Horst Eckel über das Regen-Endspiel 1954
»Alles Herberger-Taktik«
Interview: 11FREUNDE Bild: Imago
Nachdem es in der Vorrunde der WM 1954 eine 3:8-Klatsche gegen Ungarn setzte, waren sich die Buchmacher sicher: Puskas und Hidegkuti würden Herbergers Elf aus dem Wankdorfstadion schießen. Wir fragten Horst Eckel, warum alles anders kam.
Horst Eckel, in der Vorrunde der WM 1954 sind Sie gegen Ungarn noch sang- und klanglos untergegangen. Haben Sie vor dem Finale überhaupt an einen Sieg geglaubt?
Horst Eckel: Wir haben alle dran geglaubt. Das 3:8 war keine normale Niederlage, wir haben ja nicht mit der ersten Mannschaft gespielt. Das gehörte zur Taktik von Sepp Herberger. Vor dem Endspiel waren wir einen großen Schritt weiter, unser Selbstvertrauen war so groß, dass wir gesagt haben, wir wollen nicht Vizeweltmeister werden, wir wollen jetzt Weltmeister werden.
Während des Endspieles regnete es ununterbrochen. Wie wichtig war das Wetter für Sie?
Horst Eckel: Ich habe bei Regen wie bei Sonnenschein gerne gespielt. Das war beim Fritz natürlich anders, gerade bei Regen konnte er seine Technik besonders ausspielen. Deshalb war das Wetter schon ein Vorteil für uns.
Es heißt immer, dass die Deutschen wegen der besseren Schuhe im Vorteil waren...
Horst Eckel: Das kann gar nicht sein. Schon vor Spielbeginn hat es leicht geregnet, da hatten die Ungarn auch noch die Möglichkeit, die kleinen Stollen runter und neue drauf zu machen. Wir hatten die Schraubstollen, damit ging es eben etwas schneller. Aber mit dem Spielausgang hat das überhaupt nichts zu tun gehabt.
Was ging Ihnen durch den Kopf, als die Ungarn schon nach acht Minuten mit 2:0 in Führung gingen?
Horst Eckel: Das war schon eine kritische Situation, aber unser Selbstvertrauen war so groß, dass wir uns sicher waren, auch das 0:2 aufholen zu können. Es war natürlich auch ein bisschen Glück dabei, dass wir gleich den Anschluss geschafft haben und sofort zum 2:2 ausgeglichen haben, womit das Spiel für uns wieder von vorne begonnen hat.
Nach dem Ausgleich haben die Ungarn einen höllischen Druck entfacht. Galt es in dieser Phase, nur das Unentschieden zu verteidigen oder haben Sie auch selbst auf ein Tor spekuliert?
Horst Eckel: Wir wollten vor der Pause noch ein drittes Tor machen, es gelang uns aber nicht, die Partie war ziemlich ausgeglichen. In der Kabine haben wir uns gesagt, jetzt gehen wir raus und werden Weltmeister. Die Ungarn dagegen haben die Köpfe schon ein bisschen hängen lassen und das haben wir ausgenutzt.
Sie kamen im Turnierverlauf auch als Mittelstürmer zum Einsatz und im Finale dann wieder als rechter Läufer. Wie zufrieden waren sie mit ihrer eigenen Leistung?
Horst Eckel: Nur beim 3:8 gegen Ungarn wurde ich mal im Sturm eingesetzt, sonst habe ich immer nur auf meiner Position gespielt. Und im Finale musste ich ja auch noch gegen Hidegkuti spielen, den Kopf der ungarischen Mannschaft.
Viele glaubten Puskas sei der zentrale Mann der Ungarn gewesen.
Horst Eckel: Nein, nicht Puskas war der Kopf, Hidegkuti war für die Ungarn das, was Fritz Walter für uns war. Absolut kaltstellen konnte ich ihn natürlich nicht, aber er hat kein Tor gemacht und er kam nicht so zum Zug, wie das in den vorigen Spielen der Fall war. Ich war jung, er war acht oder neun Jahre älter und darum war ich immer einen Schritt schneller als er.





