Der Sonderheft-Teamcheck
Fährt Wiese zur WM?
Text: Dirk Gieselmann Bild: Imago
Unser Sonderheft – unerlässliche Fibel für alle, die auch nur im Entferntesten am Fußball interssiert sind. Als Beweis gibt es hier das Kapitel über Werder Bremen zu lesen. Aber nur, wenn Ihr danach auch das Heft kauft! Versprochen?
Gestatten, Werder!
Seit Boris Becker 1999 seine Tennis-Karriere beendet hat, suchen Deutschlands Sportinteressierte einen neuen tragischen Helden. Aufstieg und Fall sollen bei ihm, wie man es von »Bobbele« kennt, möglichst in ein und derselben Minute stattfinden. Es ist kein Einzelsportler, der nun in dieses Vakuum drängt – es ist eine ganze Fußballmannschaft: Werder Bremen. Schon vor zwei Jahrzehnten zeigte der Verein seinen Hang zu drastischen Formschwankungen innerhalb kurzer Zeitspannen, sogar einzelner Partien. Diese als »Wunder von der Weser« Legende gewordenen Thriller sind in den Charakter des SVW eingewachsen, das zeigte sich zuletzt mehr denn je. Der sinusartige Saisonverlauf zwischen Pokaltriumph und Ligatristesse lässt mit Blick auf die kommende Saison vieles, ja alles erhoffen: Haushohe Siege sind denkbar, aber auch vernichtende Niederlagen. Bumm-Bumm-Bremen ist zurück.
Die erstaunliche Zahl
Für 4510 Euro hat ein Werder-Fan die ominöse Papierkugel ersteigert, die im UEFA-Cup-Halbfinale gegen den HSV den Ball zur siegbringenden Ecke abfälschte. Diego ist also soviel wert wie 5543 Portionen gepressten Zellstoffs. Gar nicht mal soviel.
Das prophezeit der Lokaljournalist
»Werders Manager Klaus Allofs ist dafür bekannt, dass er unterschätzte Spieler von den Ersatzbänken Europas holt – Johan Micoud aus Parma, Diego aus Porto, Mesut Özil aus Schalke. Dieses Näschen hat er natürlich immer noch, aber die Preisspirale hat so dramatisch angezogen, dass selbst Transfers unterhalb des Radars der Topklubs für Werder kaum noch zu stemmen sind. Hinzu kommt die Mentalität der Hanseaten: Sie werden nie mit Geld um sich schmeißen. Sogar die acht Millionen für Marko Marin, im internationalen Vergleich eine eher bescheidene Summe, dürfte den Verantwortlichen einiges Kopfzerbrechen bereitet haben. Die Sparsamkeit hat Konsequenzen: Der Kader ist in der Breite zu schwach. Um eines Tages wieder in das Rennen um die Deutsche Meisterschaft eingreifen zu können, braucht das Werder-Management beides: Gespür und die Bereitschaft, ins Risiko zu gehen.« Björn Knips (Syker Kreiszeitung)
So wollen sie spielen
Er ist weg, und wir sind wieder allein, allein. Doch so verblüffend es klingt: Ohne Diego wird Werder vielleicht sogar attraktiver spielen. Denn bei aller Klasse neigte der Brasilianer doch auch zur Ballverliebtheit und Verschleppung. Anders sein Nachfolger Mesut Özil: Er spielt direkter und vertikaler – früher hätte man gesagt: »Der Junge hat Zug zum Tor.« Bei der U21-EM bewies er, dass er durch solch steile Aktionen Partien entscheiden kann. Mit dem von Gladbach gekommenen Marko Marin wird Özil einen technisch ebenso beschlagenen Partner auf dem Flügel finden. Doch wer hält den beiden den Rücken frei? Defensiv-Samariter Frank Baumann hat seine Karriere beendet. Wie wertvoll er war, wird bald auch der Letzte begreifen.
Aus Heft #93 Sonderheft 2009/10
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