Mike Werner über Hansa, Lindenberg und Vokuhilas
»Sah doch gut aus«
Text: Andreas Bock Bild: Imago
Nachdem der DDR-Oberligaprofi Mike Werner im Schulunterricht ein Bild mit dem Slogan »Die Mauer muss weg« malt, ist seine Karriere eigentlich vorbei. Bis eines Tages die Scouts von Hansa Rostock vor seiner Tür stehen.
Mike Werner, viele westdeutsche Spieler Ihrer Generation geben die Weltmeisterschaften 1982 und 1986 als Schlüsselerlebnisse in ihrer Fußballsozialisation an. Was waren die prägenden Spiele eines DDR-Fußballers?
Das waren vermutlich dieselben wie bei den Westfußballern. Es war ja nicht so, dass wir von den Spielen, die im westlichen Europa stattfanden, nichts mitbekamen. Als Fußballer war man unglaublich viel unterwegs, gerade auf den Reisen mit den DDR-Jugendnationalmannschaften haben wir ziemlich viel mitgenommen.

Wie erlebten Sie die EM 1988 in Deutschland?
Ich stand damals bei Vorwärts Frankfurt unter Vertrag, einem der großen Armeeklubs. Dort war natürlich alles Westliche verpönt und die verantwortlichen Herren achteten penibel darauf, dass auch ja niemand gegen Regeln verstößt. Wir mussten die Spiele also heimlich schauen. Einer von uns hockte an der Tür und horchte, die anderen saßen nah des Fernsehers, um gegebenenfalls schnell wegzuschalten.
Und Ruud Gullit wurde 1988 Ihr Idol?
Nein, meine Vorbilder zu der Zeit waren immer Verteidiger, Kämpfertypen, Kanten. So wie ich auch später.
Gibt es diesen Spielertypen heute eigentlich noch?
Heute wird bei Verteidigern viel mehr auf Athletik und Technik geachtet als damals. Zu meiner aktiven Zeit war das nebensächlich – das lag aber auch daran, dass wir früher weniger taktisch gespielt haben. Die Ansage des Trainers lautete: »Renn dem Stürmer hinterher bis zur letzten Minute«. Klassische Manndeckung eben.
Die Hierarchien auf dem Platz waren auch andere.
Als junger Spieler durfte man sich nicht viel herausnehmen, da hat man gar nichts zu sagen. Bälle tragen, Schuhe putzen – das war üblich. Ich tat es bereitwillig, ich wäre eh nie auf die Idee gekommen als 17-jähriger Jungspund, der nur mit Einwilligung meiner Eltern den Profivertrag bei Vorwärts Frankfurt bekommen hatte, groß aufzumucken.
Welchen Stellenwert hatte Fußball damals in der DDR?
Gerade bei den Armeesportvereinen und Polizeisportvereinen wie Dynamo Dresden, BFC Dynamo oder Vorwärts Frankfurt einen sehr hohen. Diese Vereine wurden ja ausschließlich von höchsten Staatsstellen unterstützt, und die wollten natürlich Erfolge sehen, sie wollten sich mit den Vereinen schmücken.
War dieser Wunsch, eines Tages als Fußballprofi sein Geld zu verdienen in DDR nicht ein sehr exklusiver?
Es kam immer darauf an, wo man herkam. Auf den Sportschulen, die ich besucht habe, gab es einfach nichts anderes als Fußball. In meiner ganzen Jugend: nur Fußball. Gerade nach dem Wechsel zu Vorwärts Frankfurt: Plötzlich hießen meine Eltern Trainer und Verein. Es war einfach alles, der ganze Alltag, die Schule, auf Fußball abgestimmt.
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