Rolf Töpperwien im Interview
»Grenzen gibt es nicht!«
Text: Johannes Ehrmann und Alex Raack Bild: Imago
Lange war er das, jetzt geht er einfach: Rolf Töpperwien verlässt die Bühne der Fieldreportage. Und sagt ganz laut Servus. Wir sprachen einst mit dem Reporter-Dino über Rasensprints in München und den alten Kumpel Rehhagel.
Rolf Töpperwien, wissen Sie noch, bei wie vielen Spielen Sie in Ihrer Karriere als Reporter anwesend waren?
1410.
Das ist Rekord, vor Thomas Wark. Der hat...
...597. Ich zähle ja nicht nur bei mir mit, sondern bei allen. Ich kann jedem sagen, wie viele Spiele er hat.
Sie zählen mit?
Jawohl, Strichliste per Hand. Das fing damit an, dass der inzwischen verstorbene Kollege Harald Clausen zu Beginn meiner Karriere in den Siebzigern immer monierte, er würde zu wenige Spiele abbekommen. Bis ich anfing mitzuzählen. Clausen hat sich danach nicht mehr beschwert.
Wissen Sie noch, wann Sie über Ihr erstes Spiel berichtet...
(unterbricht sofort) 23. August 1974. Wuppertaler SV gegen MSV Duisburg. 1:4.
Ihr Detailwissen beeindruckt.
Das brauche ich auch. In der gesamten ZDF-Redaktion bin ich der Einzige, der keinen Computer und keine E-Mails kennt. Ich habe alles im Kopf.
Ein Gerücht besagt, dass Sie die klassische Feld-Reportage beim Fußball eingeführt haben...
Der Deutsche Fußball-Bund hat zu meinem damaligen Chef Hans-Joachim Friedrichs gesagt: »Was haben Sie da für einen Wahnsinnigen, der unsere Spieler bei Schlusspfiff am Spielfeldrand überfällt.« Friedrichs hat geantwortet: »Töpperwien ist mein Terrier, der buddelt so lange, bis er etwas findet.« Ich wollte die Leute vor dem Fernseher eben wach halten. Dabei habe ich mich bei einem meiner ersten Interviews ordentlich blamiert.
Bei welchem Spiel war das?
Kaiserslautern gegen Hertha. 1:0 für den FCK durch ein Eigentor von Uwe Kliemann. Ihr kennt den Namen Kliemann? Der Funkturm?
Leider nicht.
Uwe Kliemann, fast zwei Meter groß, solche Locken. Der Funkturm aus Berlin. Einer der fünf bekanntesten Spieler, die je bei der Hertha waren. Den muss man doch bei 11FREUNDE kennen!
(...)
Ich stand jedenfalls nach dem Spiel vor diesem Hünen und fragte: »Herr Kliemann, wie fühlt man sich, wenn man das einzige Tor im Spiel geschossen hat und dann noch gegen die eigene Mannschaft?« Er hat mich von oben angeguckt und gesagt: »Saublöde Frage! Beschissen, wie denn sonst?« Da ist mir keine zweite Frage mehr eingefallen. (lacht)
Vor einigen Wochen haben Sie sogar freiwillig auf Fragen verzichtet, als Sie nach dem Spiel gegen die Bayern ein Interview mit Freiburgs Trainer Robin Dutt abgebrochen haben...
...und Robin Dutt mir damit eines der größten Geschenke meiner Laufbahn gemacht hat. In 36 Jahren ist es noch nicht passiert, dass ich ein Interview vorzeitig beende. Als ich mit dieser Geschichte kurz darauf auch noch im »Streiflicht« auf Seite Eins der »Süddeutschen Zeitung« auftauchte, rief mich meine Schwester an und sagte: »Jetzt musst Du aufhören!«
Ergänzung zu Heft#97 12/2009
Gelbfieber – 100 Jahre Borussia Dortmund






