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25.09.2011

Lexikon der ausgestorbenen Fußballbegriffe

Pausentee und Pferdelunge

Text: Andreas Bock und Dirk Gieselmann  Bild: Imago

Es gab Zeiten, da erquickten sich Fußball-Experten daran, wie filigran ein Spieler das »Spielgerät« am Fuß führen konnte. Sie redeten von »Entmüdungsbecken« und »Übungsleitern«. Lest hier, was sie meinten.

Lexikon der ausgestorbenen Fußballbegriffe - Pausentee und Pferdelunge


Agile, der
Zuletzt gehört im Zusammenhang mit dem Mannheimer Dauerläufer Dimitrios Tsionanis. Der zeichnete sich durch so ziemlich nichts anderes aus, als eben »agil« zu sein. Das war nachfolgenden Generationen zu wenig, sie setzten sich mit den Möglichkeiten auseinander, die sich auftun, wenn man den Ball in sein Spiel einbezieht. So verschwand auch der Titel »der Agile« aus dem Wortschatz der Sportberichterstattung. Ohnehin passte er in seinem Ilias-haften Sound zu niemandem so gut wie zu dem griechischen Hermes vom Waldhof.



Aluminium, das
Eifrige Reporter, die nicht Ball sondern »Leder«, die nicht Schiedsrichter sondern »Mann in Schwarz« sagen, bezeichnen Latte und Pfosten als Aluminium. Zurecht fragt man sich: Wieso? Soll aus der reinen Benennung des Gesehenen eine haptische Erfahrung für den Zuschauer werden, eine Textur-Vorstellung, die einem die schönste Gänsehaut seit dem Elfmetertor von Andi Brehme in Rom 1990 beschert? Oder möchte der Reporter älteren Zuschauern erklären, dass mittlerweile nicht mehr auf Holztore geschossen wird, zugleich er jüngeren Zuschauern vermittelt, dass es sich hier nicht um einen Freizeitkick im Park handelt, bei dem auf Rucksäcke oder gar auf Stöckchen geschossen wird, sondern um ein brisantes Profispiel, um Männer-Fußball, der hart wie Stahl ist?

Anspielstation, die
Klingt nach 70er-Jahre-Standfußball und passt daher nicht mehr zu einem Sportart, in dem Spieler wie Franck Ribéry oder Chinedu Obasi mit 200 Stundenkilometern über den Rasen jagen. Kulturhistorisch nicht verifiziert, stammt das Wort wohl aus einer Zeit, in der Spieler ihren Aktionsradius auf etwa drei Quadratmetern reduzierten. Pallim, nächste Station: Günter Netzer. Der Ball trudelt ein. Pallim, nächste Station: Gerd Müller. Und irgendwann trotteten aus dem Schatten der Flutlichtanlage tatsächlich Ata Lameck oder Matthias Herget und stellten sich neben die nächste oder übernächste Station, bereit, den rasanten Fluss der Stationen ein für allemal zu durchbrechen. Pallim.

»Durch die Hosenträger«
Kann zunächst als pfiffiges – wo wir schon bei Anachronismen sind, hier ein wunderschön veraltetes Adjektiv – Wortspiel verstanden werden: Der Ball geht durch die Beine, die die Hosen tragen. Bela Rethy vertrat indes die These, dass die Hosenträger tatsächlich diese elastischen Gummidinger sind, die man mit einem metallenen Schnappverschluss an der Hose befestigt und sie über die Schultern spannt. Er erkannte also eine Widersprüchlichkeit und kräht seither bei Tunneln oder Schüssen, die dem Torhüter nah am Unterkörper durchrutschen: »Durch die Unterhose! Durch die Unterhose!«

Entmüdungsbecken, das
Der Ort, wo erschöpfte Helden gern mal den Schniedel in der lauen Strömung baumeln ließen – und auch keine Scheu zeigten, wenn das Kamerateam von »ranissimo« spontan draufhielt. In Zeiten der verwissenschaftlichen Spielnachbereitung ist das Entmüdungsbecken jedoch anscheinend aus der Mode gekommen, zu groß ist die Gefahr, dass angerissene Sehnen u. a. durch Wärmezufuhr ins Überdimensionale anschwellen.


weiterlesen [1] [2] [3]





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Kommentare

  • User
  • 29.06.2009 06:19:07 Würzburger

    Naja also Aluminium ist doch keineswegs ausgestorben? Oder bin ich der Einzige der dieses Wort noch in den Mund nimmt? Und wie viele Spieler suchen immernoch nach der Anspielstation?

  • User
  • 29.06.2009 07:17:57 gelsenkirchen

    wahrlich ein überflüssiger artikel. hauptsache zeilen vollbekommen...
    liebe redaktion: habt ihr echt überhaupt keinen letzten restanspruch mehr auf qualität???????

  • User
  • 29.06.2009 07:54:56 saloth sar

    ihr seid aber mir iwieder sehr kritisch!

  • User
  • 29.06.2009 09:32:28 calimero

    und du bist mir am 26.06. hängen geblieben?

  • User
  • 26.01.2010 15:00:21 Rautenherz

    Ja, manche der gewählten Begriffe sind etwas bemüht.
    Die Idee ist ja ganz lustig: ich etwa spielte gern im blauen "Jersey"

  • User
  • 26.01.2010 18:45:20 balabala

    ...bei uns wurden vor dem Spiel noch die roten "Leibchen" verteilt.

  • User
  • 31.01.2010 11:25:43 mischkaarndti

    naja...alles ein bißchen zu sehr an den Haaren herbeigezogen...
    Tipp: Genauer hinhören, vieles wird oftmals noch gesagt.

    Der große Bruch im Wortschatz der Moderatoren kam mit dem Abgang von Rubenbauer & Co. Die haben während der Länderspiele die aufgezählten Worte mehrfach genannt.

  • User
  • 17.12.2010 22:10:18 Rafael Thunderfart

    Nicht zu vergessen:

    "der baumlange Abwehrrecke"

    (= jeder Verteidiger über einsfünfundsiebzig)

    Nie aus der Mode kommen wird wohl die Unart, einen während der ersten 10 Minuten abgegebenen Schuß, der das Tor um weniger als 5 m verfehlt, einen

    Warnschuß

    zu nennen.

  • User
  • 18.12.2010 01:06:08 GTEvo

    anz Gebälck.....

  • User
  • 18.12.2010 18:15:12 bataplummy

    Keineswegs überflüssig: Ich sach nur mal "den Pass in den freien Raum". Für Ausländer eigendlich sehr attraktiv. Bekommt ne ganz eigene Bedeutung. Und ich glaube man sollte die Posts nach Jahrgängen sortierten.

  • User
  • 18.12.2010 18:16:13 bataplummy

    Und sofort hinterher: Die Torkanone

  • User
  • 18.12.2010 23:08:52 AntiMöller

    Musste lachen! Aber für so eine Rubrik, gibt es schon die legendäre Sammlung hier: "WORTSCHATZ"

  • User
  • 14.01.2011 14:04:05 Yvy

    Auch wenn's mir keiner der jüngeren Leser glaubt:
    Rubenbauer wurde früher tatsächlich als Kommentator für wichtige Spiele, also Halbfinals und Endspiele eingesetzt.

    Mit seiner ekligen Nasalstimme, die einem jegliches Sportevent gründlich versaut hat, gab er irgenwann zum Besten: "Die Vielbeinigkeit der deutschen Abwehr"

    Ich sags euch... kein Rethy dieser Welt kann so nerven

  • User
  • 14.01.2011 14:12:00 gelsenkirchen

    rubenbauer war doch super, der konnte noch wengstens sowas wie emotionen transportieren, eine situation mit der ihr angemessenen dramatik verbal unterfüttern (auch heute noch beim ski-abfahrtslauf gerne praktiziert!). unvergessen das rausgeblökte "jaaaaaaaaaaaaaaaaaa!!!" nach brehmes verwandelten elfmeter.

  • User
  • 14.01.2011 14:14:40 Haensgen vom Deich

    Wer Wintersport auf den Öffis statt auf Eurosport guckt der hat aber auch gar nix von Kommentatoren verstanden. Meine Meinung!

  • User
  • 14.01.2011 14:17:30 gelsenkirchen

    ich gucke gar kein wintersport, jedenfalls nicht bewusst. manchmal bleibe ich beim zappen hängen. biathlon, langlauf, eisschnelllauf, rodeln, bob, eistanz, buckelpiste... wer guckt sich sowas ernsthaft an und fiebert mit?

  • User
  • 14.01.2011 14:22:51 Karpfenluder

    @Haensgen, sicher hast Du Recht, doch leider werden die Sendungen durch Werbung unterbrochen. Dann schalteste automatisch wieder zurück zu den Öffentlichen. Hinzu kommt auch noch, das ARD und ZDF zusätzlich eigene Kameras einsetzen, um die deutschen Teilnehmer öfters ins Bild zu setzten. Also bleibt einem ja schon fast nix anderes übrig, als im Ersten bzw. Zweiten zu gucken.

    @gelse, ICH!

  • User
  • 14.01.2011 14:40:06 Haensgen vom Deich

    Die Werbung ist doch eh nur kurz bei Eurosport. Einziges Plus für die Öffis ist, dass sie in HD senden...

    Und ich muss schon sagen, so hin und wieder zieh ich mir das wohl auch rein. Konzentriere mich da auf Alpin und Biathlon. Skispringen hat ja mal so gar nix mehr. Früher, da zog sich das "ziiiiiiieeeeh" auch mal durch's Wohnzimmer.

  • User
  • 14.01.2011 14:47:51 Karpfenluder

    Aber gerade beim kurzweiligen Biathlon (nicht war Hotte, höhö...) geht mir, wenn auch nur kurze Werbung, das dermaßen auffe Eier, da drückisch Knopf. Auf Eurosport, und da mußte mal drauf achten, zeigen sie fast nur Bilder vom Schießstand. Der Rest vonner Laufstrecke geht meistens inner Werbung komplett unter, speziell auf den kürzeren Damenstrecken.

  • User
  • 14.01.2011 14:54:10 Haensgen vom Deich

    Aber das Schießen ist ja auch das einzig Interessante beim Biathlon. Sonst kann ich ja auch Langlauf gucken und das ist (mit Ausnahme vom Sprint) ja auch langweilig. Aber jedem das Seine, nech.

  • User
  • 14.01.2011 15:27:02 L3v3l0rd

    Einziges Plus für die Öffis ist, dass sie in HD senden...
    Was ja bekanntlich nur was bringt, wenn man es auch in HD empfangen kann. Also mir zum Beispiel nicht.

  • User
  • 14.01.2011 15:47:18 Haensgen vom Deich

    Ich bin vor kurzer Zeit in die HD-Liga aufgestiegen... Hat schon was!

  • User
  • 14.01.2011 15:52:36 gelsenkirchen

    mir fiel bei der wm auf: diese spielstandgrafik war auch nur per HD zu erkennen. meine alte röhre konnte das nicht so darstellen dass ich es lesen konnte.


    skispringen... der mediale tritt in die eier.

  • User
  • 14.01.2011 16:04:05 calimero

    das warte auf günstigen wind beim ski springen. spannender gehts nimmer. ganz großer sport.

  • User
  • 14.01.2011 16:05:49 gelsenkirchen

    ich hatte noch vor ein paar monaten eine besichtigung der adlerschanze und des hinterzartener skimuseums. durchgeführt von georg thoma.

  • User
  • 14.01.2011 22:37:52 Seppster

    Vor ca. 1 Minute hat Beckmann "durch die Hosenträger" fallen lassen.

  • User
  • 26.09.2011 00:40:09 Capocannoniere

    Anspielstation ist mitnichten ausgestorben, sie erfreut sich, im Gegenteil, der allerbesten Gesundheit. (Vor-)gestern erst ist sie von 2 verschiedenen Sportschau-Kommentatoren bemüht worden.

    Anspielstation (die Station, an der man spielt) könnte auch eine mißlungene Eindeutschung von PLAYSTATION sein.

  • User
  • 26.09.2011 20:51:29 jago98

    Ribery auf Toni? (siehe Leder,das)

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