EM 1980: Das Turnier des Bernd Schuster
Zu gut für dieses Land
Text: Fabian Jonas Bild: Imago
Mit sieben Länderspielen im Gepäck war Bernd Schuster 1980 zu jenem Turnier gereist, bei dem er seinen internationalen Durchbruch haben sollte. Fortan war Schuster ein Weltstar und wurde zur Reizfigur zwischen Genie und Gaby.
Der 20-jährige Mittelfeldspieler vom 1. FC Köln hatte am 22. Mai 1979 beim 3:1 Sieg in einem Freundschaftsspiel gegen Irland sein Debüt im DFB-Dress gegeben. Diese wurde inzwischen von »Häuptling Silberlocke« Jupp Derwall trainiert, der das Amt nach der enttäuschenden WM 1978 von seinem einstigen Chef Helmut Schön übernommen hatte.
Die deutsche Mannschaft hatte gerade einen gewaltigen Umbruch hinter sich gebracht. Nachdem Bonhof verletzungsbedingt absagen musste, war kein einziger Weltmeister von 74 mehr im Kader und auch aus der Mannschaft von 1976 war einzig Kapitän Bernard Dietz übrig geblieben. Zudem fiel Klaus Fischer verletzungsbedingt aus, weswegen Horst Hrubesch im Alter von immerhin schon 29 Jahren zu seinen ersten Länderspielen kam.
Kaum einer der Spieler war älter als 25
Diese Elf des DFB war die jüngste, die der Verband bei einem großen Turnier je ins Rennen geschickt hatte, Dietz war der einzige Akteur über 30. Die Förster-Brüder, Manni Kaltz, Hans-Peter Briegel, Mirko Votava, Uli Stielike, Felix Magath, Hansi Müller, Karl-Heinz Rummenigge, Klaus Allofs – kaum einer dieser Spieler war älter als 25. Die beiden jüngsten im Team waren, neben Ersatztorwart Eike Immel, Bernd Schuster und der erst 19-jährige Lothar Matthäus, der auf seine Nominierung mit Tränen der Verzweiflung reagierte, hatte er doch schon den Urlaub mit der Freundin gebucht.
Zunächst bekam Derwall aber wohl ein wenig Angst vor der eigenen Courage. Statt der blonden Nachwuchshoffnung vom 1. FC Köln nahm er dessen Teamkollegen Bernd Cullmann für die Auftaktpartie gegen die CSSR in die Mannschaft. Cullmann spielte sehr unglücklich, und nur mit sehr viel Glück gewannen die Deutschen die Revanche für die Niederlage von Belgrad durch ein Tor von Rummenigge mit 1:0. Von der spielerischen Klasse vergangener Jahre war in diesem Spiel nichts zu sehen.
Umso überraschender war die Leistung, die die deutsche Mannschaft drei Tage später gegen den Erzrivalen aus den Niederlanden zeigte. Dafür verantwortlich war zumindest zu Beginn vor allem ein Mann: Bernd Schuster, der nach Cullmanns Katastrophenspiel ins Team gerutscht war. Besonders in der ersten Halbzeit zeigte Schuster Fußball vom Feinsten und ließ den mitunter an der Grenze zur Brutalität spielenden Willy van de Kerkhof ein ums andere Mal ins Leere laufen.
Ergänzung zu 11 FREUNDE Spezial: 80er
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