Der Sonderheft-Teamcheck
Michael Ballack zum HSV
Text: Andreas Bock Bild: Imago
Unser Sonderheft gehört zur Saisonvorbereitung wie der Dorsch an Horst Hrubeschs Haken. Apropos Hamburg: Hier ist das Kapitel über die Norddeutschesten der Liga – als Vorgeschmack. Den Rest gibt's am Kiosk!
Gestatten, HSV!
Am 25. Mai 1983, an dem Tag als der HSV mit dem Gewinn des Landesmeisterpokals den größten Triumph seiner Geschichte feierte, gab es Oberlippenbärte, Nackenmatten und Schienbeine ohne Schienbeinschoner. Jerome Boateng und Dennis Aogo gab es noch nicht. Doch jedes Mal, wenn sie vor wichtigen Spielen ins Volksparkstadion einlaufen, scheint sich dieses Datum über sie zu legen wie ein bleierner Teppich. So auch letzte Saison: Wieder einmal war die Mannschaft eifrig dabei, sich von den Fesseln der Vergangenheit zu befreien, lange Zeit umwehte den Volkspark der Geruch von Aufbruch. Doch dann kamen Werder, eine Papierkugel und Hiobsbotschaften en gros. Zunächst verabschiedete sich Martin Jol nonchalant nach Amsterdam, dann rauschte Dietmar Beiersdorfer beleidigt ab und zuletzt stellte der Stadionsponsor, die HSH-Nordbank, fest, dass eigentlich gar kein Geld mehr da ist. Es blieb der Mann, den sie in der Nordkurve abfällig den »Imperator« nennen: Bernd Hoffmann. Der muss nun dafür sorgen, dass sich die zerstrittenen Gremien wieder mit leuchtenden Augen an den Händen fassen. Das wird schwierig. Doch wie heißt es auf den T-Shirts von einfühlsamen Philosophie-Studenten stets: »Man muss noch Chaos in sich haben, um einen tanzenden Stern gebären zu können.« Ganz vielleicht heißt dieser Stern Zé Roberto.
Die erstaunliche Zahl
15 Minuten diskutierten angeblich Ende Juni »zwei prominente Spielerberater und ein Anwalt über einen Ballack-Transfer zum HSV«. Das schrieb jedenfalls der Twitter-User @sachark, eigentlich Pressesprecher der Online-Lernplattform »scoyo«, auf seiner Seite. Der Anwalt und der Berater hätten angeblich an seinem Nebentisch im ICE gesessen. Wo Ballacks Manager Michael Beckerviel lieber Auto fährt. Verschiedene Hamburger Medien griffen das Gerücht dennoch auf, weil Twitter inzwischen ja viel seriöser ist als die »DPA«. Und grüßten damit herzlich aus dem Sommerloch.
Das prophezeit der Lokaljournalist
»Vor jeder Saison glauben die Hamburger mit dem »Traumschiff« loszusegeln und dabei an den schönsten Häfen anzulegen. Wenn sie am Ende im Nirgendwo stranden, ist die Enttäuschung groß. So war es auch in der letzten Saison, als drei Titel zum Greifen nahe waren und man mit sehr viel Glück den fünften Platz belegte. Nun steht der HSV wieder einmal vor einem Umbruch und vor noch mehr Fragezeichen. Eines indes ist klar: Bernd Hoffmann wird man auf die Finger schauen wie keinem anderen. Zumindest hat sich der HSV einen kompetenten Trainer geholt – ich mag den Labbadia, denn er durchdenkt seine Trainer-Karriere wohl. Er hat in der Oberliga begonnen und sich langsam an die Bundesliga herangepirscht. Im Gegensatz zu Jol, der als alter Hase zum egoistischen Denken neigte, ist Labbadia jemand, der sich noch beweisen und eine Handschrift hinterlassen will. Ich bin mir ziemlich sicher: Das wird er auch tun.« Alexander Laux (Hamburger Abendblatt)
So wollen sie spielen
Bruno Labbadia liebt es offensiv. Das 4-1-3-2-System, das er in Leverkusen spielen ließ, würde sich auch in Hamburg anbieten, wenngleich sich hier die Mittelfeldraute etabliert hat. So würden auf der Sechserposition David Jarolim oder Zé Roberto spielen, auch der Brasilianer Alex Silva wäre denkbar. Auf den Außen kämen, je nach Ausrichtung, Marcell Jansen, Jonathan Pitroipa oder Zé Roberto zum Einsatz. Piotr Trochowski würde bestenfalls nicht auf der 10er-Position, sondern auf einer Halbposition hinter den Spitzen agieren. Veränderungen wird es auch in der Abwehr geben. Gut möglich, dass Jerome Boateng der neue Partner von Joris Mathijsen wird. Unter Martin Jol wurde er zumeist auf den Außenbahnen eingesetzt, doch bei der U 21-EM in Schweden bekam Boateng in der Innenverteidigung überragende Kritiken. Beim 2:0-Sieg gegen Finnland gewann er 100 Prozent seiner Zweikämpfe.
Aus Heft #93 Sonderheft 2009/10
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