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30.10.2011

Robert Schlienz, einarmiger Held

Der Besieger

Text: Christian Dittmar   Bild: Archiv

Es ist eine Geschichte des unbändigen Willens: Robert Schlienz verlor bei einem Autounfall seinen linken Arm – und war doch der beste Fußballer, den der VfB Stuttgart je hervorgebracht hat. Wir erinnern an den großen Kapitän.

Robert Schlienz, einarmiger Held - Der Besieger


Der 14. August 1948 ist ein heißer Sommertag. Robert Schlienz sitzt im Auto und hat es eilig. Der Kapitän des VfB Stuttgart ist zu spät zum Mannschaftstreffpunkt gekommen, nun fährt er auf holprigen Straßen zum Pokalspiel nach Aalen hinterher. Um die Hitze ein wenig erträglicher zu machen, lehnt er den linken Arm zum Fenster hinaus. Plötzlich rumpelt der Wagen bei voller Fahrt in ein Schlagloch, überschlägt sich und zerschmettert den Arm. Zwei Stunden später entscheiden sich die Ärzte für eine Amputation und die Karriere eines großen Fußballers scheint jäh beendet worden zu sein.



So prophezeien es jedenfalls die Journalisten, vermuten es die Ärzte. Niemand ahnt, dass zehn Jahre später der große Alfredo di Stefano nach einem Gastspiel des VfB bei der spanischen Nationalelf sagen wird: »Der beste Mann auf dem Platz war der Einarmige. Was ich von dem gesehen habe, war für mich bis jetzt unvorstellbar.« Kurz nach dem Unfall glaubt jedoch auch Robert Schlienz nicht an die Fortsetzung seiner Karriere. Wie soll sich ein Einarmiger im Kampfsport Fußball durchsetzen können? Wie soll er fallen, wie das Gleichgewicht halten? Es ist Georg Wurzer, der Stuttgarter Trainer, der Schlienz aus den trüben Gedanken reißt. Künftig, so beschließt es Wurzer, soll Schlienz den Nahkampf im Strafraum meiden und als Außenläufer das Spiel machen.

»Ohne Schlienz wäre der VfB nie Deutscher Meister geworden«

Es dauert keine vier Monate, dann geschieht das, was keiner für möglich hielt. Gegen den FC Bayern München steht Robert Schlienz wieder auf dem Platz, das Trikot um den Armstumpf herum ist hochgebunden. Wer glaubt, hier könne ein Versehrter nicht von seiner Leidenschaft lassen, wird spätestens am 22. Juni 1952 eines Besseren belehrt. Im Ludwigshafener Südweststadion drängeln sich 86000 begeisterte Zuschauer beim Endspiel um die Deutsche Meisterschaft, der VfB liegt gegen den 1.FC Saarbrücken 0:1 zurück. Außenläufer Schlienz gibt die Initialzündung, nimmt eine Ecke von links volley und drischt die Kugel ins Kreuzeck. Und damit nicht genug, Schlienz ist an diesem Tag überall. Er hilft in der Defensive, dirigiert das Mittelfeld, setzt die Stürmer ein. Nach dem Spiel urteilt das »Sport-Magazin«: »Ohne Schlienz wäre der VfB nie Deutscher Meister geworden.« Denn am Ende siegen die Rot-Weißen mit 3:2, Schlienz und seine Kameraden fahren im offenen Wagen nach Stuttgart zurück.



Ergänzung zu Heft #74 01 / 2008


weiterlesen [1] [2]



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Kommentare

  • User
  • 20.08.2009 17:02:09 eisfischer

    Vielen Dank für den tollen Artikel, ein schöner Abschluß (???) der VFB Woche;-)

  • User
  • 30.10.2011 06:43:12 currygoi

    Dem Dank kann ich mich nur anschließen! Bravo.

  • User
  • 30.10.2011 21:10:01 Marco Polo

    Im Interview "Er war unser Käpt'n" heißt es sei ein Granatsplitter gewesen und keine Gewehrkugel.
    Sehr schön geschrieben, feiner Artikel.

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