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29.03.2011

Die Nationalmannschaft in den 80ern

Mit Kalle zum Hahnenkampf

Text: Eike Immel (Protokoll: Andreas Bock)  Bild: Imago

Frankreichs Nationalmannschaft kämpft mit der Erinnerung an die Skandal-WM 2010? Pff, saufen und rumhuren konnten die Deutschen aber besser. Eike Immel erinnert sich an ein Jahrzehnt zwischen Schluchsee und »Anpfiff«.

Die Nationalmannschaft in den 80ern - Mit Kalle zum Hahnenkampf


1.
Halbfinale


Auf einmal war alles anders. Die Lichter der Kameras, die Ansprachen der Trainer, meine Motivation und vor allem der Druck von außen. Ich stand in den Spotlights, ich war die Nummer Eins, der Torwart, der für Deutschland den dritten EM-Titel festhalten sollte. Acht Jahre hatte ich auf diesen Moment gewartet, ständig im Standby-Modus, immer dabei, doch nie mittendrin. Aufgemuckt hatte ich nie. Vielleicht, weil ich keine Lobby hinter mir wusste, keine wichtigen Journalisten, die sich getraut hätten der Kölner und Münchner Presse die Stirn zu bieten, die mit mir den Kampf um die Nummer Eins gefochten hätten.



Doch nun hatte Toni Schumacher dieses ominöse Buch »Anpfiff« geschrieben und sich selbst aus der Nationalmannschaft befördert. So sehr ich mich in jenem Sommer 1988 auf das Turnier freute, so war ich mir auch sicher, dass dies meine einzige Chance sein würde: Wenn wir im eigenen Land nicht den Titel holten, würde sich was verändern, ganz egal wie ich halte. Es würde mein letztes Turnier als Nummer Eins sein, denn hinter mir scharrten bereits Bodo Illgner und die mächtigen Kölner »Bild«-Reporter mit den Füßen.

Die Vorrunde meisterten wir souverän, und nach dem 2:0-Sieg gegen die starken Spanier waren wir sicher: Wir werden Europameister. Erste Zweifel kamen wenige Stunden vor dem Anpfiff des Halbfinales gegen die Niederlande auf. Auf dem Weg zum Hamburger Volksparkstadion passierten wir eine Brücke, von der wir auf die bereits gut gefüllten Tribünen blicken konnten – sie waren fast vollständig in orange gefärbt. Überall wo man hinsah: orange! Ich weiß bis heute nicht, wie es den niederländischen Fans möglich war, so viele Karten für dieses Spiel zu bekommen. Frank Mill sagte später: »Schön wäre es gewesen, wenn wir heute ein Heimspiel gehabt hätten.« Dann dieser unfassbar schlechte Schiedsrichter. Sicher, die Holländer haben verdient gewonnen und wurden am Ende zu Recht Europameister, die hatten ja eine Jahrhundertmannschaft – alleine die Namen: van Basten, Gullit, Koeman oder Rijkaard.

Zwar war es in jenem Halbfinale nicht so, dass ein Angriff nach dem nächsten auf unser Tor rollte, doch die Holländer schnürten uns fast 90 Minuten in unserer Hälfte ein – die müssen 70 Prozent Ballbesitz gehabt haben. Dem entgegen standen Entlastungsangriffe von uns. Dennoch: Wir machten das erste Tor und ich bin mir sicher: Es wäre beim 1:0 geblieben, hätte de Schiedsrichter den Holländern nach dem angeblichen Foul von Kohler an van Basten nicht den Elfmeter geschenkt.

Wenn du heute mit der deutschen Mannschaft in das Halbfinale eines großen Turniers kommst, sind alle zufrieden, damals war das Aus der Weltuntergang und die 89. Minute wie ein Schlag ins Gesicht der ganzen Nation. Ich erinnerte mich vor dem Spiel noch an die Worte von Sepp Maier: »Wenn du als Torwart sicher in ein Turnier startest, in den ersten Spielen keine Fehler machst, wirst du immer besser, du wirst unbezwingbar.« Und dann sah ich den Ball von Marco van Basten an meiner rechten Hand vorbei ins Tor rollen.

2.
Erste Schritte


Meine Karriere verlief von Anfang an in einem so hohen Tempo, dass ich kaum hinterherkam. Schon nach meinem ersten Spiel trugen sie mich auf Händen. Ich wusste damals, im August 1978, gar nicht so richtig, was passiert war. Plötzlich stand Sepp Maier vor mir, der große Sepp Maier, und gratulierte mir. Doch ich nahm nichts mehr wahr, um mich herum nur Blitzlichter und ein ohrenbetäubender Lärm von 50000 Fans im Dortmunder Westfalenstadion. Von einem solchen Debüt träumt vermutlich jeder Junge: Auf der einen Seite die schier unbezwingbaren Bayern, die im Minutentakt auf das Tor anrennen und auf der anderen Seite der Jungspund, gerade mal 17 Jahre alt, der sie alle abwehrt, als ob er nie was anderes getan hätte.

Es ging rasant weiter. Ich war kaum in der Bundesliga angekommen, da stand ich schon im Tor der Nationalelf. Im Sommer 1980 nahm mich Jupp Derwall als dritten Torwart zur EM nach Italien, und schon ein paar Monate später, im Oktober 1980, debütierte ich bei einem Freundschaftsspiel in den Niederlanden. Die Nationalmannschaft hatte zu dem Zeitpunkt seit 21 Spielen nicht verloren. Natürlich bammeln da die Beine, man will ja nicht derjenige sein, der die Serie vermasselt. Doch es ging alles glatt. Ich wurde in der zweiten Halbzeit eingewechselt und hielt, was zu halten war. Spätestens als ich am nächsten Tag die Zeitungen aufschlug und die durchweg guten Kritiken las, wusste ich: Jetzt hast du den Fuß in der Tür, pass auf, dass er nicht wieder hinausrutscht.



Aus 11 FREUNDE Spezial: 80er

Das waren die Achtziger


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Kommentare

  • User
  • 09.06.2010 01:43:25 Catilina

    Derzeit bei ARD: WM-Rückblende, das Halbfinale von Sevilla 1982.

    Mit einem besseren Trainer, als Derwall einer war, hätte diese Generation deutscher Fußballer die größte sein können: Rummenigge, Littbarski, Allofs, Schuster, Magath, Hansi Müller, Matthäus, Stielike...aber der DFB hatte die Zeichen der Zeit nicht erkannt und nach Helmut Schöns Rücktritt den Posten des Bundestrainers seinem bisherigen Stellvertreter überlassen. Vielleicht wäre Ernst Happel (Österreicher !) der rechte Mann gewesen, um aus diesen Spielern eine Mannschaft zu formen, die auch in spielerischer Hinsicht Geschichte schrieb. :-?

    Wie souverän und sachlich Rolf Kramer kommentierte...

  • User
  • 09.06.2010 02:16:40 Catilina

    Bei aller Hitzigkeit ein bildschönes Spiel; spielerisch mitnichten schlechter, als die Darbietungen der "Goldenen Generation" 1966-76; kaum ein Unterschied zwischen DFB-Elf und Equipe Tricolore in diesem Spiel.

    Was für ein großartiger Fußballer der Briegel war...!

    Das sollte man mal diesem im Fußball dilettierenden Intellektuellen zeigen, für den Briegel den Niedergang der deutschen Spielkultur in den 80er Jahren personifiziert.

    Da Schumachers Foul an Battiston in die reguläre Spielzeit fiel, die Franzosen aber erst in der Verlängerung ihre Treffer 2 und 3 markierten, kann man beim besten Willen nicht sagen, der Ausfall des Verteidigers habe das Spiel zu Ungunsten Frankreichs beeinflußt. Eher scheint mir das Gegenteil der Fall gewesen zu sein. Battistons Schuß strich am Tor vorbei, als Schumacher ihn ansprang.

  • User
  • 09.06.2010 06:28:41 Dieter Prestin

    Mal ganz abgesehen von Schuster finde ich es bemerkenswert, wie relativ wenig Länderspiele die Spieler von damals im Vergleich zu heute machten/machen konnten/durften: Stielike um die 40, die Försters ca. 30/80, Allofs ca. 50, Müller ca. 40, Hrubesch ca. 20 (oder schon vorher bspw. ein Overath mit ca. 80 in über 10 Jahren).

    Die Gründe sind bestimmt zahlreich und ich wollte sie eigentlich nicht diskutieren. War nur eine Bemerkung.

  • User
  • 09.06.2010 11:05:57 AbteilungAttacke

    @ Catilina

    Nun, dann bin ich einer dieser "dillettierenden Intellektuellen".

    Ende der 60iger und Mitte der 70er spielte Deutschland den modernsten Fussball - und schönen obendrein. Gegner wurden ausgespielt.

    Die 80iger begründeten (oder vollendeten teilweise) den Mythos von den deutschen Kampftugenden: Gegner wurden nicht mehr ausgespielt sondern niedergerungen. Siehe die Spielweise Schumachers. Auch waren nun definitiv viele deutsche Gegner spielerisch gleichwertig, wenn nicht überlegen. Siehe Algerien. Auch das war in den 70igern anders. (jetzt bitte nich mit Albanien kommen...)

    Der "Niedergang" des deutschen Fussballs Anfang der 80iger war nicht so sehr der mangelnden spielerischen, sondern charakterlichen und taktischen Klasse des deutschen Kaders geschuldet. Man muss doch nur genau den Text oben lesen.
    Animositäten in der Mannschaft, die Immel kleinzureden versucht, der Lob für einen Trainer ("Derwall als Vater"), der offenkundig überfordert war, mit diesen "Typen" klarzukommen. Allein die Darstellung Breitners: Auf der einen Seite jemand, der sich angeblich nicht in der Mannschaft aufspielt, auf der anderen Seite den trainer aber offenkundig erpressen kann. Ja wo sind wir denn ?
    Die 80iger sind für mich von daher auch immer eine Diskussionsgrundlage wenn es um diese leidige "Typen"-Diskussion geht. Denn hier zeigt sich: Zwischen Großmaul und Typ ist der Graben kleiner als man denkt.
    Aber weiter: Da will mir Immel allen ernstes erzählen, dass Gijon die Schuld der FIFA war weil sie DAS SPIEL ZEITVERSETZT ANGESETZT HABEN ???? Das ist m.E. im Kern dasselbe Argument, dass ein Vergewaltiger benutzt wenn er sagt: "Aber die war doch nuttig angezogen, die wollte das doch." Sich vom Täter zum Opfer stilisieren, Rahmenbedingungen als Ausrede vorschieben - ich kotze.
    Selbiges lässt sich sagen, wenn Immel den "Killer" Schumacher lobt. LOBT. Rot war das. Nix anderes. Ich zahl ihm die Jacketkronen. Geht es noch asozialer ? Im wahrsten Sinne des Wortes ? Und es ist keine, in großen Buchstaben KEINE Rechtfertigung wenn man dann sagt "Aber nach seinem Aufall haben die Franzosen doch besser gespielt". Über den Satz sollte man sehr sehr sehr gründlich nachdenken.

    In derselben Sendung gabs übrigens auch die gesamte Darstellung der 80iger, inklusive des Finales von 82'. Und richtigerweise wurde da bemerkt, dass Brandt regelrecht froh war, dass uns die Italiener den Arsch vermöbelt haben. Selten hat eine deutsche Mannschaft soviel Sympathie verzockt, wie 82'. Und dabei ist es nicht nur Gijon. Frankreich war dabei so ziemlich das einzig brauchbare Spiel. Und das alles von einer Mannschaft, die sich offenkundig (nichts zuletzt wegen der EM 80ig) für eindeutig besser hielt, als sie war.

    Nein, den ersten 5 jahren der 80igern weine ich keine Träne nach und würde selbst die entsprechenden Spiele im letzten Jahrzehnt trotz (!) Ribbeck und Völler vorziehen. Lieber ein ermauerter Vizeweltmeister 2002 als dass mir ein Typ wie Steinmeier mich allen ernstes von der Notwendigkeit von Gijon zu überzeugen sucht.

  • User
  • 09.06.2010 15:51:04 Catilina

    Ich bezweifle das gar nicht - siehe mein Kommentar zu dem Fischer-Fallrückzieher-Artikel oder den ersten Kommentar in diesem thread.

    Trotzdem ist es falsch, wenn irgendwelche Schlaumeier, die sich erst für Fußball interessieren, seitdem er den Arme Leute-Geruch abgelegt hat, in solch wegwerfender Weise über verdiente Spieler sich äußern.

    Das Problem der damaligen Mannschaft war ihr Trainer. Alle anderen Probleme, gerade auch die zwischenmenschlichen, hatten in der Person des Trainers ihre Ursache. Derwall hat den Spielern die lange Leine gelassen, er hat Störenfriede nicht zur Ordnung gerufen, und er hat mit Breitner den größten Störenfried in die Mannschaft geholt, wo er sich besser bemüht hätte, einen schwierigen, aber begnadeten Fußballer wie Schuster in der Mannschaft zu halten. Derwalls Autorität war im Grunde unrettbar beschädigt, seitdem er zugelassen hatte, daß die Spieler bei der Mini-WM in Uruguay in einem Montevideoer Puff die Sau rausließen.

    Das Frankreich-Spiel zeigt, was mit den damaligen Spielern möglich gewesen wäre.

    Zum Algerienspiel: Holland war in den Jahren um 1990 sicherlich eine der spielstärksten Mannschaften der Welt, und trotzdem sind sie in ihrem Auftaktspiel bei der WM 1990 gegen Ägypten streckenweise vom Rasen gepaßt worden.

  • User
  • 09.06.2010 16:03:01 Catilina

    Aber nach seinem Aufall haben die Franzosen doch besser gespielt

    Ja, aus Trotz und Zorn. Schumacher hat die Franzosen durch sein Foul aufgebaut.

    Übrigens fand ich das Spanien-Spiel überzeugender - weswegen es auch weniger dramatisch war, trotz dem spanischen Gegentreffer in allerletzter Minute.

  • User
  • 09.06.2010 17:56:07 AbteilungAttacke

    Und die Tatsache, dass dieses Foul aufbauend gewirkt hat, ist für dich ein mildernder Umstand, gar eine Rechtfertigung ?

    Logisch-ethisch aber mehr als fragwürdig.
    Eine negative Handlung kann nicht durch ggf. positive Folgen kompensiert werden wenn sie in unmittelbarem Zusammenhang stehen.

    Wenn jemand durch Tathandlung a einer geringwertigeren Tat den Geschehensablauf b einer höherwertigen Tat verhindert und man sich dass Gehirn verbiegt, ihm nichts vorzuwerfen, ist das schon grenzwertig.

    Aber du verlangst im Wesentlichen, dass, wenn ein Räuber dem Opfer in die Schulter schießt, dadurch mehr Adrenalin frei wird, das Opfer sich ein wenig mehr zur Wehr setzen kann, letztendlich aber dann doch niedergeschlagen wird, Dankbarkeit des Opfers für den Täter, weil ohne Schulterschuss das Opfer eher zu Boden gegangen wäre. .
    Das kann nicht dein Ernst sein.

  • User
  • 09.06.2010 18:10:41 AbteilungAttacke

    Zum Fussball:
    Es war doch nicht nur das Algerienspiel. Auch das Englandspiel in er Zwischenrunde und das Finale zählen dazu. Einzig Zidane und 98' kann man es verdanken, dass das 3:1 nur die zweitgrößte Klatsche in der Geschichte der WM-Finals war.

    Gerade die Sendung, die die ARD unverschämterweise immer nachts zeigt, macht deutlich, dass es auch im Spielermaterial einen deutlichen Rutsch nach unten gegeben hat. Netzer oder Schuster, Krämer oder Allofs, ich wüsste wo ich wäre.

    Nun hat Silberlocke sicher einiges zu verantworten. Aber ich sehe keinen realistisch in Frage kommenden Trainer damals, der was an der Truppe geändert hätte - auch nicht Happel (der zugegeben auch nicht realistisch gewesen wäre)

    Dafür waren die Cojones von Leuten wie Breitner und Co nach dem EM Sieg und vor allem der Quali doch viel zu dick.
    Und wenn ich den Trainer nicht ernst nehme, muss ich wenigstens selbst Verantwortung übernehmen. Oder ums profan zu sagen: Wenn ich wie der letzte Henker auftrete und das Maul aufreisse, darf ich mich nicht so "entmannen" lassen, um mal die italienische Presse nach dem Finale 82 zu zitieren.

  • User
  • 09.06.2010 20:19:12 Catilina

    Und die Tatsache, dass dieses Foul aufbauend gewirkt hat, ist für dich ein mildernder Umstand, gar eine Rechtfertigung ?


    Hä ?

    Es geht einzig um die Frage, ob Schumacher durch sein Foul die Champagnerfußballer um den gerechten Lohn gebracht habe. Wenn man Giresse im Interview liest, könnte man auf die Idee gekommen.

    Ich frage mich, wie man in die Feststellung, daß Schumachers Foul die Franzosen zu Höchstleistungen angestachelt habe, irgendetwas von "Rechtfertigung" hineinlesen kann.

    Italien hat das WM-Finale `70 mit 1-4 verloren - also steht die Finalniederlage von 1982 nur an 3. Stelle. 1970 war es eben Italien, das nach einem dramatischen Halbfinale samt Verlängerung im WM-Finale auf dem Zahnfleisch kroch. Die DFB-Elf hatte zudem die Nacht nach dem Halbfinale auf dem Flughafen von Sevilla kampieren dürfen. Antonio Cabrini weinte während der Pause in der Kabine, nachdem er in der ersten Halbzeit einen Elfer verschossen hatte. Enzo Bearzot nahm ihn beiseite und sagte: "Mensch, seht ihr denn nicht, wie MÜDE die sind ?".

    Zur Chemie in der Mannschaft: Einen Schumacher konnte die Mannschaft zur Not vertragen, einen Breitner nicht.

    Schuster hat 13 Jahre lang in Spanien bei Spitzenclubs gespielt, ist zum besten ausländischen Spieler der Primera Divisiòn in den 80er Jahren gewählt worden. Netzer hat bestenfalls halb so lange auf Topniveau gespielt, seine Zeit bei Real Madrid war durchwachsen, bei der WM 1970 hat er nicht gespielt, 4 Jahre später war er meistens nur Ersatz. Bleiben seine Auftritte bei der 72er EURO.

    1982 hat das bessere Team gewonnen, das ist der Lauf der Welt. Nichts, worüber man 30 Jahre später noch Depressionen kriegen müßte. Die Squadra Azzurra hat sich für die folgende EURO nicht einmal qualifizieren können, bei der WM in Mexico unterlag sie im Achtelfinale den Franzosen. Dieses Spiel verdient ebenso sehr das Prädikat "Entmannung", wie der Finalsieg 4 Jahre zuvor.

  • User
  • 09.06.2010 21:58:08 Catilina

    Desweiteren spricht einiges für die Annahme, daß die Tragweite des Schumacher`schen Fouls auch beim DFB nicht erkannt worden ist; oder doch erst, als nach dem Ausscheiden bei der 84er EURO ein Schreiberling der Libèration seinen berühmten Haßkrampf aufs Papier ätzte. PR spielte damals im Sport noch keine große Rolle.

    Es gab genug gute Torhüter im deutschen Fußball. Man hätte Schumacher zum Rücktritt überreden oder zumindest suspendieren müssen. Sportlich wäre das ein Verlust gewesen, menschlich kaum. Der Typ war eben verbrannt durch die Affäre Battiston, sein Negativ-Image schlug auf die ganze Mannschaft zurück, besonders während der EURO im Heimatland des Verteidigers, dem Schumacher den Halswirbel gebrochen hatte.

    Ich frage mich, aus welcher Quelle die urban legends stammen, wonach Schumacher etwa zu Battistons Hochzeit eingeladen gewesen sei.

  • User
  • 10.06.2010 11:27:06 AbteilungAttacke

    Also, wir sollten erstmal klären, was du meinst und auf welcher Grundlage wir hier diskutieren. Und da muss ich mich auf deine hier geäußerten Sätze beziehen, so einfach ist das.

    Es geht einzig um die Frage, ob Schumacher durch sein Foul die Champagnerfußballer um den gerechten Lohn gebracht habe.

    Darum geht es eben nicht allein. Offenkundig willst du die Handlung Schumachers allein drauf reduzieren, ob und wie sie dem französischen Spiel "geholfen" oder eben "geschadet" hat, es rein aufs "fussballerische" beziehen. Eine solche Abstraktion ist aber - wie von mir oben ausgeführt - logisch-ethisch kaum haltbar.

    Zum Thema Rechtfertigung:
    Bei Sätzen wie Da Schumachers Foul an Battiston in die reguläre Spielzeit fiel, die Franzosen aber erst in der Verlängerung ihre Treffer 2 und 3 markierten, kann man beim besten Willen nicht sagen, der Ausfall des Verteidigers habe das Spiel zu Ungunsten Frankreichs beeinflußt und weiteren deiner Bemerkungen braucht man wahrlich nicht viel Phantasie, um sie als Rechtfertigung auszulegen. Nach dem Motto: "Was jaulen die Franzosen denn ? Das Foul hat ihnen doch gut getan (siehe 2 Tore), der "gerechten Lohn" war ja keiner, verloren hätten sie das Spiel auch so..." Ist diese Lesart so abwegig ? Wenn jemand von etwas "Schlechtem" das vermeintlich "Gute" aufzuweisen versucht, setzt er nolens volens dieses "Gute" in Relation zum "Schlechten" und vermindert dieses. Das ist der Kern von Rechtfertigung. Das geschehene Unrecht durch gleichwertiges Recht wieder auszugleichen. Du machst es, ob du willst oder nicht.


    Zudem du mit Begriffen wie "Chamagnerfussballer" in Verbindung mit "gerechter Lohn" (Ironieknopf an) deutlich zum Ausdruck bringst, dass du eben an einen VERDIENTEN Sieg der Deutschen glaubst.

    Auch diese "Das Foul hat doch geholfen"-Argmentation ist von daher fragwürdig, als dass Toni eine rote Karte hätte sehen müssen. Auch nach damaliger Regelauslegung. Und das nennst du dann keine Beeinflussung zu Ungunsten Frankreichs ? Klar, hätte hätte, Fahrradkette. Vielleicht hätten auch 10 Deutsche 11 Franzosen an die Wand gespielt. Fakt ist aber - genau wie die Leistungssteigerung nach dem Brutalofoul - dass die Franzosen benachteiligt wurden durch eine Fehlentscheidung und - darunterliegend - ein brutales Foul.

    Was mein Verständnis für deine Ausführungen auch nicht leichter mach: Zum ersten Mal schreibst du nun negativ über Schumacher. Und wenn ich dich Recht verstehe, verurteilst du das Foul ebenso wie jedermann. Auch muss man nicht obiter dictum bei jeder Fussballdiskussion über die 80iger im Nebensatz sagen: Ach übrigens, das Foul von Schumacher, Riesensauerei das.
    Bei dir ist aber - subjektiv - der Eindruck entstanden, das Foul wäre etwas "Gutes".

    Und das der DFB nichts gegen Schuhmacher getan hat, ist weniger ein Argument dafür, dass der DFB dies "nicht erkannt" habe als mehr dafür, welches Standing die damalige Clique um Schumacher, Breitner und Co hatte. Erst der Franz traute sich da - und bekannterweise auch nur behutsam - ran.

  • User
  • 10.06.2010 11:30:10 ColePorter

    "Einzig Zidane und 98' kann man es verdanken, dass das 3:1 nur die zweitgrößte Klatsche in der Geschichte der WM-Finals war."

    1958...Brasilien hat meines Wissens 5:2 im Finale gewonnen, oder?

  • User
  • 10.06.2010 11:41:27 AbteilungAttacke

    Zum fussball:

    Nun könnte man natürlich argumentieren, dass Brasilien 70ig allein schon wegen Pele mehr Qualität als die Italiener 82' besaßen. Aber das sei dahingestellt:

    Die italienische Mannschaft von 70 hatte mit der deutschen Mannschaft von 82 nur gemein, dass beide durch die Overtime des Halbfinales geschwächt waren.

    Ansonsten war 70 nämlich keine "Klatsche", den Italienern gelang immerhin der Ausgleich und bis zum 3:1 kämpften sie mit Verzweiflung, aber immerhin deutlich.
    Zudem bei Brasilien Pele mitspielte.

    Bei den Deutschen verstehe ich nicht, wie wikipedia 82' von einer "ausgeglichenen Halbzeit" reden kann. Von der ersten Minute an waren die Italiener klar überlegen und machten vorm Strafraum was sie wollten. Der Foulelfmeter war nur die klare Konsequenz.
    Von der ersten Minute an "trotteten" die meisten deutschen Spieler über das Feld, nach 45 Minuten war entgültig klar, wie die Sache enden würde. Es zeigte sich, dass auch eine ausgeruhte Deutsche 11 ausgespielt worden wäre. Diesen Satz würde ich für das Finale 70 so nicht unterschreiben.

    Zu Schuster vs. Netzer: Geh halt auch um das Gesamtpaket. Wobei ich natürlich *ätsch* machen könnte und darauf verweisen, dass Netzer trotz 20 Minuten bei der WM 74 Welt- UND Europameister geworden ist. Aber das ist es nicht alleine. Wie Schuster sich aus der N11 verpisst hat, weils nicht genug Kohle gab und dann auch noch 90ig hetzte, die Mannschaft hätte nix drauf.... Sagt eigentlich alles. Von seiner Laufbahn als Trainer ganz zu schweigen. Sein Rauswurf hüben (N11) wie drüben (Real als trainer) muss ihn wohl arg gewurmt haben. Daher nochmals:
    Netzer oder Schuster, ich wüsste wo ich wäre.

  • User
  • 10.06.2010 11:49:26 AbteilungAttacke

    @ Cole

    Ok nochmals für die Definitionsverrückten:

    "Klatsche" ist umgangssprachlich für eine Fussballniederlage meist in höherstelligem Bereich, die sich dadurch auszeichnet, dass eine eundeutig überlegene Mannschaft gegen eine eindeutig unterlegene Mannschaft derart gewinnt, dass die unterlegene Mannschaft dabei gedemütigt und ihre Grenzen aufgezeigt wird".

    WM 58 ging Schweden - als krasser Aussenseiter - sogar 0:1 in Führung ehe Zagallo und Co anfingen zu kapieren, dass dies eben kein Sonntagsspaziergang wird.

    Bei der WM 70ig lobte die internationale Presse den Auftritt Italiens als würdige Verlierer.

    Bei der WM 82 kann ich mich an keinen wirklich positiven Bericht der deutschen Presse erinnern. Beschämt trifft es da schon eher.

  • User
  • 10.06.2010 14:59:37 Catilina

    *seufz*

    Wie man in eine Handbreit Text nur soviel hineininterpretieren kann. Noch einmal: Kommentare unter dem Fischer-Fallrückzieher-Artikel lesen.

    Übrigens, Breitner bestritt, wie übrigens auch Kaltz, Augenthaler und Hrubesch, nach der WM 1982 kein einziges Länderspiel mehr - wegen Derwall. Das war der Lohn, den Derwall dafür erhielt, daß er den Spielern Staubzucker in den Hintern geblasen hat.

    Breitner war mächtig, solange er aktiv war. Max Merkel hat in Anspielung darauf mal den Vorschlag gemacht, den FC Bayern in FC Breitner umzubenennen. Von Beckenbauer war beim FCB damals nicht die Rede, obwohl der Franz ja schon lange von seiner ersten US-Tournee heimgekehrt war und seit Sommer 1982 auch nicht mehr beim HSV unter Vertrag stand.

    1983 bestritt Breitner sein Abschiedsspiel mit allerlei Fußballprominenz (u.a. Zico, Edinho) und verschwand danach von der Bildfläche, um sich allenfalls noch hin & wieder als BILD-Kolumnist lästig zu machen.

    Der DFB hat Schumacher dann wegen seines Buches gefeuert, warum hätte man ihn nicht wegen der Battiston-Sache suspendieren können ? Wenn Beckenbauer in Sachen Battiston sensibler war, hätte er zum Beginn seiner Amtszeit den Torwart austauschen können. Ist ja nicht unüblich, daß Trainer sowas machen - nicht nur aus sportlichen Gründen (Avram Grant hat sich, als er Chelsea übernahm, den Ballack als Verbündeten gesucht, der daraufhin hinter vorgehaltener Hand The Jew genannt wurde).

  • User
  • 10.06.2010 15:03:28 ColePorter

    @Attacke:

    Es ging mir vielmehr darum, dass das deutsche 1:3 dementsprechend die DRITThöchste "Klatsche" der WM-Finals war.

  • User
  • 10.06.2010 15:27:41 AbteilungAttacke

    @ Cole Arg na jut na jut war es alt die DRITThöchste Klatsche ... zumindest vom Ergebnis her...

    @ Catilina

    Öhem meinstest du mit Augenthaler Fischer ? Anyway:

    Dass werfe ich dem Beckenbauer auch bis heute vor, dass er Schumacher nicht aussortiert hat - es passte aber leider zu seinem pragmatischen Naturell ("Ja Mei, der Battiston kriegt die Zähne auch net davon wieder, wenn ich den Toni nun rausschmeiss...)

    Nun hab ich auch endlich die Fischer-Fall-Rückzieher-bemerkung gelesen (diese unverschämte Wasserbeutelgeschichte hatte ich schon wieder vergessen...) und werde dann nicht schlau, wie du irgendwas positives an der Truppe von 82' finden kannst.


    Und zu Breitner: Glaubst du ernsthaft, dass Breitners Einfluss oder anderer Etablierter über Nacht verschwand, sobald er seine aktive Laufbahn beendete und weil er nicht sofort eine Bildkolummne hatte ? Das ist doch immer das gleiche, sei es Herberger bei der WM 74 oder Schuster bei der WM 90 - natürlich haben diese Leute Einfluss auf öffentliche Meinung (mehr) und auf das Verhalten des jeweiligen Bundestrainers (weniger und indirekt)

    Die Boulevardpresse, daran meine ich mich 84' zu erinnern, die sich auf Derwall eingeschossen hatte, bezog nicht wenige ihrer Kritikpunkte gerade auch von ehemaligen Spielern wie Breitner oder Kaltz.
    Und da soll mir keiner sagen, dass Beckenbauer da nicht auch den Atem von Schumacher und Co im Nacken hatte.

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