Zum 10. Todestag von Stan Matthews
Was ist wahre Größe, Sir?
Text: Dominik Bardow Bild: Imago
Vor genau zehn Jahren starb Sir Stanley Matthews, einer der ganz Großen des Fußballs. Aber warum war er eigentlich ein Großer? Hand aufs Herz: Wer von uns hat ihn je spielen sehen? Eine Annäherung an eine Legende.
Was macht einen Großen wirklich zu einem Großen? Stanley Matthews, der heute genau vor zehn Jahren im Alter von 85 Jahren starb, war ein Großer. Das sagen Sie alle: Fans, Spieler, Trainer, Medien. Doch warum?
Die meisten von ihnen haben Matthews genauso wenig spielen sehen wie ich oder meine Eltern oder irgendjemand, den ich kenne. Klar, auch Pelé, Franz Beckenbauer oder Johan Cruyff habe ich nie zu ihrer aktiven Zeit spielen sehen. Trotzdem gehören Sie zum allgemeinen Fußballkulturgut, und wer eine Stunde auf You Tube verbringt, stimmt relativ schnell mit überein, dass sie wirklich außergewöhnliche Fußballer waren.
Doch mit »Sir Stan« ist es anders. Es gibt praktische keine bewegten Bilder aus seiner körperlich besten Zeit vor dem Krieg, und auch nach dem Krieg sind Spielszenen von ihm rar. Anders als heute, wo jeder Hackentrick im Mittelfeld von zig HD-Kameras eingefangen und dutzendmal wiederholt wird, ist bei den wenigen Bildern, die es von ihm gibt, die Qualität so schlecht, dass man sich keine richtige Vorstellung davon machen kann, wie gut er eigentlich war. Zudem ist er in den wenigen überlieferten Filmen bereits ein alter Mann – 41 war er, als sie ihn 1956 zum ersten Fußballer des Jahres Europas wählten.
Klar, auch Fritz Walter war beim WM-Titel 1954 schon 33, das meiste seiner großen Karriere ist für die Nachgeborenen kaum noch nachvollziehbar. Doch selbst Mitt- und Endzwanziger wie ich haben das 54er Finale schon dutzendmal gesehen, haben in Kaiserslautern in dem Stadion gestanden, das seinen Namen trägt und führen das Wort vom »Fritz-Walter-Wetter« wie selbstverständlich im Vokabular.





