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05.02.2012

Eine Ode an den UEFA-Cup

Schattenspiele im Streiflicht

Text: oliver zeyen  Bild: Imago

Dröge, glanzlos, unlukrativ. Das Image des Uefa-Cups ist so schlecht wie der europäische Fußballverband reich. Eine Ode auf den spannendsten Wettbewerb im internationalen Fußball.

Eine Ode an den UEFA-Cup - Schattenspiele im Streiflicht


Was hat dieser Pokalwettbewerb nicht schon für Schmähungen erfahren. Seit Franz Beckenbauer den Uefa-Pokal zum »Cup der Verlierer« degradierte, folgte ein Abgesang auf den nächsten. Die offen zur Schau getragene Unlust des Trainers von St. Etienne auf die Achtelfinalpartie gegen Werder Bremen nahm das Nachrichtenmagazin Focus gleich zum Anlass, über die »Witzveranstaltung Uefa-Cup« zu berichten.



Die Imageprobleme des Pokals, der aus Schalkern einst »Eurofighter« machte und die Leverkusener 1988 zur finalen Aufholjagd gegen Barcelona anspornte, werden immer wieder durch die gleichen Argumente befeuert: zu wenig Glamour, zu viele Spiele, zu wenig Spannung. Ab kommender Saison soll der neue Name »Uefa-Europa-League« zu einem »gesteigerten Marktwert« des Wettbewerbs gegenüber der Champions League führen.

Der Mythos der Unberechenbarkeit

Doch der Uefa-Cup braucht weder einen neuen Namen noch ein neues Image. Er hat sich längst zum erfrischenden Kontrastprogramm zur Champions League etabliert. Während die versammelte Riege internationaler Stars ihre Klubs in der Königsklasse zu so erfolgreichen wie vorhersehbaren Ergebnissen führen, sterben die Favoriten im Uefa-Pokal ein ums andere Mal. Im Schatten des Rampenlichts hält sich der Mythos der Unberechenbarkeit des Fußball-Geschäfts.

Mit den Glasgow Rangers, Espanyol Barcelona, dem FC Middlesbrough und ZSKA Moskau haben es in den vergangenen Jahren gleich vier Mannschaften ins Finale geschafft, die keines der großen Wettbüros mit bescheidenen Quoten versehen hatte. Die Champions-League bot dagegen so viele Überraschungen wie ein 0:0 zwischen dem AC Mailand und Juventus Turin.

Damit ist der Uefa-Cup nicht nur anarchistischer Ergebnislieferant, sondern auch Hauptinstitution fußballerischer Breitenbildung. Wie sonst hätten Fußballfans weltweit von den Torjägerqualitäten Massimo Maccarones oder Raúl Tamudos erfahren sollen. In einschlägigen Online-Enzyklopädien haben somit auch solche Spieler die Chance auf den Zusatzeintrag »Europapokalheld«.

Vermeintliche Underdogs auf Augenhöhe

Wenn man so will, ist der Uefa-Cup ein Relikt der alten Fußballwelt, in der Stadien nicht wie Ufos aussahen, und Leistungsschwankungen alltäglich waren. Die als Wunder gefeierten Rückspiele in Getafe (Bayern München) und Mailand (Werder Bremen) sind Ausdruck solcher Formverirrungen – Ausdruck eines Wettbewerbs, der nicht halb so langweilig wie sein Ruf ist.

Auch in dieser Saison beweist er sein Potential. Bereits nach der ersten Runde verabschiedeten sich Klubs wie der FC Everton, SSC Neapel und Borussia Dortmund von ihren Europapokal-Träumen. Auch der FC Sevilla und der AC Mailand schieden vorzeitig aus. Und das nicht etwa, weil diese Teams den Uefa-Cup so stiefmütterlich behandeln wie St, Etienne, sondern weil ihnen vermeintliche Underdogs auf Augenhöhe begegneten.

Die Einschaltquote der Achtelfinalpartie zwischen Galatasaray Istanbul und dem Hamburger SV bescherte dem ZDF mit einem Marktanteil von 18 Prozent die meistgesehene Sendung des Donnerstags. Und auch die ausgelosten Viertelfinalbegegnungen versprechen ausreichend Aufmerksamkeit, um die Schattenspiele mit mehr als nur Streiflicht zu versehen.






Kommentare

  • User
  • 20.03.2009 17:49:26 kigger

    Der Chefredakteur des Focus speist am Tisch des FC Bayern nach dessen Spiel in Lissabon und wohl auch einigen anderen. Klar, dass man da schon mal die Meinung eines der Gastgeber übernimmt. "Wes' Kaviar ich ess', des' Lied ich sing." Oder es haben sich einfach zwei gefunden, die sich gerne reden hören, was auch immer. "Fakten, Fakten, Fakten."

  • User
  • 20.03.2009 23:18:26 MrGrinch

    Spannender als die CL ist der Uefa Cup auf jeden Fall. Nur trifft das auf die 2. Liga gegenüber der Bundesliga in vielen Jahren auch zu.
    Der mit Abstand hochklassigere FuBa wird aber in der CL gespielt.
    Das Problem des Uefa Cups ist das er im Prinzip jetzt erst richtig losgeht. Diese komische Gruppenphase und die fehlende Übertragung vieler Spiele im TV werten den Wettbewerb schon ziemlich ab. Zudem muss ich beim Uefa Cup immer an die grausigen Auftritte von Hertha in den letzte Jahren denken...

  • User
  • 21.03.2009 00:11:09 Diego K

    In der CL spielen einfach immer die selben Mannschaften, in den selben Stadien vor den selben austauschbaren Fantribünen. Jetzt gibt es schon wieder ein Viertelfinale zwischen Chelsea und Liverpool, langweilig. Ich mag den UEFA Cup einfach viel lieber, weil man dort viel eher neue Mannschaften, Spieler und Fan(s)(kulturen) kennenlernt.

    Mit der Gruppenphase hat sich die CL ihr eigenes Grab geschaufelt, die alljährige Wiederholung von den sog. Jahrhundertspielen zwischen Liverpool United gegen AC Barcelona (beliebig austauschbar) nutz sich einfach ab und ist reine Geldmacherei. Die einzige Lösung in meinen Augen wäre die Rückkehr zur KO Runden in der ersten Phase, mit mehr europäischen Landesmeistern anstatt dem vierten aus der PL und der La Liga. Ich bin mir des Qualitätsverlust bewusst, dennoch bin ich der Meinung das die Cl dadurch langfristiger attraktiver wird. Eigentlich war ich immer sicher das Platini ähnlich denkt, doch die neuen Disskussionen über eine Einführung einer richtigen Europaliga mit den TOP 10 der eurpäischen Mannschaften gelöst von ihren nationalen Ligen lässt mich einfach erschaudern und wäre mein persönliches Horrorszenario.

    Zurück zum Uefacup. Ich fand ihn letztes Jahr, obwohl oder vielleicht auch gerade wegen des praktizierten Antifussballs der Rangers, sehr erfrischend und fussballerisch interessant. Dieses Jahr wurde er noch an interessanten Mannschafen, spannnende Spiele und überraschenden Ergebnissen übertroffen.
    Vielleicht liegt es auch daran das der Uefa Cup die einzige europäische Bühne des deutschen Fussballs geworden ist, wo wir uns auf Augenhöhe mit den Franzosen, Türken, Russen und Ukrainern messen können. Wer weiss? Aber ich kann dem Artikel nur zustimmen, der UEFA Cup ist bei weiten nicht so schelcht wie gemacht wird, aber im Prinzip gehts den wahren Fan ja sowieso nur um seine Mannschaft egal in welchem Wettbewerb sie spielt.

  • User
  • 21.03.2009 10:08:46 Knautz

    Der UEFA Cup war geil und hoffentlich ist die neue Europaliga dann auch so spannened auch wenn die Gruppenphase in einem neuen Modus gespielt wird das wird bestimmt total cool.
    Denn der Wettbewerb neben der Championsleague ist einfach spannender und es kommen wie dieses Jahr auch mal Osteuropäische Länder ganz weit die spielen auch gut und die
    Spieler von dehnen sind besser als so mancher zugeben will.
    Da muss man ja nur mal auf Schachtjor Donezk aus der Ukraine
    schauen der Brasilianer Luiz Adriano und der Bolivianer Marcelo Moreno sind echt gute Offensiv Allrounder und hinten sind die auch nicht schlecht besetzt und wenn die dann in den Internationalen Wettbewerben immer mal weit kommen haben die auch Geld um noch bessere Spieler zu holen.

  • User
  • 21.03.2009 11:46:46 UrmelAusmEis

    Diego, ich hätte Dir ja fast zugestimmt. Dann kam ich zu diesem Satz:

    "Vielleicht liegt es auch daran das der Uefa Cup die einzige europäische Bühne des deutschen Fussballs geworden ist, wo wir uns auf Augenhöhe mit den Franzosen, Türken, Russen und Ukrainern messen können."


    Im UEFA Cup liegen wir auf Augenhöhe mit England, Spanien und Italien. Tatsächlich, und das schon seit Jahren.

    Deine "Franzosen, Türken, Russen und Ukrainer" hingegen wären froh, wenn sie in irgendeinem Wettbewerb längerfristig mit uns auf Augenhöhe lägen.

  • User
  • 21.03.2009 13:36:21 Rotorducks95

    Was soll eigentlich das Bild zum Artikel?? Sieht mir sehr nach einem Spiel der italienischen Meisterschaft zwischen Milan und Sampdoria Genua aus...okok, lasst mich sudern..
    Ich finde UEFA-Cup deutlich interessanter als die CL, und die Argumente meinerseits ähneln denen meiner Vorschreiber aufs Haar..jede Saison die annähernd gleiche Besetzung in der finalen Phase der CL, und oftmals sind die Spiele um nichts interessanter oder spannender als im UEFA-Cup.Und auch wenn das CL-Niveau sicher höher anzusiedeln ist..es fehlt einfach die Abwechslung, und die ist einfach ein wichtiger Teil des Vergnügens des gemeinen Fans am Fußball.Sollte die Europaliga tatsächlich kommen..nein, daran
    will ich keinen Gedanken verschwenden, die Mehr-Klassen-Gesellschaft gibt es bereits, und sie würde sich nur noch verstärken.
    Aber was,pfeifdrauf, sollen doch Chelsea, Juve, ManU, Milan, und die drögen Bayern ihre Spiele gegeneinander runternudeln, wie einst Berlin und Weißwasser in der Eishockey-Oberliga des Arbeiter und Bauern-Staates und sich dabei sattkicken bis zum Kotzen...

  • User
  • 21.03.2009 20:14:23 antiantianti

    Stichwort höheres Niveau in der CL - das drückt sich letztendlich oft genug in taktischem Geplänkel aus, gerade in den Finalspielen zwischen besagten Top-Teams. Langweilt oft genug, wenn man als neutraler Zuschauer nicht unbedingt ein Team siegen sehen will, sondern sich einfach nur ein gutes Fußballspiel verspricht.

  • User
  • 21.03.2009 20:19:08 Der Terrier

    Das müsste tatsächlich AC Mailand gegen Sampdoria Genua sein...

    Ich tipp auf UEFA Super Cup Finale 1990:
    Hinspiel ging 1:1 aus. Das müsste das Rückspiel sein und zwar das 1:0 durch Gullit (Endstand 2:0).

    Also doch nicht italienische Liga...

  • User
  • 21.03.2009 20:26:03 MarcRamone

    Ein neuer Name macht einen Wettbewerb nicht besser.

    Was den UEFA Cup so abwertet und ihm einen faden Nachgeschmack andichtet ist die Regelung, dass Mannschaften aus der Champions League nach verlorener Gruppenphase in den UEFA Cup absteigen. Das klingt demütigend und ist auch so.

    Zudem kommen zu viele Mannschaften aus zu schlechten Tabellenregionen in den UEFA Cup. Es wird regelrecht ein Rest reingestopft. Eine Qualitätsminderung.

    Hinzu kommt, dass die eingeführte Gruppenphase im UEFA Cup den Schwung und die Spontanität nimmt.

    Der UEFA Cup könnte jedoch (wieder) hochinteressant sein!

    Er bietet uns Fans und den Zuschauern der UEFA Cup bei direkter K.O. Runde ein absolutes Spektakel, man findet noch den leichten "Schmuddel" etwas weg vom Hochglanz und Exotik wechselt sich mit Standard ab, d.h. bei Spielpaarungen liest man unaussprechliche Namen neben bekannten Größen. Angenehm ist auch, dass es kaum wiederholende Begegnungen gibt. In der CL interessieren die Paarungen teils schon gar nicht mehr. Zuimndest Außenstehende bzw. neutrale Fans nicht.

    Er könnte ein wirkliche Alternative sein.

  • User
  • 22.03.2009 17:52:02 eilenwitz

    Alles gut und schön, aber worum geht es im internationalen Fußball? Schöne Spiele, inetressante Begegnungen, Spannung? Neien, es geht um Geld!
    Und da die "Großen Clubs" überhaupt kein Interesse haben nicht in der CL zu spielen, wurde so lange ein Modus gesucht, der sicher stellt, daß die "Großen Clubs" auch ja immer dabei sind.

    Wie lange könnte sich zum Beispiel Chelsea sich leisten nicht in der CL zu spielen, oder noch krasser Liverpool? Ebent.

    Um das alles spannender zu gestalten und damit für "uns Fans des gepflegten Spiels" auch interessanter, sollten nur die Meister der besten 5 oder 6 Länder der UEFA Wertung gesetzt werden.

    Alle anderen spielen eine Quali, wie auch immer die aussieht. Und dann gibt es eine Gruppenphase, damit auch die Geldzähler zu ihrem recht kommen. Dann KO Runden wie gehabt.

    Alle die die Quali zur CL nicht geschafft haben spielen UEFA Cup oder EURO League oder wie immer der Wettbewerb heißt, nur KO Runden.

  • User
  • 22.03.2009 18:31:51 eilenwitz

    Vergeßt meine Vorschlag zum Modus CL. Nicht zu Ende gedacht...

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