HSV-Werder im 11FREUNDE-Ticker
Der Sohn des Kahn
Text: Andreas Bock und Dirk Gieselmann Bild: Imago
Der Mensch ist dem Menschen ein Elfmeterschießen: Mit 4:2 besiegt Werder den HSV nach dem Shoot-Out. Der acht Meter große Tim Wiese hält drei Schüsse und darf Kahn nun »Papi« nennen. Kitsch, Drama, aber auch spröde Statistiken – jetzt im Ticker!
Montag, 20. April 2009, 15:23 Uhr
Hamburg ist dreimal so groß wie Bremen. Andreas Bock ist dreimal so groß wie Dirk Gieselmann. Haben Werder und Gieselmann dennoch eine Chance?
Montag, 20. April 2009, 17:37 Uhr
Man könnte sagen: Vier Spiele, spannender als ein Arztroman aus dem Hause Bastei-Lübbe, anstrengender als das Davis-Cup-Match Becker gegen McEnroe von 1987. Wenn man es denn wüsste.
9:28 Uhr
Seit zwei Tagen sind Kollege Bock und ich nun im Trainingslager, joggen in entgegen gesetzten Richtungen um die Alster. Doch wir grüßen nicht, wenn wir einander begegnen. Es ist ein Hassduell.
10:20 Uhr
Kollege Bock hat mit einem Schraubenzieher alle Buchstaben aus seiner Tastatur gepult – bis auf »H« »S« und »V«, behauptet dennoch, »objektiv berichten« zu können.
11:22 Uhr
Bock hat sich nun bei »Tinten-Bernd« in Hamburg-Wilhelmsburg den zwölften Ratschlag aus Uwe Seelers Vorwort zum »Trainingsbuch Fußball« auf den Unterarm tätowieren lassen: »Versucht, erfolgreich zu spielen!«
11:27 Uhr
Kollege Jonas, Bayern-Fan, ruft an. »Wollen wir nicht heute Abend was zusammen machen?« Er habe Salzletten eingekauft und »Aristocats« ausgeliehen. Oder umgekehrt. Falsch verbunden.
12:12 Uhr
Eine Meldung fürs Werder-Herz: Diego will in Bremen bleiben. Das ließ der Spielmacher heute in einer emotionalen Rede verlauten. Doch als die Freudentränen der Fans schon in Bächen flossen, sprengte er sich ein Hintertürchen auf. Es gebe drei Möglichkeiten für die nächste Saison, sagte er listig: »Dass ich gehe, dass ich bleibe oder sogar vorzeitig verlängere.« Merke: Profis antworten stets mit einem entschiedenen »Vielleicht«.
13:25 Uhr
Nachdem mir Mirko Votava neulich im Interview die für den Spitzensport nötige Beweglichkeit abgesprochen hat, habe ich mir vor dem Anpfiff noch mal die Fingergelenke massieren lassen. Jetzt erreiche ich mit einem nie dagewesenen Spreizgriff die Tasten »Ü« und »Q« gleichzeitig. Ich mach das mal vor, liebe Fans: üqüqüqüqüqüqüqüqüqüqüqüq! Wahnsinn, oder? Jetzt hoffe ich doch sehr, dass ich in der Berichterstattung gleich mehrfach die Wörter »Übertragungsquote«, »Übelqual« und »Quallenmütze« unterbringen kann.
13:48 Uhr
Eine Nachricht aus dem Kernschatten des Spitzenfußballs: Kollege Benjamin Apitius bricht weinend zusammen, weil Innenverteidiger Frank »Ge-« Fahrenhorst Hannover 96 zum Saisonende verlässt. Als Kollege Benni Kuhlhoff ihn mit den Worten »Aber Altin Lala hat verlängert« trösten will, tritt Apitius um sich. Wir versuchen, erst Dieter Hecking und dann einen uns zufällig bekannten Vatikan-Exorzisten zu erreichen. Mailbox! Wir gehen in die Mittagspause. Bis später, Benjamin Apitius. Bis später, liebe Fans.
15:29 Uhr
Zurück aus der Mittagspause. Es gab den »Dettmar-Cramer-Teller«: Reis mit Reis, der Napf hing am Kopfballpendel. Verdammter Leistungssport.
16:01 Uhr
Und noch eine aufwühlende Meldung: Um beim Pokalkracher dabei zu sein, hat Trainer-Dinosaurier Werner Lorant mit seinem slowakischen Klub DAC Dunajska Streda sehenden Auges 0:6 verloren und so seine Entlassung evoziert. Oder hat der Beinharte bloß genug von fremden Ländern? Im Interview mit 11freunde.de klagte er einst: »Als ich in Korea Hund essen sollte war das schon befremdlich. Das ist kulturell bedingt und ja eigentlich nichts Negatives. Es gibt dort sogar Hunderestaurants. Wenn die Koreaner Hunger haben, essen sie Hund. Aber für mich als Europäer ist das schon ein komischer Gedanke. Ich kann da nicht mitgehen. Ich habe schließlich selbst einen Hund zu Hause.«
16:27 Uhr
In der 11FREUNDE-Redaktion brennen die Fernseher! Der Grund für den spontanen Ikonoklasmus: »Bock drauf!«, so Hobby-Pyromane Benni Kuhlhoff. Und: Entsetzen über die zweite Hochzeit von Johannes B. Kerner und »ran«! »Ich freue mich auf die neue Aufgabe. Sat.1 bietet erstklassige inhaltliche Perspektiven in der Kombination von Information, Show und Sport«, fabuliert Kerner in der Pressemitteilung. Trägt er dann Beckmanns rote Jeansjacke? Kehrt unter seiner Ägide der »Fuxx« zurück? Steht Horst Lichter in Zukunft neben Oliver Kahn? Ernst Huberty, warum hast Du uns verlassen?
16:48 Uhr
Der »Gast«, der in den letzten Wochen immer wieder in unseren Reihen aufgetaucht ist und sich dadurch hervorgetan hat, erst Erdnüsse ohne Salz und dann auch noch »Ferrero Küsschen« ohne »Ferrero« zum Buffet beizusteuern, hat erneut sein Kommen angekündigt. Und was gibt's diesmal? »Kalten Arsch mit Birne«, so der »Gast«. »Birne ist aber alle.«
17:23 Uhr
Aus Bela Rethys Info-Mappe haben wir folgende Liste gezogen: Spieler, die bei beiden Vereinen unter Vertrag standen.
Ailton
Marinus Bester
Rodolfo Cardoso
Fabian Ernst
Benno Möhlmann
Frank Ordenewitz
Andreas Reinke
Frank Rost
Dirk Weetendorf
Raphael Wicky
Pawel Wojtala
Mohamed Zidan
Dietmar Beiersdorfer
Fragt sich nur: Für wen sind Rost und »Dukaten-Didi« heute Abend?
17:51 Uhr
Derweil brennen die Fernseher in den Redaktionsräumen noch immer lichterloh. In einer giftigen Gaswolke meinen wir das Konterfei Lou Richters erspäht zu haben. Doch unser salomonischer User »Lebowski« sieht das Gute in der Nachricht, dass Kerner und »ran« wieder gemeinsame Sache machen: »Das ist das letzte Glied in der der nun lückenlosen Argumentationskette, warum man zum CL-Kucken auf jeden Fall in die Kneipe muss, auch wenn's im Fernsehen läuft. Das versteht ja jede Frau. Und somit sorgt Kerner irgendwie für den Aufschwung in der Gastronomie. Irgendwas kann jeder.«
18:02 Uhr
Nun ist auch geklärt, warum Kollege Apitius so emotional auf den Abgang von Frank Fahrenhorst reagiert hat: Seit Tagen macht er eine Radikal-Diät, ernährt sich nur von Sauerkrautsaft und »Einläufen«, wie er uns nun weinend gesteht. »Ich hab so'n Hunger auf Nutella!«, greint er, halluziniert von einem Candlelight-Dinner mit Reiner Calmund.
20:15 Uhr
Moderator Johannes Bapt ist gut gelaunt. Olli Kahn, der Beinahe-Schalke-Manager, grinst neben ihm in die Kamera und glänzt mit Expertenwissen, expertiger als Wikipedia und der kicker-Almanach zusammen.
20:19 Uhr
Martin Jol und Thomas Schaaf – zwei wie aus der »Flensburger«-Werbung, wie Charles Bukowski und Ernest Hemingway, wie ein Dorsch und ein Hecht auf Expedition nach Grönland.
20:22 Uhr
Und nun der Remmidemmi-Clown Lotto King Karl. Wenn gleich noch Partyschaum in die Ränge gesprüht wird, wenn HP Baxxter aufläuft und Thomas Anders an der Knackwurstbude abhängt, werden wir richtig neidisch – hier in der grauen Stadt.
20:26 Uhr
Gieselmann verkündet stolz: »Wir haben kein Maskottchen! So einen Mumpitz braucht man in Bremen nicht.« Er wiederholt den Satz achtmal. Doch wer ist dieser knuffige Bär, der neben dem knuffigeren Dinosaurier durch den Spielertunnel torkelt? Etwa tatsächlich HP Baxxter?
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