Die Geschichte der Fußballfans

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26.11.2011

Klaus Fischer im Interview

»Fußball ist ein einfacher Sport«

Interview: 11FREUNDE  Bild: Imago

Er war einer der besten Torjäger der Bundesliga. Klaus Fischer schoss sich einst mit spektakulären Toren in das kollektive Fußball-Gedächtnis. Wir sprachen mit Ihm über die Qualitäten seiner Kollegen und schöne Erinnerungen.

Klaus Fischer im Interview - »Fußball ist ein einfacher Sport«


Herr Fischer, wer ist Ihrer Meinung nach der beste Stürmer aller Zeiten?

Das ist für mich Pelé, weil er alles konnte: Er war beidfüßig, er war schnell, technisch versiert und hatte ein gutes Kopfballspiel. Wenn man dagegen nur nach Toren geht, kommt natürlich keiner an Gerd Müller vorbei. Ganz allgemein gibt es verschiedene Arten von Stürmern, und jeder hat seine Qualitäten. Und deswegen gibt es keinen zweiten Pelé, keinen zweiten Gerd Müller und auch keinen zweiten Henry. Der eine ist antrittschnell, der andere beidfüßig oder im Strafraum stark. Aber der kompletteste von allen war Pelé.



Wo steht im Vergleich dazu Thierry Henry? Auf Platz drei hinter Pelé und Gerd Müller?

Es eröffnet sich natürlich eine große Palette, wenn man weit zurückgeht. Di Stéfano war auch ein Weltklassemann. Henry, mit seiner Art zu spielen, gehört in der heutigen Zeit ganz nach vorn. Ich selbst hätte auch gern einen Henry in der Mannschaft gehabt. Ich sehe derzeit keinen Stürmer, der besser ist als er, denn er hat überall seine Tore geschossen: In Frankreich, in England, jetzt in Spanien. Und wie er sie gemacht hat – da gehört er auf jeden Fall zu den ersten fünf.

Henry gilt vor allem als eleganter Stürmer.


Das stimmt. Aber Henry ist auch ein kluger Spieler. Wenn es nicht so läuft, geht er auch mal zur Außenlinie oder lässt sich zurückfallen. Und solche Leute mit ihrer unglaublichen Technik und Antrittschnelligkeit sind immer gefährlich. Es ist einfach schön, diesem Mann zuzuschauen, weil er immer in der Lage ist, in wirklich jedem Spiel, durch seine Individualität ein Tor zu machen. Er ist beidfüßig und auch nach längeren Sprints noch unheimlich schnell. Nur das Kopfballspiel ist verständlicherweise nicht so ausgeprägt wie bei einem Spezialisten, der nur vor dem Tor steht und auf die Bälle wartet.

Wie würden Sie ihren eigenen Stil beschreiben?


Wenn ich jetzt sage, dass ich ein super Stürmer war, fragen sich die Leute: »Ist der bescheuert, oder was?«. Da muss man schon Andere fragen, denn mich selbst beurteile ich nicht so gern. Natürlich hatte ich meine Qualitäten, das weiß ich auch. 268 Tore in der Bundesliga sprechen für sich. Dazu 32 Tore in 45 Länderspielen – und das in der damaligen Zeit, als man noch nicht ständig gegen San Marino gespielt hat, gegen die man – wenn man gut drauf ist – 20 Tore schießen kann. Ich habe mir letztens die Länder in der Europameisterschaftsqualifikation angesehen: Da sind über 20 dabei, die es damals noch gar nicht gab. Natürlich haben wir auch mal auf Malta gespielt. Aber unter welchen Bedingungen? Auf Beton!

Kam Ihnen bei solchen Bedingungen Ihr Stil entgegen?

Jetzt kann ich es ja sagen: Ich war antrittschnell, beidbeinig und hatte ein gutes Kopfballspiel. Technisch war ich nicht so stark wie ein Pelé, aber das hat für mein Spiel gereicht. Ich habe meine Qualitäten auch ständig trainiert und weiterentwickelt.

Von Ihren Qualitäten sind vor allem die Fallrückzieher zur Legende geworden.

Die kann man allerdings nicht lernen. Das sind Dinge, für die man viel Mut braucht. Da muss alles passen, die Flanke muss auch optimal kommen. Wie 1977 im Länderspiel gegen die Schweiz: Da kam eine Flanke zu hoch rein und ich habe einfach den Fallrückzieher probiert. Das hatte ich vorher nicht trainiert und in der Situation auch nicht stundenlang überlegt, was ich machen soll.

Also sind Sie nicht in ein Spiel gegangen und haben sich gesagt: »Heute mache ich ein Fallrückziehertor«?


Nie. So etwas kann man gar nicht planen. Das kam immer aus dem Spiel heraus, und der Gegner durfte auch nicht in unmittelbarer Nähe stehen. Wie viele derartige Fallrückziehertore, so wie ich sie gemacht habe, gab es denn bisher?

Nicht viele.


Eben. Ich habe in der Bundesliga auch nur eines gemacht. In der Nationalmannschaft waren es ein paar mehr, aber auf eine andere Art. Und deswegen ist so etwas auch nicht planbar. Man muss einfach darauf aus sein, seine Tore zu machen – egal wie.



Ergänzung zu Heft #73 12 / 2007


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Kommentare

  • User
  • 27.12.2009 18:01:56 MarcRamone

    Ein klasse Interview! Die Fragestellung gefällt mir gut.

    Erstmal die besten Grüße und Glückwünsche an Klaus Fischer!

    Er und Abi haben ja maßgeblich "Schuld" daran, dass ich Schalker wurde.

    Alles Gute!

  • User
  • 27.12.2009 23:44:48 Gruni

    Lieber Klaus, ich wünsche Dir beste Gesundheit für die nächsten 60 Jahre!

    Donnerstag, der 08. Juli 1982. Es waren bereits Ferien, trotzdem hatte mir meine Mutter schon während des Mittagessens gesagt, dass ich nur das erste Fußballspiel im Fernsehen anschauen darf. Am nächsten Tag ging es recht früh zu Oma und Opa. Ich sollte ausgeschlafen sein.
    In der Halbzeitpause des ersten Spiels (Italien vs. Polen) gab es Abendessen und ich fing an zu heulen, weil ich wußte, dass meine zwei besten Kumpels das Spiel sehen würden. Mein Vater ergriff Partei für mich und löste damit einen heftigen verbalen Streit mit meiner Mutter aus. Ich verkroch mich darauf hin in mein Zimmer, heulte weiter und bin dann eingepennt. Irgendwann kam mein Vater, weckte mich und sagte "Raus jetzt, geht gleich los!". Was dann kam, kennen alle als die "Nacht von Sevilla". Ich habe meinen Vater so aufgewühlt nie wieder erlebt und hatte zwischendurch auch Angst, dass mit ihm noch was Schlimmes passiert. Sein Schrei beim 3:3 durch Klaus Fischer ist heute noch Gesprächsthema bei Familientreffen. In gut vier Stunden hat er fast 30 Zigaretten geraucht.

    2000 hat man mir eine Reise nach Andalusien geschenkt. Da meine Frau hochschwanger war, nahm ich meinen Vater mit. Wir hatten in Sevilla unser Hotel, was mir selbst ziemlich egal war. Mein Vater jedoch tyrannisierte so lange die Reiseleitung und den Concierge, bis man für uns tatsächlich eine Visite in diesem Stadion arrangierte. Da saßen wir dann 10 Minuten ganz allein, mein Vater sagte kein Wort und war einfach nur glücklich.

  • User
  • 28.12.2009 03:22:39 ColePorter

    Sehr schöne Geschichte, Gruni!

  • User
  • 28.12.2009 09:55:57 Redondo71

    Mir geht es da wie Ramone, ohne Klaus Fischer und Abi wäre ich wohl heute nicht Schalker. Meine arme Mutter, die am Fußball kein Interesse hatte, musste mir aus einer 1978 erschienenen Klaus Fischer-Biografie vorlesen, weil ich damals noch kaum lesen konnte.
    Ein angenehmer Mann ohne Allüren - ein tolles Vorbild.

  • User
  • 28.12.2009 14:36:24 GTEvo

    Danke für den ewigschönsten Fallrückzieher der Menschheit, Danke für Den Perfekten Fallrückzieher!

    Herzlichen Glückwunsch KlausFischer.

    Ich stell mir grade vor, Du und der MüllerGerd hättet die Vereine getauscht..und wo heute die RekordMarke gestanden hätte..ach lassen wir datt^^

  • User
  • 29.12.2009 16:28:46 AntiMöller

    Bemerkenswert, das die Knappen schon damals schlechten Geschmack bei der Wahl des Trikotsponsors ähh...zeigten.

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