Die Geschichte der Fußballfans

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26.12.2011

Stermann und Grissemann über Fußball

»Da geh i nimmer hin«

Interview: Dirk Gieselmann und Andreas Bock  Bild: Imago

Die Komiker Dirk Stermann und Christoph Grissemann sind das Cordoba des Humors: Der eine Deutsche und Fußballfan, der andere Österreicher und Fußballverächter. Ein Gespräch über Operettenligen, Pacult und Happel.

Stermann und Grissemann über Fußball - »Da geh i nimmer hin«


Herr Stermann, Herr Grissemann, es ist unumgänglich: Wir müssen uns über Cordoba unterhalten.

Stermann: Wir müssen nicht. Wir können auch schweigen (schweigt).

Lassen Sie es uns geschichtswissenschaftlich aufziehen. Das 3:2 bei der WM 1978 war der erste Sieg der Österreicher gegen Deutschland nach dem so genannten »Anschlussspiel« 1938. War Hitler Fußballfan?

Stermann: Ich denke nicht. Er war Vegetarier, auch was den Sport anbelangt.  

Für wen wäre er in diesem Spiel gewesen, wenn es ihn interessiert hätte?

Stermann: Er hat, obwohl er Österreicher war, Österreich gehasst. Außer dort, wo es deutschnational war. Da fällt mir ein: Ein rechtsradikaler österreichischer Politiker hat mir einmal in einem Wiener Lokal zugerufen: »Adolf Hitler war Rapidler!« Also ein Anhänger von Rapid Wien. Schlimme Beleidigung. Für den Verein, meine ich.  

Zurück zu Cordoba. Diese Stadt scheint, obwohl sie in Argentinien liegt, mittlerweile der wichtigste Ort deutsch-österreichischer Geschichte zu sein.

Stermann: Vergessen Sie nicht Königsgrätz, wo die Preußen 1866 die Österreicher schlugen. Cordoba war also nur eine Art  Revanche.  

Haben Sie in Cordoba schon mal gemeinsam Urlaub gemacht?

Stermann: Nein, vor allem weil es dort total hässlich sein soll. Beide Mannschaften waren froh, als sie wieder abreisen durften. Sie sind sogar gemeinsam geflogen. Die Stimmung bei den Österreichern war jedoch deutlich besser, denke ich.   

Obwohl der Sieg auch ihnen nichts gebracht hatte. Sie waren schon vorher ausgeschieden.

Grissemann: (erschöpft) Ach, mein Gott. Mir war das vollkommen egal. Das Ausscheiden und der Sieg an sich. Alles eigentlich. Ich habe mich immer mehr für Tennis interessiert als für Fußball. Über Tennis könnten wir jetzt reden.  

Über Thomas Muster?

Grissemann: Gern auch über Horst Skoff. Der ist, wie Gerüchte besagen, im Zuge bizarrer Sex-Praktiken ums Leben gekommen. Betäubungsmittel sollen da im Spiel gewesen sein. Aber das habe ich bloß gehört und erzähle das hier leichtfertig nach.  

Ein David-Carradine-Tod.

Grissemann: Nicht ganz. Carradine hat sich strangulieren lassen, wenn ich mich nicht irre. Ein bisschen zu lange, dann war er tot. Ach, Kwai Chang Caine! Ich kenne mich aber auch damit nicht aus, selbst wenn ich so aussehe (deutet auf das Frauenkleid, das er für den bevorstehenden Auftritt trägt).

Herr Grissemann, Sie lenken ab. Nervt Sie das Thema Cordoba etwa?  

Grissemann: Ja. Schon insofern, als es ja ein integraler Bestandteil unserer Show ist. Wir haben diesen Film gemacht, in dem wir das Originalspiel als Nazis noch einmal kommentieren. (denkt nach, dann schlaff) Es geht mir wirklich wahnsinnig auf die Nerven.

Stermann: Ich schließe mich an. Dieser Film ist für uns, was »Last Christmas« für die Gruppe WHAM ist.



Dann muss die EM 2008 ja die Hölle für Sie gewesen sein. Rund um das Gruppenspiel Österreich-Deutschland gab es einen neuerlichen Cordoba-Hype. Ein Fast-Food-Riese verkaufte sogar einen »MacCordoba«.


Stermann: Entsetzlich! Nicht mal Hans Krankl wollte noch drüber reden. Selbst ich als Deutscher hätte mir gewünscht, dass Österreich gewinnt, damit man Cordoba durch Wien ersetzen kann.  

Die Fusion, die Sie in besagtem Film thematisieren, hat es während der WM 1982 in ähnlicher Weise gegeben: beim Nichtangriffspakt von Gijon. Die Mannschaften hatten sich zu einem 1:0 verabredet, das ihnen zum Weiterkommen reichte.


Stermann: Schade, dass Japan und Italien nicht auch mitgespielt haben! Selten waren Deutschland und Österreich sich so einig.  

Ernst Happel wandelte zwischen Deutschland und Österreich, wird hier wie da immer noch verehrt. Warum war der eigentlich immer so schlecht gelaunt?

Grissemann: (angewidert) Er war Wiener! Ein typischer Wiener. Für ihn als Trainer hatte das einen Vorteil: Die Spieler hatten Angst vor ihm, diesem unheimlichen Mann. Spieler brauchen Trainer, die so aussehen. Oder gibt es auch Trainer, die lustig aussehen? Wie Dirk Bach, zum Beispiel?   

Horst Ehrmantraut. Aber den kennen Sie sicherlich nicht.

Grissemann: Nein, aber das macht mir auch nichts aus.  

Die Frage wäre, ob Happel heute noch Erfolg hätte. Der Trend geht zum Dressman an der Seitenlinie.

Stermann: Sie meinen Labbadia, der aussieht wie ein Kellner in einem italienischen Edelrestaurant. Aber ein Gegenbeispiel fällt mir mindestens ein: Peter Pacult, Happels Nachnachnachnachnachfolger bei Rapid Wien. Er gab neulich so ein Anti-Interview: »So viel Blödheit, wie Sie da erzählen, ist schon einmal grenzenswert!«, sagte er. Jetzt nennen sie ihn »Happelchen«.  

Grissemann: (plötzlich interessiert) Wer ist denn in Ihren Augen der beste Österreichische Fußballer derzeit?  

Andreas Ivanschitz. Und Paul Scharner vielleicht.

Grissemann: Und was ist mit Toni Polster?  

Seine Musikkarriere hat seinem Anssehen eher geschadet.

Stermann: (mitleidig) Die hätte er sich sparen können. Aber ich erinnere mich, dass er ein guter Fußballer war. Mit ein paar Freunden bin ich mal ins Stadion gegangen, wir hatte Leuchthüte mit je einem Buchstaben auf, und zusammen ergab das: »Toni Polster Fußballgott«.   

Sie haben aber einen großen Freundeskreis!


Stermann: Jetzt, wo Sie’s sagen...   

Können Sie über Fußballer auch lachen?

Stermann: (ernst) Das ist nicht unsere Aufgabe.  

Grissemann: Im Spiel der Österreicher gegen Spanien sagte Peter Schöttl beim Halbzeitstand von 0:5: »Hoch werden wir es nicht mehr gewinnen.« Es ging 0:9 aus. War schon witzig.  

Stermann: Das stimmt. Aber man sollte nicht ins Stadion gehen, um zu lachen.


weiterlesen [1] [2] [3]





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Kommentare

  • User
  • 26.01.2010 20:41:32 justsix

    http://www.youtube.com/watch?v=lXicnEYDZsY

    peffer wars... aber eigentlich egal, selbe position und selbe spielweise.

    Hier übrigens das Pacult-Interview

    http://www.youtube.com/watch?v=RJz_Ofrddhc

  • User
  • 27.01.2010 00:52:17 raoul_duke

    Großartig! Danke liebe 11Freunde-Redaktion.
    Lange überfälliges Interview...bin großer Fan der Herren Stermann und Grissemann.
    Tip für den nächsten Videoabend: "Immer nie am Meer". Stermann, Grissemann und Der Strunk Heinzer in Hochform.

  • User
  • 27.01.2010 10:10:10 ColePorter

    Der Film kann was, keine Frage. Aber nur nicht mit falschen Erwartungen an den Film gehen! Schwerer Fehler. Es ist kein Schenkelklopferfilm.

  • User
  • 27.01.2010 10:16:10 Manni_Hrubesch

    Mein erstes Posting und gleich klugsch.... - naja ;-)
    Aber das sog. Anschlussspiel fand am 03. April 1938 statt - Endstand 2:0 für Österreich - Tore: Sindelar und Sesta...

  • User
  • 27.01.2010 10:18:55 ColePorter

    1931 hätt auch historisch gesehen recht wenig Sinn ergeben.

    Manni, gewöhn dich dran. Die Recherche von 11Freunde ist gerne mal unter aller Sau.

  • User
  • 27.01.2010 10:55:51 Süüdkurvä

    Endstand 2:0 für Österreich - ooch, nichmal ein anschlusstreffer für deutschland? ;-)

  • User
  • 27.01.2010 10:57:17 ColePorter

    Österreich war 1938 quasi Deutschland, du Nase. ;)

  • User
  • 27.01.2010 11:04:01 Söderdaddy

    ...Gelaaaati, Gelaaaati!

  • User
  • 27.01.2010 11:08:15 CoachD

    Grissemann und Stehrmann sind eindeitig zwei Gute. Aber das Interview. Naja... Wir unterhalten uns mit einem Österreicher: Themen -Cordoba- Happel- Hitler...Toll. Hätte eigentlich noch Schwarzenegger gefehlt.
    Seis drum. Fürs Lesen im Internet zahl ich ja nichts....Beim Magazin hätte es mich sehr genervt...Liegt vermutlich aber auch an den Interviewten.

  • User
  • 27.01.2010 11:10:56 Süüdkurvä

    hmmm... gab's auch mal ein 'achsen-spiel'?

  • User
  • 27.01.2010 12:43:57 L3v3l0rd

    Themen Cordoba - Happel
    Ääh, Fußballforum?

  • User
  • 27.01.2010 13:06:12 24THINK

    ja, stimmt.
    grissemann und gieselmann.
    verwirrend.

  • User
  • 27.01.2010 13:33:06 ColePorter

    Für so ein kleines Hirn ist das scheinbar eine zu große Herausforderung.

  • User
  • 27.01.2010 13:40:25 24THINK

    na, na, wer will denn da wieder einen auf beleidigen machen wegen eines zugegebenen! tippfehlers.

    das ist ja jetzt gar nicht kleinlich und kluggeschi**en.

    tut es denn noch immer so doll weh?

    little sister, don`t shed no tears...

  • User
  • 27.01.2010 13:47:27 Süüdkurvä

    noch zu hape: "22 uhr ist zapfenschluss"... köstlich!

  • User
  • 27.01.2010 13:49:23 CoachD

    Gott hat das Internet zum unreflektierten Klugscheissen erfunden. Leben wir also damit. Prost.

  • User
  • 27.01.2010 14:51:10 Süüdkurvä

    der schöne satz über das fernsehen gilt vermutlich auch fürs netz: die klugen macht es klüger und die dummen dümmer...

  • User
  • 27.01.2010 15:16:33 24THINK

    da kann man nur beipflichten.
    mancher schreibt ja sogar seinen nick falsch. ^^

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