Die Geschichte der Fußballfans

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19.07.2009

Waldhöfer Fusions-Träume

Um Kopf und Kragen

Text: Jens Kirschneck  Bild: Christoph Buckstegen

Mario Nöll war angetreten, den SV Waldhof Mannheim zu alter Größe zu führen. Dann verscherzte er es sich mit Dietmar Hopp, dem wichtigsten Gönner des Klubs. Es geht um angebliche Versprechen und eine gescheiterte Fusion.

Waldhöfer Fusions-Träume - Um Kopf und Kragen


Fußball ist nicht gleich Fußball, und manchmal verdichtet sich diese Erkenntnis in einem einzigen Bild. So ging es Andreas Laib, Geschäftsführer des SV Waldhof Mannheim, am Morgen des 25. Januar. Am Abend vorher war er bei der Stadioneröffnung in Sinsheim gewesen, »mit einem Feuerwerk, das wahrscheinlich teurer war als unser ganzer Jahresetat«. Als er nun auf das in die Jahre gekommene Klubgelände der Waldhöfer am Alsenweg kam und über die verschneiten Trainingsplätze blickte, da wurde ihm mit einem Schlag der Unterschied klar zwischen der TSG Hoffenheim, der neuen Nobeladresse des deutschen Fußballs, und dem einst stolzen Traditionsverein Waldhof, der seit Jahren ums Überleben kämpft. Es war das Gefühl, dass die Geschichte einen Lauf genommen hat, der wohl unumkehrbar ist. »Wir müssen weg von dem Gedanken, dass Waldhof Mannheim in die Erste oder Zweite Liga gehört«, sagt Laib deshalb. »Die Fußball-Landschaft hat sich seit 1983 gewaltig verändert.«

1983, das war das Jahr, als der SV Waldhof als 36. Verein in die Fußball-Bundesliga aufstieg. Sieben Jahre lang mischten die Waldhöfer unter dem ebenso urigen wie politisch halbseidenen Volkstribun Klaus Schlappner das Establishment auf, in der ersten Saison kamen neun von 20 Spielern aus der eigenen Jugend, in der zweiten hätten sie sich um ein Haar für den UEFA-Cup qualifiziert. Waldhof schenkte dem deutschen Fußball eine ganze Generation von Wadenbeißern wie die Förster- Brüder, Jürgen Kohler oder Christian Wörns und glaubte ein knappes Jahrzehnt lang daran, dass sich allein mit Zusammenhalt, markigen Sprüchen und rustikalem Spiel die Welt aus den Angeln heben ließe. Aber natürlich sitzen am Ende doch die am längeren Hebel, die das meiste Geld zahlen, das ist nun mal so. 1990 war das Bundesligaabenteuer des SV Waldhof Mannheim vorbei, und es war wohl sein größter Fehler, die Zweite Bundesliga nicht als seinen natürlichen Lebensraum zu akzeptieren, sondern um jeden Preis wieder nach oben zu wollen. 2003 meldete der Klub Insolvenz an und wurde von der zweiten in die vierte Spielklasse durchgereicht. Dort spielt er bis heute, wenngleich sie jetzt nicht mehr Oberliga, sondern Regionalliga heißt.

Und während die Waldhöfer an ihrem größtenteils selbstverschuldeten Niedergang verzweifelten, schwang sich in der Nachbarschaft ein Dorfverein mit dem Geld eines Software-Milliardärs zum regionalen Primus auf. Eine bittere Entwicklung für die Fans des Traditionsvereins, doch nicht ungewöhnlich für den modernen Fußball. Ungewöhnlich ist vielmehr, dass es immer noch eine Menge Berührungspunkte, gar Kollisionen zwischen dem Erstligisten mit dem Mega-Feuerwerk und dem Viertligisten mit den Existenzsorgen gibt – und dass die Fäden dazu an einem Gymnasium im kleinen Städtchen Walldorf zusammenlaufen.

Ein Präsident, der »sich vergaloppiert« hat


SAP-Gründer und Hoffenheim-Mäzen Dietmar Hopp, der in der Region einen Ruf als Gutmensch hat, der allem hilft, was nicht bei drei auf den Bäumen ist, hat in den letzten Jahren auch annähernd fünf Millionen Euro für den klammen Waldhof locker gemacht. Das ist nicht zuletzt Mario Nöll zu verdanken, dessen Mutter einst die Lehrerin von Hopps Sohn war. Nöll, heute 33 und aus der Waldhöfer Fanszene stammend, amtierte von Oktober 2007 bis Januar 2009 als Vereinspräsident. Jetzt nicht mehr, weil er sich mit Hopp überwarf und für den SV Waldhof Hopps Geld wichtiger war als Nöll. Das ist die kurze Version der Geschichte. Die ausführliche handelt von einer gescheiterten Fusion, einem angeblichen Versprechen und einem Präsidenten, der »sich vergaloppiert« hat, wie es sein langjähriger Mitstreiter Oliver Mark Ganglbauer von der Faninitiative »Pro Waldhof« ausdrückt.



Aus Heft #91 06/2009

Messi! Der Junge aus Rosario


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