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Flucht von polnischen Fußballern in den 80ern

Nichts außer einer Reisetasche

Text: Ron Ulrich  Bild: Imago

Anfang der achtziger Jahre war für Fußballer die Flucht aus Polen nach Deutschland mit einer Sperre von der FIFA verbunden. So entstanden die unterschiedlichsten Karriereverläufe und bemerkenswerte Geschichten.

Flucht von polnischen Fußballern in den 80ern - Nichts außer einer Reisetasche


30 Jahre haben sie sich nicht mehr gesehen. »Da erkennt man die meisten gar nicht mehr wieder«, erzählt Johan Wicislik. Doch bei diesem Klassentreffen der etwas anderen Art waren nicht die Liebe oder ein Studium der Grund dafür, dass sich alte Weggefährten aus den Augen verloren haben. Eine Grenze sorgte dafür, dass Menschen Freunde und Familien zurückließen.

Viele Polen kehrten ihrem Heimatland in den achtziger Jahren den Rücken, einige von ihnen nutzten ihr fußballerisches Talent und bauten so die Brücke hinaus aus einem Land, das sich im Kriegszustand befand. Aber mit der Flucht allein war die Freiheit noch nicht komplett erlangt. Fußball spielen durften die meisten erst einmal für mehrere Jahre nicht, da die FIFA eine Sperre gegen die geflohenen Kicker auf Drängen des polnischen Verbandes verhängte. So kam es, dass Johan Wycislik seine Teamkameraden aus seiner durchaus erfolgreichen Zeit in Polens höchster Spielklasse aus den Augen verlor.

Wenn sich also heute viermal im Jahr die polnischen Ex-Profis in Deutschland zu einer Art Alte Herren-Truppe versammeln, kommt es zum großen Wiedersehen. »Das ist schon eine tolle Geschichte«, freut sich Wycislik jedes Mal über das Treffen. Polens Olympiateilnehmer Siegfried Scholtysik steht dann als Trainer an der Linie, die Spieler (aus der Bundesliga noch in bester Erinnerung: Marek Lesniak oder Andrzej Buncol) spielen gegen junge Auswahlteams eher ihr »gutes Auge« als die Kondition aus. »Der Altersdurchschnitt liegt sicherlich bei 50 Jahren«, so Wycislik.

Nach der Flucht Meister in Australien

Dessen Geschichte, Polen zu verlassen, führte in den achtziger Jahren über Australien. In Melbourne schloss er sich Polonia Melbourne an, einer Mannschaft bestehend aus polnischen Auswanderern. Das Team existiert bis heute, doch echten Glanz versprühte es besonders zum Ende der achtziger Jahre. Dort startete Polonia in der ersten australischen Liga durch und wurde sensationell Meister. »Da kamen viele gute polnische Spieler aus ganz Europa zusammen, die Mannschaft war sehr stark«, erzählt Wycislik. Für ihn war es somit auch ein Leichtes, fern der Heimat Anschluss zu finden.

Und für die europäischen Top-Ligen brauchte man gute Kontakte und Mittelsmänner, um den großen Sprung zu wagen. Später gelang ihm dies, Wycisliki spielte beim FC Homburg in Deutschland. Den Abgang der Leistungsträger verkraftete auch Polonia Melbourne nicht, heute kickt man beim einstigen »El Dorado« der polnischen Auswanderer in der achten australischen Liga. Auch Wycislik blieb der ganze große Sprung verwehrt. Der Grund war wie bei so vielen die einjährige Sperre der FIFA. Wycislik: »Das hat mir sehr viel kaputt gemacht.« Krystian Walot, ebenfalls erfolgreicher Spieler aus Polen, kostete die Sperre ebenso eine vielversprechende Karriere. Angebote hatten er zuhauf, unter anderem aus Metz in Frankreich. Heute arbeitet Walot als Lagerist in Herne. »Krystian war ein sehr guter Spieler«, erinnert sich der ehemalige Bundesligaakteur Roman Geschlecht.


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