinem Auto verließ, kamen RWE-Fans vorbei und zogen einen Schlüssel an der Wagentür entlang.« Essen gegen Schalke – für Liebhaber von Krawall und Remmidemmi das einzig wahre Revierderby. Die Sicherheitsexperten des DFB verfolgen jede Pokalauslosung mit Angstschweiß auf der Stirn – im Falle eines Aufeinandertreffens dürfte mehr zu Schaden kommen als nur Fichtels Lack.

Tatsächlich hat es ein offizielles Spiel seit der zweiten DFB-Pokalrunde 1992 (2:0 für Essen) nicht mehr gegeben. Der Hass schwelte, verwandelte sich und wurde in der Essener Viertliga-Tristesse zur Missgunst und in den Schalker VIP-Lounges zur Hybris. »Du hast dich verändert«, würden die Klubs wohl sagen, wenn sie ein im Schlechten getrenntes Liebespaar wären, das sich nach einer Ewigkeit wieder sieht.



Aus Heft#100 03/2010

Das Beste aus 100 Ausgaben!


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Kommentare

  • User
  • 26.02.2010 16:55:04 Diego K

    Wegen solchen Artikeln liebe ich euch 11Freunde. Das ist Fussballkultur nicht so ne Driss wie die Artikel über Wayne Rooney, Ronaldo, Messi.

    http://www.youtube.com/watch?v=kVdbdJ6_c8U&feature =related

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