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28.10.2011

Als Thomas Helmer (nicht) traf

Phantomtor – das Original

Text: Manni Schwabl  Bild: Imago

Am 32. Spieltag der Bundesligasaison 1993/94 erzielte Bayerns Thomas Helmer gegen den 1. FC Nürnberg ein Tor, das keine war. Hier erinnert sich der Clubberer Manni Schwabl mit Grauen an das Phantomtor.

Als Thomas Helmer (nicht) traf - Phantomtor – das Original


Die Ausgangssituation vor dem Spiel war eindeutig. Wir kämpften mit dem 1. FC Nürnberg gegen den Abstieg, bei den Bayern ging es mal wieder um die Meisterschale. Obwohl wir nur einen Platz vor den Abstiegsrängen standen, gab es in der Mannschaft keine Zweifel, dass die Klasse gehalten würde. Wir waren nicht so verwegen, einen Punkt einzuplanen, eine kleine Überraschung hatten wir uns allerdings schon ausgerechnet. Das Spiel begann für uns viel versprechend. Unsere Abwehr stand gut, brenzlig wurde es erstmals in der 21. Minute. Eine Ecke für die Bayern vor unserer Fankurve, ich postierte mich, wie abgesprochen, am ersten Pfosten und versuchte, meinen Teil des Tores abzudecken. Die Flanke wurde ziemlich scharf getreten und segelte in den Strafraum, wurde dort verlängert auf den langen Pfosten.



Dort stand Thomas Helmer und wurde von Lubos Kubik bewacht. Irgendwie kam der Münchner trotz der Beschattung an die Kugel, ich blickte hinüber, sah Kubik am Boden und auch unser Torwart Andi Köpke war bereits abgetaucht. Helmer stocherte den Ball vorbei, das Publikum stöhnte entnervt. Ich trabte zur Torauslinie, um mich für den Abstoß vorzubereiten. Doch plötzlich brach auf den Rängen Jubel aus. Der Schiedsrichter rannte zur Mittelinie. Helmer ließ sich von seinen Mitspielern feiern. Perplex schaute ich meine Teamkollegen an. Wir konnten das alle gar nicht glauben, rannten zum Schiedsrichter. Doch Osmers vertraute ganz und gar seinem Linienrichter, der von draußen Tor gewunken hatte.

Wie er als einziger im Stadion darauf gekommen war, bleibt mir immer noch schleierhaft. Der hätte doch schon an den Reaktionen der Zuschauer merken müssen, dass da nie und nimmer ein Tor gefallen war. Der ganzen Mannschaft war schon während des Spiels klar, wir würden Protest einlegen, so etwas Unglaubliches hatten wir noch nie erlebt. Es musste einfach ein Wiederholungsspiel geben. Das wäre jedoch gar nicht nötig gewesen, hätte ich kurz vor Schluss einen Elfer rein gemacht. Die Bayern führten nur mit 2:1, Helmer foulte Christian Wück im Strafraum und der Schiri gab sofort Strafstoß. Sergio Zarate, der immer die Elfer schoss, war leider in diesem Spiel nicht dabei.

Da ich zuvor im Training alle Dinger versenkt hatte, fühlte ich mich sicher und schnappte mir die Kugel. Auch wenn immer erzählt wird, der Köpke wollte schießen. Auf dem Feld hab ich keinen anderen gesehen, der schießen wollte, auch keinen Köpke. Leider hab ich das Ding dann gegen Raimond Aumann verschossen. Der hat in seinem ganzen Leben eigentlich keine Elfer gehalten. Das hab ich ihm neulich auch noch mal gesagt. Hätte ich den rein gemacht, dann hätten wir nie im Leben Protest gegen das Spiel eingelegt, denn ein Punkt in München wäre der Traum gewesen. Vorwürfe mache ich Helmer keine. Ob er zum Schiedsrichter hätte gehen sollen, muss er selber wissen. Nur er kann beurteilen, ob er gesehen hat, dass der Ball nicht im Tor war.

Doch der Schiedsrichter muss so eine Szene eigentlich sehen. Allein an den Reaktionen der Zuschauer kann man erkennen, ob eine Situation vor dem Tor strittig ist. Die raunen ja ganz anders, wenn der Ball daneben oder wenn er kurz vor der Linie ist. Das Spiel war für mich der Anfang vom Ende einer schlechten Saison. Wir verloren das Wiederholungsspiel mit 0:5 und stiegen aufgrund des schlechteren Torverhältnisses ab. Bitter, aber das ist Fußball.




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Kommentare

  • User
  • 23.04.2009 07:53:44 Flappen

    Legendär auch der Kommentar von Franz Beckenbauer zu Helmers Phantomtor: "Ein Guter hätte den reingemacht!"

  • User
  • 23.04.2009 09:02:14 bulli79

    Welche andere Mannschaft als der Club konnte aufgrund eines Phantomtors absteigen? Richtig: Keine andere.
    Einer von vielen Höhepunkte der langen Auf-und Abstiegsgeschichte des Clubs.

  • User
  • 23.04.2009 10:47:45 maaike

    liebe freunde.
    ich bin anderer meinung als der gute manni schwabl. vorwürfe mache
    ich dem thomas helmer auch nach 15 jahren noch. natürlich hat der das gesehen. dafür schmort er jetzt in der fußball-hölle, sprich moderiert mit scheußlichem bart auf dsf üble sendungen. weder ihm noch manni schwabl kann ich momentan noch nicht verzeihen. wenn ich mich recht erinnere ist köpke, der schon mehrere elfmeter zuvor geschossen hatte, schon übers halbe feld getrabt. bloß weil einer im training mal einen reingemacht hat, läßt man gegen die bayern doch nicht den schwabl nen elfmeter schießen. so was bescheuertes auch. es tut heute noch weh.

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