25 Dinge über TV-Pannen
Soll i mi jetzt freun, oder wos?
Text: Philipp Köster und Maximilian Hendel Bild: Imago
Wenn das rote Kameralicht leuchtet, wird Rudi Assauer hinaus komplimentiert, Marcel Reif als Alleinschuldiger ausgemacht, und Jörg Wontorra mit Bier überschüttet. Geschichten über Störungen und Peinlichkeiten im TV.
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»Und schon wieder keine Ahnung, Marcel Reif«, skandierte einst die Dortmunder Südtribüne. Was hatte die Süd so erzürnt? Kurz zuvor, am 1. November 1995, ermauerte sich die Borussia durch ein 0:0 in Bukarest das Weiterkommen in der Champions League. Das passte dem Doyen des Fußballkommentars nun überhaupt nicht. Mit erhobenem Zeigefinger sprach er im Interview: »Herr Hitzfeld, ich bin bereit, Ihnen zum Weiterkommen zu gratulieren, wenn Sie den Zuschauern Ihr Mitgefühl ausdrücken für die Art und Weise, wie es denn zustande gekommen ist.«
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Disharmonie auf Haydns Melodie. Nachdem Fritz Walter 1954 in Bern die Trophäe überreicht bekommen hatte, spielte die Kapelle brav die Melodie des Deutschlandliedes. Die Schlachtenbummler aus Deutschland intonierten jedoch gewohnheitsmäßig die erste Strophe, deren Botschaft »Deutschland, Deutschland über alles« neun Jahre nach dem Ende der Nazis nicht gut klang und bereits 1949 von den Westalliierten auf den Index gesetzt worden war. Darauf beendeten diverse Sender einvernehmlich ihre Übertragungen.
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2000 beharkten sich der FC Bayern und Bayer Leverkusen monatelang im Meisterkampf. Am 26. Spieltag kamen Bayer (1:1 gegen Freiburg) und Bayern (2:2 gegen K’lautern) nicht über ein Unentschieden hinaus. Ein Ran-Reporter fragte nun bei Bayer-Coach Christoph Daum investigativ nach: »Haben Sie so ein bisschen rübergekuckt zu den Bayern?« Falsche Frage zum falschen Zeitpunkt, Daum giftete den Mikrofonhalter an: »Das ist absoluter Schwachsinn, eine absolut blöde Journalistenfrage. Ich muss mich um meine Mannschaft kümmern. Kann das mal in einen Journalistenkopf reingehen?«
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»Ich geh’ mit meiner Laterne und meine Laterne mit mir«, sangen die Fans galgenhumorig. Meister Werder Bremen und Schalke 04 sollten 2004 das 42. Bundesliga-Jahr eröffnen. Vorfreude bei allen?
Denkste. Kabelmuffe »Erika«, eine Kabel-verbindung unweit des Weserstadions, streikte, die Stromversorgung lag weitgehend brach, die ARD-Zuschauer starrten ungläubig auf das zusammengeschusterte Ersatzprogramm, während Gerhard Delling hektisch über Telefon korrespondierte. Nur das Flutlicht hielt sich bis 21.15 Uhr wacker, was die Funktionäre auf die Idee brachte, dass auf die Live-Übertragung ver-zichtet werden sollte, um das Spiel anzupfeifen. In jenem Moment gaben auch die letzen Flutlichtlampen ihren Geist auf. Angepfiffen wurde nach endlosen 66 Minuten.
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Im Februar 1973 moderierte Carmen Thomas als erste Frau überhaupt das ZDF-Sportstudio. Landesweite Aufmerksamkeit erregte sie am 21. Juli des gleichen Jahres mit der Ansage: »FC Schalke 05 gegen – jetzt hab ich’s vergessen – Standard Lüttich.« Anders als gerne kolportiert, wurde Thomas daraufhin nicht entlassen, sie hielt sich weitere anderthalb Jahre im Sportstudio. Die 05-Nummer allerdings wurde sie nicht mehr los, wie sie in einem Interview mit dem Fanzine »Schalke Unser« verriet: »Eine Geschichte war, als ich mir ein Visum bei der Botschaft von Tansania in Bonn besorgen wollte: Bei dem schwarzen Pförtner dachte ich mir, ob ich ihn überhaupt auf deutsch ansprechen kann, doch noch bevor ich den Mund aufmachen konnte, lächelte er mich mit einer Perlenkette von 54 Zähnen strahlend an und sagte: ›Ooooohhh Schalke 05‹.«
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Rolf Töpperwien gilt nicht gerade als Erfinder des kritischen Sportjournalismus. Alle Sicherungen brennen Töpperwien allerdings immer dann durch, wenn es die Lebensleistung von Otto Rehhagel zu kommentieren gilt. Als Werder Bremen vom siegreichen Europacup-Finale 1992 zurückkehrte, hauchte Töpperwien im ZDF ergriffen: »Nun betritt Otto Rehhagel deutschen Boden«, ganz so, als sei Napoleon gerade triumphal von Elba zurückgekehrt.
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Premiere-Moderator Sebastian Hellmann hatte sich in der Halbzeit des 18. Spieltags der Saison 2004/05 eigentlich mit Studiogast Rudi Assauer unterhalten wollen, dann aber wurde Assauer ein wenig überhastet verabschiedet, weil die 2. Halbzeit angepfiffen worden war. Was dem Schalker Manager gar nicht passte, Assauer moserte mit Zigarre in der Hand: »Ein netter Abschied von Ihnen!« Hellmann hob entschuldigend die Arme: »Aber ich hab mich doch bemüht«, was Assauer nicht gelten lassen wollte: »Aber das Bemühen ist zu wenig für Sie.« Unversöhnliches Schlusswort: »Ist das möglich? So einen Abschied hab ich noch gar nicht erlebt.«
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Vielleicht grimmte Assauer den Premiere-Jungs auch immer noch wegen jener Jahrhundertpanne anno 2001. Auf Schalke feierten Zehntausende bereits die Meisterschaft und Assauer herzte alles, was nicht bei drei im Kabinengang verschwunden war, weil Premiere-Reporter Rollo Fuhrmann verkündet hatte: »Das Spiel in Hamburg ist aus, Schalke ist Meister!« Ganz so war es dann doch nicht.
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Moderator Jörg Wontorra pflegt in der letzten Sendeminute des DSF-Doppelpasses das Weizenglas einer befreundeten Brauerei in die Kamera zu heben. Einmal allerdings entglitt der Servicekraft das Tablett und fünf Weizengläser ergossen sich über Wontorra. Der wirkte für eine Nanosekunde so, als wolle er der jungen Dame eine donnern, besann sich dann aber auf die laufenden Kameras und lächelte sie an, Geschmacksnote: süß-sauer.
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Einigermaßen bizarrer Auftritt im Sat1-Frühstücksfernsehen von 11?FREUNDE-Mann Philipp Köster. Um 6.05 Uhr morgens sollte er Moderator Jan Hahn die Bestellung von WM-Tickets im Internet erklären, hatte sich aber die Seite vorher nicht angesehen und jagte den hilflosen Hahn über die Seite (»Jetzt hier klicken!!«), landete nach vielen vergeblichen Versuchen wieder auf der Startseite (»Das ist jetzt wieder die Startseite!«), verbreitete Tatarenmeldungen (»Man muss sich erst aufwendig registrieren«) und versuchte verzweifelt Kompetenz vorzutäuschen (»Genau so läuft das!«). Nach schlimmen 5 Minuten 32 ging es in die Werbung, während der Sendeleiter hinter der Kamera beinahe einem Herzinfarkt erlag.
Aus Heft #77 04 / 2008






