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Edmund Conen zum 95.

Der ängstliche Riese

Text: Fabian Friedmann  Bild: Imago

Heute wäre er 95 Jahre alt geworden: Edmund Conen. In den 30er Jahre bahnte sich seine Weltkarriere an, doch eine mysteriöse Krankheit warf ihn aus der Bahn. Conen kam zurück – sein größter Sieg. Wir blicken zurück.

Edmund Conen zum 95. - Der ängstliche Riese


Am 14. Januar 1934 gab ein 19-Jähriger unter Reichstrainer Otto Nerz vor 38.000 Zuschauern in Frankfurt am Main sein Debüt gegen Ungarn. Es war das 99. offizielle Match einer DFB-Elf. Der Stürmer traf akrobatisch per Flugkopfball in der 80. Minute zum Endstand von 3:1. Des Trainers trotziger, erster Kommentar zu seinem Debütanten: »Sie haben heute zweimal in der Nationalmannschaft gespielt, zum ersten und zum letzten Mal.« Doch zwangsläufig musste Otto Nerz Wortbruch begehen. Der junge Edmund Conen durfte mit zur WM 1934 nach Italien fahren. Er sollte seinen Trainer und eine ganze Fußballnation begeistern.

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Geboren wurde Edmund Conen am 10. November 1914 im rheinland-pfälzischen Ürzig. Das 1000-Seelen-Örtchen liegt umgeben von Weinbergen an der großen Moselschleife. Conen stammte aus einer Schneider-Familie. Seine vier Brüder und ein Schwager gründeten einst den SV Ürzig, dem er zunächst angehörte, ehe er sich in der Gymnasialzeit dem FV Saarbrücken anschloss.

Für Furore sorgte der Mittelstürmer erstmals 1931 im Saarbrücker Stadion am Kieselhumes, als er in einem Einlagespiel vor einem Regionalvergleich der Auswahlteams aus West- und Süddeutschland den 10.000 Zuschauern sein Talent darbot. Geschmeidig und hoch aufgeschossen wie ein Windhund, dabei schnell und durchschlagskräftig, tanzte Conen durch die gegnerischen Abwehrreihen. Das Publikum dankte es ihm mit Begeisterungstürmen. Einige Besucher sollen beim anschließen Kick der Hauptakteure sogar sehnsuchtsvoll an den Jungspund gedacht und dabei geseufzt haben: »Da sollten sie mal den kleinen Dingsda aus der Jugend hinstellen.«

Nerz schickte ihn zurück nach Saarbrücken

Der kleine Dingsda oder »Rolly «, wie ihn seine Kollegen nach der Mittelstürmergestalt eines damals populären Romans nannten, sollte schon bald ein unverzichtbarer Teil der deutschen Nationalelf werden. Die Späher von Otto Nerz hatten den Mittelstürmer schnell auf ihrem Zettel. Und so kam es im Vorfeld der WM zu besagtem Einsatz gegen Ungarn in Frankfurt am Main und zur gleichgültigen Bemerkung des Reichstrainers Nerz, obwohl Conen die Zuschauer erneut verzücken konnte. Doch Nerz sah in einem »idealen Mittelstürmer«, einen gewichtigen Brecher und weniger einen eleganten Riesen. Der Pfälzer wurde zunächst als untauglich eingestuft und von Nerz zurück nach Saarbrücken geschickt.

Aufgrund vieler verletzungsbedingter Absagen und dem Ausschluss von Richard Hofmann durch den DFB wegen Verstoßes gegen die Amateurstatuten sah sich Nerz drei Monate später in einer Zwickmühle. Er brauchte noch einen Mittelstürmer nachdem drei Offensivkräfte mit Lachner, Albrecht und Rohr für die WM ausfielen. So kam er um Conen gar nicht herum, und der 19-Jährige reiste als designierter Reservist mit nach Italien. Was folgte, war der kometenhafte Aufstieg des jungen Stürmers aus Ürzig. Gleich im Eröffnungsspiel gegen Belgien stellte Nerz neben den routinierten Läufern Ernst Lehner von Schwaben Augsburg und dem Düsseldorfer Stanislaus Kobierski jenen Edmund »Rolly« Conen auf die Mittelstürmerposition.

Es wurde ein Spiel, das nachhaltig in die Geschichte eingehen sollte. Nach der Führung von Kobierski nutzten die Belgier eine kurze Schwächephase der Deutschen und man ging mit 1:2 in die Kabine. Dort soll der selbstbewusste Conen dem genervten wie autoritären Coach gesagt haben: »Lassen sie mich mal auf eigene Faust spielen.« Conen gab später folgende Erinnerung an das Geschehen zu Protokoll: »Nerz sagte: Mach was Du willst – und ich legte los.« Und wie er das tat.

Der Waldhöfer Otto Siffling erzielte kurz nach dem Seitenwechsel den 2:2 Ausgleich, was danach folgte, war die Ein-Mann-Show des Edmund Conen. Der Jungspund schaffte im ersten WM-Spiel der deutschen Fußballgeschichte überhaupt, das, was die Engländer einen lupenreinen Hattrick nennen. Drei Tore in einer Halbzeit zwischen der 66. und der 85. Minute. Mit 19 Jahren machte er sich in 19 Minuten unsterblich. Es sollte 68 Jahre dauern, ehe ein gewisser Miroslav Klose dieses Kunststück im Nationaldress wiederholen sollte.


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Kommentare

  • User
  • 10.11.2009 21:41:35 zeco

    Hi!
    Ich glaub Fabian hat sich da ein wenig vertan... der Saarbrücker Ludwigspark wurde erst 1953 erbaut. Ich denke er meint das Stadion am Kieselhumes, welches damals vom FV Saarbrücken genutzt wurde.

  • User
  • 10.11.2009 22:42:19 Fabian Friedmann

    Fehler eingeschlichen und ausgebessert. Danke für den Hinweis, zeco!

  • User
  • 11.11.2009 15:29:21 Wer

    Ob dieser Sieg die schmerzliche Niederlage von 1934 für Conen gelindert hätte, werden wir nie erfahren.
    Außer Frage steht zumindest ein Fakt: Edmund Conen bleibt einer der größten deutschen Stürmer aller Zeiten, trotz des Makels, nie einen Titel gewonnen zu haben.
    Und wäre das jetzt ein grund sich zu wüpnschen, man hätte 34 die WM gewonnen? Na, Prost Mahlzeit ...
    Ich tu mich ohnehin sehr schwer, in diesem Zeitraum über Fußball zu reden.

  • User
  • 11.11.2009 19:04:56 Herr Strauch

    Zunächst einmal ist es schön, dass hier an den Geburtstag von Edmund Conen erinnert wird. Danke, Fabian!

    Zum vermeintlichen Fehler: Der Kieselhumes wurde im August 1931 eröffnet. Zu dieser Zeit gab es längst ein Stadion im Ludwigspark, seit 1919, um genau zu sein. Es war allerdings - verglichen mit dem heutigen, tatsächlich in den frühen 50ern erbauten Park - ein besserer Sportplatz. Regionalvergleiche gab es in den frühen 30er Jahren an beiden Spielorten.

    Noch eine kleine Anmerkung zum FC Mülhausen: Es ist historisch etwas schräg, Conens Gastspiel dort mit einer Kriegsgefangenschaft in Verbindung zu bringen. Soweit ich weiß, war Conen 1943/44 in Mülhausen aktiv und damit der Starspieler eines von den Nazis eingedeutschten Clubs. Mit diesem verlor er übrigens 1943 auf dem Kieselhumes gegen seinen alten Verein, den FV Saarbrücken, mit 0:5.

  • User
  • 12.11.2009 22:50:20 seffe

  • User
  • 12.11.2009 22:57:10 seffe

    Jungs, jungs, jetzt muß ich hier bei euch schon wieder "im Degerloch" lesen. Das kann doch nicht so schwer sein, oder doch?

    Schade, schmälert den ansonsten recht lesenswerten Artikel.

    Dann seid doch bitte so konsequent und schreibt künftig bei Heimspielen diverser Bundeligisten von Spielen in der Hamburg, im Mönchengladbach oder gar - mein Favorit - im Dortmund.

  • User
  • 23.11.2009 00:23:52 seffe

    Ich sehe, ihr habt es korrigiert. Sehr gut.

  • User
  • 30.11.2009 14:33:10 Catilina

    Ich tu mich ohnehin sehr schwer, in diesem Zeitraum über Fußball zu reden.

    Das wirkt aber nicht sehr glaubwürdig, wenn man ein hitleresques Oberscheusal wie Saloth Sar (aka Pol Pot) zu seinem Namenspatron erwählt.

  • User
  • 01.12.2009 05:24:30 saloth sar

    aehm, warum bringst du mich hier ins spiel? zufaellig beim googeln draufgestossen?

    p.s.: dein link ist ziemlich schlecht, da gibt's einige bessere seiten im netz. vorallem genauer und weniger polemik. aber bei deinem anfang war ja nix anderes zu erwarten.

  • User
  • 01.12.2009 13:26:36 Catilina

    zufaellig beim googeln draufgestossen?

    Nein, ich beschäftige mich beruflich damit.

    aber bei deinem anfang war ja nix anderes zu erwarten.

    Das verstehe, wer will. An den Roten Khmer gibt`s nun wirklich nichts zu beschönigen.

  • User
  • 01.12.2009 13:31:15 saloth sar

    naja, wenn du dich beruflich damit beschaeftigst, dann hast du trotzdem noch einen sehr schlechten link gewaehlt. und ich rede in keinsterweise von beschoenigen, aber, um noch mal auf deinen link zurueckzukommen, dinge richtig darzustellen

  • User
  • 01.12.2009 13:32:14 saloth sar

    und warum hier im fred? da hatte ich mich gar nicht zu wortgemeldet

  • User
  • 01.12.2009 13:51:36 Catilina

    und warum hier im fred? da hatte ich mich gar nicht zu wortgemeldet

    Uups...stammt der in meinem ersten Post zitierte Satz nicht aus deiner Feder ? :-


    Der verlinkte Text bringt prägnant auf den Punkt, worum es mir geht: Ich finde eben, daß "Saloth Sar" ein makabrer Spitzname ist.

    Im übrigen ist mir vollkommen klar, daß die Herrschaft der Khmer Rouge unter die Kollateralschäden der amerikanischen Indochinapolitik rechnet...und daß es die Streitkräfte eines anderen kommunistischen Landes, nämlich Vietnams, waren, die diesem Spuk ein Ende gesetzt haben.

  • User
  • 01.12.2009 13:55:17 saloth sar

    Im übrigen ist mir vollkommen klar, daß die Herrschaft der Khmer Rouge unter die Kollateralschäden der amerikanischen Indochinapolitik rechnet...

    das ist auch viel zu einfach ausgedrueckt, aber wird hier nicht diskutiert, sonst gibt's wieder aerger mit der forumsgemeinde. aber gerne in pns.

    p.s.: auch hitleresques oberscheussal trifft es meiner meinung nicht auf den punkt

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