Die Geschichte der Fußballfans

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24.04.2008

Wie Indien fast bei der WM gespielt hätte

Bitte vorher Schuhe anziehen

Text: Lucas Vogelsang  Bild: Imago

Indien hat über ein Milliarde Einwohner und liegt auf der FIFA-Weltrangliste nur auf Platz 146. Ein krasses Missverhältnis, das seinen Ursprung bei der WM 1950 hat. Die Inder wollten mitspielen. Doch die FIFA erlaubte es ihnen nicht.

Wie Indien fast bei der WM gespielt hätte - Bitte vorher Schuhe anziehen


Fußball und Indien ist irgendwie, nein, genau wie Deutschland und Cricket. Nur mit dem Unterschied, dass die Inder die Regeln des Spiels, das sie nicht spielen, wenigstens verstehen.

Dennoch ist Indien keine Fußballnation. Obwohl die Inder lange unter den strengen Augen der englischen Fußballmutter mit dem Ball toben durften, liegen sie heute auf Platz 146 der Weltrangliste, im Kernschatten des Weltfußballs. Schuld daran ist die WM 1950 in Brasilien und ein strenger Dresscode der FIFA.



In den 40er Jahren hatten die Inder den Fußball gerade erst für sich entdeckt. Ghandis Indien löste sich von der Kolonialherrschaft der Briten. Deren Lieblingsspiel blieb jedoch in Asien.

Ein Jahr nach der Unabhängigkeit wurden die Inder FIFA-Mitglied und spielten bei den Olympischen Spielen 1948 ihr erstes internationales Turnier. Ihr Fußball war nicht schön, aber anders - die Subkontinental-Kicker spielten barfuß. Weil sich selbst ihre Nationalspieler keine Schuhe leisten konnten. Und das Spiel unten ohne war durchaus erfolgreich. Nachdem einige Länder, darunter auch die Schotten, ihre Teilnahme an der WM in Brasilien abgesagt hatten, standen die Inder an der Tür des Weltfußballs. Doch die FIFA ließ sie nicht rein: Bitte vorher Schuhe anziehen. Die Inder weigerten sich und sagten ab.

Ihre Liebe zum Ballspiel mit festem Schuhwerk erkaltete schnell, zwar erreichten sie bei Olympia 1956 auf Natursohlen noch völlig überraschend das Spiel um die Bronzemedaille, doch das Verhältnis war zerrüttet. Indien qualifizierte sich nie wieder für eine WM. Und nur ein einziger Inder schnürte jemals seine Schuhe in Europa. Baichung Bhutia spielte drei Jahre in Englands dritter Liga - er gilt als bester indischer Fußballer aller Zeiten.

Kein Wunder: Auf den Straßen in Kalkutta und Neu-Delhi spielen die Kinder Cricket - natürlich barfuß.

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Im neuen 11FREUNDE-Heft lest Ihr die Geschichte von zwei Enthusiasten, die vom nordrhein-westfälischen Remscheid aus den indischen Fußball organisieren.

Außerdem lest Ihr:

Huub Stevens im Interview: »Am liebsten bin ich zu Hause«

Die Kollaps-Liga – Wie die Einführung der 3. Liga zahlreiche Traditionsvereine bedroht

Fußball-Foren – Das große Geschwafel

EM-Stadionposter – Basel und Klagenfurt




Ergänzung zu Heft #78 05 / 2008






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