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11.06.2010

Als Icke uns gegen Wales zur WM schoss

Das Tor, das er nie vergessen wird

Text: Sven Goldmann  Bild: Imago

In Berlin war die Mauer gefallen. Ein Berliner aber konnte nicht auf dem Alex tanzen – er musste zum Spiel. Wir erinnern an den Tag, als Thomas Häßler die Deutschen gegen Wales zur WM 1990 schoss – und dort den Titel holte.

Als Icke uns gegen Wales zur WM schoss - Das Tor, das er nie vergessen wird


Demnächst kann man Thomas Häßler für die Tribüne buchen. Als Conferencier für neureiche Edelfans, die für ihr reichlich vorhandenes Geld mehr haben wollen als Flanken und Tore und Grätschen. 1000 Euro kostet der VIP-Service, den der frühere Nationalspieler Thomas Allofs unter dem schönen Namen „Profis hautnah“ anbietet: ehemalige Fußballspieler, die immer noch gern die Anekdoten von früher erzählen. Ein paar hundert Altstars hat Allofs laut Eigenwerbung im Angebot. Als prominentesten preist er an: Thomas Häßler, 101 Länderspiele, Weltmeister von 1990.



Für den Samstag und das deutsche EM-Qualifikationsspiel im Millenium Stadium zu Cardiff kommt die neue Geschäftsidee ein bisschen spät. Schade. Wäre eine schöne Sache gewesen, mit dem kleinen Kölner aus Berlin über Wales zu plaudern. Häßler ist nicht gerade als Plaudertasche bekannt, aber zu diesem Thema hätte er einiges zu erzählen. Über „dieses Tor, das ich nie vergessen werde“. Dieses 2:1 in Köln gegen Wales, das der deutschen Nationalmannschaft den Weg zur Weltmeisterschaft in Italien geebnet hat. Ohne Häßlers Siegtor wäre Deutschland acht Monate später in Italien nicht Weltmeister geworden. (Weil Häßlers Hang zur Berliner Mundart bekannt ist, wird im Folgenden auf Ickes und Knorkes und Weeßtenochs verzichtet).

Der 15. November 1989 ist ein Mittwoch. Vor sechs Tagen ist in Berlin die Mauer gefallen. Häßler ist in ihrem Schatten aufgewachsen, im Norden Berlins, wo die Bezirke Reinickendorf, Wedding und Pankow aufeinander stoßen. Das Wohnhaus der Familie in der Letteallee ist kurz nach dem Krieg gebaut worden. Der kleine Thomas spielt beim Weddinger Klub Meteor 06 an der Osloer Straße, wo auch Hertha BSC trainiert. Weil der Bundesligist den Jugendnationalspieler ignoriert, wechselt Häßler 1983 zum 1. FC Köln. Als am 9. November 1989 die Mauer fällt, ist der Berliner Häßler nur als Fernsehzuschauer dabei. Später hat er gesagt, er sei in der Vorbereitung auf das Spiel gegen Wales immer in Gedanken in Berlin gewesen.

Ist er in Gedanken immer noch in Berlin?

Für die Deutschen geht es um alles oder nichts. Nur ein Sieg hilft weiter. Die Waliser sind längst raus, sie können befreit aufspielen und gehen schon nach elf Minuten durch Allen in Führung. Völler gleicht eine Viertelstunde später aus, aber das reicht noch nicht. Zur Halbzeit steht es immer noch 1:1. Häßler gelingt nicht viel. Ist er in Gedanken immer noch in Berlin?

Franz Beckenbauer lässt ihn weitermachen, und wie fast immer hat der Teamchef auch mit dieser Entscheidung Recht. Drei Minuten sind gespielt in der zweiten Halbzeit. Pierre Littbarski, auch er ein Berliner, geboren in Schöneberg, flankt in den Rücken der langen Waliser. Der kleine Häßler lässt sich zur Seite fallen und drischt den Ball mit seinem schwächeren linken Fuß zum 2:1 ins Tor.

Thomas Häßler beschert Deutschland die WM-Teilnahme und sich selbst die Aufstellung im Finale gegen Argentinien. Sein Stammplatz im Mittelfeld ist 1990 keineswegs so sicher, wie man heute glauben möchte. Für das Endspiel konkurrieren noch Uwe Bein und Olaf Thon um den Platz im kreativen Mittelfeld. Beckenbauer vergibt ihn an Häßler und führt als Begründung dafür ausdrücklich dieses Tor an. Das 2:1 gegen Wales, sechs Tage nach dem Fall der Berliner Mauer.






Tagesspiegel@11Freunde






Kommentare

  • User
  • 14.10.2008 17:07:48 flow_loehne

    Ich könnte mich täuschen, da ich damals erst 7 Jahre alt gewesen bin - aber ich bin mir doch sicher, dass Hässler das 2:1 per Freistoß erzielte und nicht zur Seite fallend mit dem schwächeren linken Fuß, wie es hier beschrieben wird.

  • User
  • 14.10.2008 17:20:15 gelsenkirchen

    stories die man immer und immer wieder vorgekaut bekommt...

  • User
  • 14.10.2008 17:29:26 h_g_bruns

    "profis hautnah"
    der is witzich

  • User
  • 14.10.2008 17:34:20 schappi1848

    ich muß dich entäuschen flow. nix freistoss..ausnahmsweise nicht.

  • User
  • 15.10.2008 11:28:29 monssolis

    Kann man gar nicht oft genug hören, die Geschichte!

  • User
  • 15.10.2008 12:14:37 gelsenkirchen

    das ist wie titanic anschauen: man weiss doch wie's ausgeht...

  • User
  • 15.10.2008 12:50:56 monssolis

    Du schaust Titanic an?

  • User
  • 15.10.2008 13:21:02 gelsenkirchen

    nö, ich weiss ja wie's ausgeht.

  • User
  • 15.10.2008 13:33:50 monssolis

    Ist'n geiler Film - Leo stirbt! ;-)

    Es geht ja nicht darum zu wissen, wie es ausgeht - es geht um Emotionen, die wieder wachgerufen werden. Positive Emotionen. So positiv wie es im Fußball nur geht. Hach...

  • User
  • 15.10.2008 13:37:21 Haensgen vom Deich

    Leo is'n Guter! Nicht unbedingt in dem Film, aber generell!

  • User
  • 15.10.2008 13:44:43 monssolis

    Ja, mittlerweile kann ich den auch ab. Aber zur Titanic-Zeit war's etwas viel.
    Warum kommt "Unser lautes Heim" eigentlich nicht mehr?

  • User
  • 15.10.2008 14:19:55 gelsenkirchen

    leo ist ein sauguter schauspieler. seit seine oma vor ein paar monaten gestorben ist hängt der aber leider nicht mehr in oer-erkenschwick im eiscafé ab.
    bei "the departed" fand ich ihn richtig gut.
    der hatte halt damals mit romeo und julia (der auch gar nicht schlecht umgesetzt war) und titanic plötzlich mal ne zeit die "mädchenfilm"-schiene gefahren, da dachte jeder, der geht den bach runter.

  • User
  • 02.01.2010 18:03:37 Catilina

    @ Flow_Loehne

    Wenn das deine Erinnerung ist, warst du, als Häßler dieses Tor erzielte, erst 4 Jahre alt.

  • User
  • 02.01.2010 18:45:16 AntiMöller

    Er verwechselte das mit dem 92er Freistoss gegen die GUS, wie Haensgen schon sagte. Aber speziell dieser user verschiebt die Geschichte gerne mal.

  • User
  • 02.01.2010 20:34:54 Gruni

    Nix gegen Icke Häßler. Ich hätte mir aber Uwe Bein im Finale gewünscht. Dann hätten wir uns nicht zum Titel gezittert. Jawohl!!! Seufz!

  • User
  • 02.01.2010 22:35:01 AntiMöller

    Mit Olaf Thon -der schon gegen England im Halbfinale einer der Besten war- wäre alles schon zur Halbzeit entschieden gewesen.

  • User
  • 03.01.2010 12:19:14 zdeev

    Häßlers Leistung bei der WM1990 wird wirklich oft noch nostalgisch verklärt gesehen aufgrund des entscheidenden Tores gegen Wales mit Hilfe seines Kölner Kollegen Littbarski.
    Der Wechsel nach Turin (?) war zum Zeitpunkt der WM schon sicher und Häßlers Auftritte bei eben jener waren keinesfalls Weltklasse, sondern oft schlimmes Gegurke. Ich meine mich aber erinnern zu können, dass das Halbfinale eines der besseren Spiele Häßlers gewesen ist und auch der Kommentator dies seinerzeit mehrfach erwähnt hat. Was man nicht alles aus Kindertagen noch weiß.

    Was mit den Häßler-Millionen passiert ist, weiß aber bis heute immer noch keiner ;)

  • User
  • 16.04.2010 15:11:56 bullekatschebomber

    was immer wieder vergessen wird beim spiel gegen wales ist, das ich mir aus angst über ne halbe stunde fast in die hose gekackt habe, weil die waliser auch nach dem 1:2 noch weiter druck gemacht haben und das abentuer beckenbauer damals fast schon beendet worden wäre.
    aber geile atmo damals ein nasser grauer november abend, gelbes licht harter fight

    cool

  • User
  • 16.04.2010 15:35:28 misterkite

    das wird zurecht vergessen!

  • User
  • 16.04.2010 23:50:17 Statistikfreund

    Nachdem wir alle bullekatschebomber`s Probleme vergessen haben, zu Recht wie misterkite wohl nicht ganz uneigennützig bemerkte, und ich meine: mit Dr. Kapellmann als Vorbild wäre das wohl glimpflicher ausgegangen für bullekatschebomber, habe ich-was nicht schwer war- und damit jeder noch einmal in der Erinnerung schwelgen und diese ordnen kann,beide hier angesprochenen Häßlertore bei einem landesweit bekannten Internet-Video-Portal herausgesucht.

    Das Tor gegen Wales 1989 mit Kommentar von Dieter Kürten, der bei Minute 1:07 trocken konstatiert: "Das isser" direkter Link , gibt es hier:



    Und hier das bereits erwähnte Freistoßtor, mit englischem Komentar, ab Minute 4:48 (das Spielende komplett) gegen die GUS (CIS) bei der Euro 1992 und Stand 1:0 für die GUS:direkter Link




    Es gab aber noch ein Freistoßtor von Häßler: gegen Schweden, unter RRRRubis und Kalles knallhartem Kommentar, netzt er ab Minute 1:38 unhaltbar für Schwedens Torwartlegende Thomas Ravelli ein: direkter Link

  • User
  • 11.06.2010 13:33:34 Mr_Wulf

    > ...trocken konstatiert: "Das isser"...

    Er sagte natürlich "Das warer"

    (Danke für die Links!)

  • User
  • 11.06.2010 13:45:45 Catilina

    Eigentlich ist es ja bedenklich, daß die Meisten hier sich noch an Ickes Tor erinnern können. Hier fehlt die Jugend.

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