Die Geschichte der Fußballfans

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01.07.2009

Hans Meyer rechnet ab

»Fans werden verdummt«

Interview: Dirk Gieselmann und Jens Kirschneck  Bild: Imago

Ist Hans Meyer denn nun Rentner oder nicht? Nach unserem Interview sagen wir: Der Mann kommt wieder. Er hat noch jede Menge Hühnchen zu rupfen. Hier spricht er über die dunkle Macht des Boulevards, Modefans und Marko Marin.

Hans Meyer rechnet ab - »Fans werden verdummt«


Hans Meyer, ziehen wir heute einen Schlussstrich unter Ihre Trainerkarriere, oder gibt es noch mal ein Comeback?

Ach, Freunde, eigentlich bin ich doch schon seit Jahren auf dem Abmarsch.



Wir wetten, dass Sie noch mal zurückkommen.

Um was wollen wir wetten? Ich muss ja wissen, ob es sich rentiert.

Sie sagten neulich, wenn ein 70-jähriger Tscheche Österreich trainiert, müssten bei Ihnen die Angebote nur so reinhageln.

Der österreichische Verband hat mich über Umwege vor der EM gefragt, sich dann aber für Karel Brückner entschieden – wegen der größeren Erfahrung. Im Ernst: In einer Beraterfunktion – nach dem Motto: »Herr Lehrer, ich weiß was, im Scheißhaus brennt noch Licht!« – sehe ich mich nicht. Doch wenn mir irgendwo eine interessante Aufgabe angeboten wird, bei der kein langfristiger Aufbau nötig ist: Warum nicht?

Für einen Abmarsch, wie Sie es nennen, waren Sie eh zu präsent.

Ich möchte mal eine Gegenfrage stellen: Wer will schon wissen, ob ich tatsächlich aufhöre oder wieder anfange? Das interessiert doch niemanden außer euch.

Sie kokettieren.

Im Ernst: Die breite Masse interessiert etwas anderes. Sie interessiert sich für das, was die Fußballpolemiker den Leuten erzählen.

Hegen Sie noch immer Ihren Groll gegen die Boulevardpresse?


Auf der einen Seite steigen die Besucherzahlen in den Bundesligastadien von Jahr zu Jahr, auf der anderen Seite hatten wir prozentual noch nie so viel Fußballunwissende im Stadion. Die Leute werden vom Boulevard mit Unkenntnis und Unwahrheiten beschossen.

Jetzt, im Ruhestand, könnten Sie das Thema mit etwas mehr Gelassenheit betrachten.

Sind Sie etwa auch von der »Bild«?

Nein.

Es geht um mehr als den Fußball, es geht um weite Teile unseres Lebens, die von der systematischen Verdummung der Leute betroffen sind. Arrigo Sacchi, der große italienische Trainer, hat neulich in einem Interview gesagt, er wünsche sich, »dass das Gift aus dem System vertrieben wird und der Fußball sich weiterentwickelt in einem besonnenen Ambiente, das den Fußball liebt und nicht die Polemik«. Diesen Wunsch teile ich voll und ganz.

Die »Bild«-Zeitung gilt vielen Spielern als Leitmedium.

Ja, und das bedrückt mich sehr. Ich nenne ein Beispiel: Als ich im vergangenen Herbst nach Gladbach kam, fand ich eine Mannschaft vor, die nicht bundesligatauglich war. Einige waren – trotz all ihrer Verdienste als Aufstiegshelden – für dieses Niveau einfach zu alt oder zu jung. Von 28 Spielern sortiere ich also sechs oder sieben aus, was vielleicht auch mein Vorgänger gerne getan hätte.

Damit waren Sie der böse Meyer.

Ohne diese Maßnahme und die Verpflichtung von vier Neuen hätten wir den Klassenerhalt nicht geschafft. Und jetzt kommt es: Was tun in dieser Situation einige aus der Mannschaft? Sie schreiben, aufgehetzt durch die Massenmedien, einen Brief an den Vorstand. Man dürfe so verdienstvolle Spieler nicht einfach rausschmeißen. Unglaublich! Das zeigt, was im Fußball alles möglich geworden ist.

Ein anderer Vorwurf war, Sie hätten Marko Marin zu selten spielen lassen.

Marko hätte, wenn er bei Werder Bremen unter Vertrag gewesen wäre, vielleicht 20 Spiele gemacht. Bei mir war er in 33 Partien dabei, nur einmal hat er gefehlt – wegen der fünften Gelben Karte. Trotzdem hieß es immer wieder: »Marin spielt fast nie, der Meyer hat ein Problem mit Marin!« Mit Marko kannst du doch gar kein Problem haben – der ist so ein netter, talentierter Junge. Viele halten ihn trotzdem schon jetzt für einen ganz Großen, der er bei harter Arbeit an sich selbst werden kann.

Zuspitzung gehört zur Berichterstattung. Wo wollen Sie die Grenze ziehen?

Es geht mir darum, dass nicht gelogen werden darf. Lügen heißt auch: Mehr zu behaupten als das, was tatsächlich ist. Wir brauchen niemanden, der uns den Fußball bunt macht. Was auf dem Platz passiert, ist interessant genug.

Wann haben Sie zuletzt mit dem Kopf geschüttelt und gesagt: »Das ist nicht mehr mein Fußball«?

Nie. Wenn ich Barcelona im Champions League-Finale gegen Manchester sehe, bin ich ein glücklicher Mensch. Ich habe den Fußball geliebt und werde ihn immer lieben.


***Weiterlesen im aktuellen Heft: Hans Meyer über Einsamkeit im Misserfolg, Armin Veh und Felix Magath.



Aus Heft #92 07/2009

Ein Jahr mit RWO




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Kommentare

  • User
  • 07.02.2010 22:03:26 Andreas Blenke

    Hans Meyer wird Udo Lattek und das Phrasenschwein beim DSF-Doppelpass beerben und den Journalisten so lange vor Augen führen, wie minderwertig sie sind, bis sie freiwillig nach Rußland auswandern.

    Anschließend wird er mit verbundenen Augen und einer Hand auf den Rücken gebunden den 1. FC Nürnberg zurück in die erste Liga führen und Gladbach in den Europapokal, wo die Borussia im Elfmeterschießen knapp Carl Zeiss Jena unterliegt (einmalig in diesem Wettbewerb — beide Mannschaften werden von ein und demselben Trainer betreut: Hans Meyer).

    Daraufhin werden alle drei Städte in »Hans-Meyer-Stadt« umbenannt werden; Hans Meyer selber kann sich schließlich voll und ganz seiner Aufgabe als Rosenzüchter widmen und nebenberuflich ein wenig als Bundespräsident jobben. Die Welt ist endlich gerettet.

    Was ich eigentlich sagen will: Danke, Hans Meyer — für alles!

  • User
  • 12.06.2010 14:13:00 mico

    Er ist einfach der Beste, und hat mit allem Recht!

  • User
  • 14.06.2010 10:40:38 Wirsching

    jawoll, ES GIBT NUR EINEN HANS MEYER!!!

    ERFOLG HAT EINEN NAMEN

  • User
  • 14.06.2010 10:52:18 Wirsching

    nein, da müsste es heißen, Profit hat einen Namen
    bei Hans Meyer heißt es Erfolg hat einen Namen,
    beim Club sagt man, Tradition hat einen Namen

    ach ja, herrliche Floskeln

  • User
  • 14.06.2010 10:53:32 saloth sar

    22 meistertitel unzaehlbare dfb pokalsiege, nennst du also keinen erfolg?
    in deiner welt will ich echt nicht leben muessen.

  • User
  • 14.06.2010 10:55:31 Wirsching

    nein, das ist kein erfolg, weil bayern nur profitorientiert ist, und das deshalb nicht zählt
    so is mein weltbild, und das will ich auch nicht ändern

  • User
  • 14.06.2010 10:56:28 Wirsching

    seit wann zählen da bitte Fakten und Zahlen

  • User
  • 14.06.2010 10:57:11 saloth sar

    nein, das ist kein erfolg, weil bayern nur profitorientiert ist

    und du glaubst wirklich, dass andere vereine nicht profitorientiert sind? ist nicht dein ernst

  • User
  • 14.06.2010 11:01:02 Wirsching

    nein, St. Pauli spielt nur zur Bespaßung seines alternativ-linken Publikums, Schalke ist noch ein echter Malocherclub, wo man den Schweiß des Bergmanns noch förmlich riechen kann, da lebt der Amateurgedanke noch, der Club spielt für die Tradition, usw.

    Oda is es etwa nimmer so?
    jETZT bitte nicht mein weltbild zerstören

  • User
  • 14.06.2010 11:01:45 Wirsching

    11 Freunde müsst ihr sein

  • User
  • 14.06.2010 11:06:55 Wirsching

    so, ich muss jetzt mal wieder, späta gibts noch mehr weisheiten von mir, durchhalten,Leute!

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