Als Schalke 1997 den Uefa-Cup gewann
Yyyyyyves: »Ich fand es befremdlich«
Text: oliver zeyen Bild: Imago
Vor 14 Jahren gewann der FC Schalke 04 den Uefa-Cup gegen Inter Mailand – nun kommt es zum Wiedersehen im CL-Viertelfinale. Wir sprachen mit dem damaligen Publikumsliebling Yves Eigenrauch über das Finale 1997 und seinen Zweikampf mit Ronaldo.
Yves Eigenrauch, schon Stunden vor dem Spiel wurde die Mailänder Innenstadt von über 30.000 Schalke-Fans bevölkert. Haben Sie davon etwas mitbekommen?
Yves Eigenrauch: Wir waren in einem Hotel außerhalb von Mailand untergebracht, etwa eine dreiviertel Stunde Fahrzeit vom Stadion entfernt, von daher haben wir in Mailand nichts davon gemerkt. Aber natürlich hatten wir in den Tagen und Wochen zuvor die starke Euphorie in Deutschland gespürt.
Hätten Sie es gerne ein wenig »volksnäher« gehabt?
Yves Eigenrauch: Für mich hätte es durchaus lockerer sein können. So hatten wir nur die Reise vom Flughafen über das Hotel und den Trainingsplatz zum Stadion.
Von Mailand haben Sie nicht viel gesehen?
Yves Eigenrauch: Nein, die Stadt habe ich nur durch die Busfahrt kennengelernt.
War Ihnen die enorme Bedeutung des Spiels für den Verein vorher bewusst?
Yves Eigenrauch: Ich muss zugeben, dass ich das etwas naiv gesehen habe, das heißt, die Bedeutung, die das Spiel eventuell für den Verein oder uns Spieler haben könnte, habe ich vor dem Spiel gar nicht gefasst. Es war für mich ein Spiel, das ich gewinnen wollte.
Nach dem hervorragenden Hinspiel, das mit einem 1:0-Heimsieg endete, hatte Schalke schon eine Hand am Pott – so las man es zumindest in vielen Zeitungen. Standen Sie, als Verteidiger, nach diesem Hinspielergebnis unter besonders hohem Druck?
Yves Eigenrauch: Nein.
85 Minuten verteidigte die Schalker Hintermannschaft exzellent, doch dann genügte eine Unachtsamkeit und Zamorano egalisierte das Hinspielergebnis. Ein Schock für die Sie?
Yves Eigenrauch: Das war insofern für mich persönlich unerfreulich, als dass mein Gegenspieler in dieser Situation mit dem Kopf verlängerte.
Wissen Sie noch welcher Gegenspieler das war?
Yves Eigenrauch: Keine Ahnung, irgendjemand von Inter Mailand.
Wie hat die Mannschaft reagiert?
Yves Eigenrauch: Es ist natürlich bitter, wenn man so kurz vor dem Ziel steht und dann so ein Gegentor bekommt, das sehr unglücklich gefallen ist. Interessant war damals: Ich habe vorher noch nie so eine Lautstärke des Publikums miterlebt. Die Mailänder Zuschauer haben alle angefangen zu pfeifen, dass war echt immens.
Zu pfeifen?
Yves Eigenrauch: Ich weiß nicht ob das dort irgendeinen traditionellen Hintergrund hat, auf jeden Fall haben die alle angefangen ohrenbetäubend laut zu pfeifen.
Waren Sie nach 90 Minuten niedergeschlagen oder zuversichtlich? Die Chance auf den Titel war ja noch da.
Yves Eigenrauch: Meine eigenen Gedanken habe ich nicht mehr im Kopf, aber wenn ich mir vor Augen halte, wie die anderen Spieler reagiert haben, dann war da keine Niedergeschlagenheit vorhanden, sondern es wurde daran geglaubt, dass wir es jetzt in der Verlängerung oder im Elfmeterschießen schaffen.
In der Verlängerung hatte Inter noch eine Riesenmöglichkeit...
Yves Eigenrauch: Ein Inter-Spieler hätte mit einem Heber über Jens Lehmann fast das zweite Tor gemacht, er hat aber zum Glück nur die Latte getroffen.
Das Elfmeterschießen musste die Entscheidung bringen. Sie wollten nicht schießen?
Yves Eigenrauch: Das stand gar nicht zur Diskussion, weil auch wir unsere entsprechenden Spieler hatten, die für einen Elfmeter in Frage kamen. Dazu gehörte ich nicht, das entsprach auch nicht meinen Qualitäten.
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