Die großen Endspiele des DFB-Pokals
Als sie ihn aus der Stadt jagten
Text: Lucas Vogelsang Bild: Imago
Viele erwarten am Samstag einen klaren Sieg des FC Bayern. Doch man muss nicht einmal die Phrase vom Pokal und seinen Gesetzen bemühen, um auf ein spannendes Finale hoffen zu können. Wir blicken zurück auf fünf dramatische Endspiele.
VfB Stuttgart – Fortuna Düsseldorf 4:3 n.V.
16. November 1958, Auestadion Kassel
VfB-Keeper Günther Sawitzki trug bei Spielen stets eine voluminöse Mütze, mit der er seinen Pferdeschwanz vor Sepp Herberger verbarg, dem Extravaganzen bekanntlich missfielen. Sawitzkis Ausftritt an diesem Abend in Kassel dürfte den »Chef« jedoch erfreut haben: Sawitzki hielt wie ein Berserker und rettete das 1:0 durch Praxl in die Halbzeit.

Sieben Minuten nach Wiederanpfiff hatte er dann aber doch zweimal hinter sich greifen müssen. Hoffmannn und Wolfframm schienen die Partie mit einem Doppelschlag zugunsten der Fortuna gedreht zu haben, doch die Stuttgarter schafften die erneute Wende, in einem jetzt von allen taktischen Fesseln befreiten Pokalfight. 20 Minuten vor dem Ende stand es 3:2. Wütend drängten die Düsseldorfer auf den Ausgleich, ihre Angriffswellen brachen sich jedoch an dem Mann mit dem weichen Haar und den eisernen Fäusten.
Erst in der 80. Minute war es erneut Wolfframm, der für das verdiente 3:3 sorgte. Für die Schwaben war es zum Haare raufen. Es ging in die Verlängerung. Doch 90 Minuten Kampf hatten ihre Spuren hinterlassen. Der Stuttgarter Lothar Weise konnte nur noch über den Rasen humpeln. Es waren 113 Minuten gespielt, als er sich mit letzter Kraft in eine Flanke von Blessing warf und den Siegtreffer erzielte. »Für mich geht ein Jugendtraum in Erfüllung«, jubelte der Matchwinner. Den Platz auf den Schultern seiner Kameraden musste er sich jedoch mit Sawitzki teilen, dessen Leistung und Frisur ihrer Zeit damals weit voraus waren. Da schmunzelte sogar der Bundestrainer. Bloß DFB-Mann Hans Körfer überreichte den Pokal etwas schmallippig. Er war glühender Anhänger der Fortuna.
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VfB Stuttgart: Sawitzki, H. Eisele, Seibold, Hartl, R. Hoffmann, Schlienz, Waldner, Geiger, Weise, Blessing, Praxl.
Fortuna Düsseldorf: Klose, Vigna, Juskowiak, K. Hoffmann, Jäger, Mauritz, Steffen, Wolfframm, Jansen, Derwall, Wöske.
1:0 Praxl (36.)
1:1 K. Hoffmann (50.)
1:2 Wolfframm (52.)
2:2 Geiger (62. Minute)
3:2 Waldner (68., Handelfmeter)
3:3 Wolfframm (79.)
4:3 Weise (113.)
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