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07.10.2010

Erdal Keser im Interview

»Der Familienstolz entscheidet«

Interview: Claus Vetter  Bild: Imago

Erdal Keser spielte für Borussia Dortmund und Galatasaray Istanbul. Ab 1998 baute er das Europabüro des türkischen Verbandes mit auf. Hier erklärt er, warum in Deutschland geborene Türken lieber für die Heimat der Eltern spielen.

Erdal Keser im Interview - »Der Familienstolz entscheidet«


Herr Keser, bei der EM sind nur noch zwei Spieler im türkischen Kader in Deutschland geboren. Das waren ja schon mal mehr, zu Ihren Zeiten als Späher, oder?

Ja, das leidet ein bisschen, seitdem ich das nicht mehr mache. Das ist schade, denn in den nächsten fünf bis zehn Jahren gibt es sehr viele gute Spieler in Europa mit türkischen Wurzeln.



Wie haben Sie es überhaupt geschafft, Spieler wie die Altintop-Zwillinge zu motivieren, für die Türkei zu spielen?

Natürlich haben wir uns für die Spieler schon interessiert, bevor sie in der Bundesliga den Durchbruch geschafft haben. Und dann haben wir an die Familien, an den Stolz der Eltern appelliert. Denen war das schon wichtig, für wen ihre Söhne spielen. Aber letztlich ist es doch immer die Entscheidung des Einzelnen. Wir haben da eben die richtigen Spieler entdeckt, der Deutsche Fußball-Bund hat sich damals eben zu wenig darum gekümmert. Dann waren die Talente eben weg. Aber das hat sich geändert. Und außerdem: Inzwischen hat doch auch fast jedesTeam seinen Brasilianer. Wir haben einen, die Polen, die Deutschen...

Die Nationalteams verpflichten ihre Spieler nach dem Muster von Klubmannschaften...

Stimmt. Wenn das so weitergeht, wird sich der Weltverband wohl etwas einfallen lassen. Aber das internationale Denken setzt sich durch.

Bei den in Deutschland geborenen Türken scheint das aber nicht der Fall zu sein. Die wollen nicht für Deutschland spielen, oder?

Oft noch nicht. Aber Kinder aus der dritten oder vierten Generation könnten als Eltern anders denken als ihre Eltern heute. Außerdem ändert sich ja schon etwas. In der Schweiz sind inzwischen drei türkischstämmige Spieler die Leistungsträger im Nationalteam, in der österreichischen Mannschaft spielt mit Ümit Korkmaz ein ganz großes Talent. In Deutschland gab es ja auch schon einen türkischstämmigen Nationalspieler, den Mustafa Dogan.

Aber das ist neun Jahre her und Dogan hat nur zwei Länderspiele gemacht.

Stimmt, dann nehmen wir halt Mehmet Scholl als Beispiel (lacht).

Der ist ein Scheidungskind. Scholl hat eine deutsche Mutter und hat seinen leiblichen Vater erst vor wenigen Jahren kennengelernt.

Dann hat er eben türkische Gene. Nein im Ernst: Ich glaube schon, dass es bald in Deutschland auch einen Spieler mit türkischen Wurzeln geben kann. Der Erdal Kilicaslan war ja auf dem besten Wege dahin. Er war sogar Kapitän des deutschen U21-Teams und wurde bei Bayern München schon als großes Talent hochgelobt. Schade, dass er es nicht geschafft hat. Nun wird eben ein anderer zum Vorbild.

Der Fall Kilicaslan zeigt aber auch, dass es nicht einfach ist, den Sprung von Nachwuchsteams bis nach oben zu schaffen. oder?

Das mag sein. Auf der anderen Seite spielt die Türkei nun auf viel höherem Niveau als noch vor einigen Jahren. Da bleiben viele vielleicht doch in ihrem Geburtsland. Es ist ja jetzt schon schwerer in die türkische Nachwuchsnationalmannschaften hineinzukommen als in die Schweizer oder österreichischen Teams. Die Entwicklung in der Türkei ist sehr positiv. Ich rechne mit einem offenen Spiel am Mittwoch gegen Deutschland.







Kommentare

  • User
  • 07.10.2010 19:37:53 Taktikguru

    Von wann ist denn das Interview? Klingt so, als wäre es vor dem zweiten Weltkrieg geführt worden. Zu dieser Vermutung komme ich nicht nur, weil dort Namen wie Özil und Tasci fehlen, sondern auch aufgrund der Blut & Boden-Romantik, die (sowohl in den Fragen als auch in den Antworten) in diesem Interview rumwabbert.

  • User
  • 07.10.2010 20:50:20 einrudithömmes

    Allerdings unfassbar in weiten Teilen.

    Ich glaube schon, dass es bald in Deutschland auch einen Spieler mit türkischen Wurzeln geben kann.

    Wie bald ist heute?

    Aber auch sone Sachen wie das leidet ein bisschen, seitdem ich das nicht mehr mache... oder Wenn das so weitergeht, wird sich der Weltverband wohl etwas einfallen lassen. Aber das internationale Denken setzt sich durch.
    Aber? Oder, hier: Korkmaz kriegt ne Erwähnung, Ekici und Gündogan aber nich!

    Murks.

  • User
  • 07.10.2010 21:07:22 wojcicki

    Mann, das Ding ist ne´ olle 2008-Konserve! Gehört doch jetzt nicht so viel zu, oder ..?

  • User
  • 07.10.2010 21:08:48 FrauBlack

    Herr Keser, bei der EM sind nur noch zwei Spieler im türkischen Kader in Deutschland geboren.
    na, das wird wohl die EM 2008 gewesen sein. 2004 war die türkei nicht dabei und 2000 kein spieler, der in deutschland geboren ist. wer allerdings der 2. neben hamit altintop sein soll, weiß ich auch nicht. vielleicht mehmet aurélio, hehe.

  • User
  • 07.10.2010 21:15:43 wojcicki

    Hakan Balta, in Berlin geboren, weisst du ..?!

  • User
  • 07.10.2010 21:46:14 einrudithömmes

    Die Entwicklung in der Türkei ist sehr positiv. Ich rechne mit einem offenen Spiel am Mittwoch gegen Deutschland.

    Ahjetzja. Aber selbst für 2008 - naja.

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