Die Geschichte der Fußballfans

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Olaf Bodden zieht Bilanz

»Nach dem Tod ist es wurscht«

Interview: Alex Raack  Bild: Imago

»Nach dem Tod ist es wurscht«

Olaf Bodden, lassen Sie uns zunächst über Fußball reden. Ihre Münchner Löwen führen derzeit die Tabelle in der Zweiten Liga an. Wann waren Sie das letzte Mal im Stadion?

Wenn ich München bin, bin ich schon jedes Heimspiel da, und habe auch noch relativ guten Kontakt zu ehemaligen Mitspielern.

Wie gefällt Ihnen die neue Arena?

Die ist absolut beeindruckend und gehört zu den modernsten Stadien Europas. Vielleicht hätte man manches etwas liebevoller gestalten können, aber das spielte dann bei den Planungen wohl nicht so eine große Rolle. Da muss es halt pragmatischer zugehen.



Wären sie dort auch gerne mal selber aufgelaufen?

Na klar. Das ist doch der Traum eines jeden Fußballspielers, in so einem großen Stadion aufzulaufen. Das dazu auch noch ein reines Fußballstadion ist. Wenn man dann auch noch sieht, dass bei den Heimspielen von 1860 im ersten Jahr in der Arena im Schnitt 40.000 Zuschauer da waren – und dann in der zweiten Liga – kann man sich vorstellen, was da los wäre, wenn man in der ersten Liga spielen würde. Im zweiten Jahr waren es ja auch noch einmal 37.000 Besucher im Durchschnitt.

40.000 können die Allianz-Arena aber immer noch nicht füllen. Wären denn Spiele vor ausverkauftem Haus in der Grünwalder Straße nicht reizvoller?

Aus nostalgischer Sicht sicherlich schon. Auch von der Stimmung her: Ich habe ja 1994 noch an der Grünwalder Straße gespielt, das war ja damals das letzte Jahr vor dem Umzug ins Olympiastadion. Die Hütte war immer voll, immer über 30.000 Menschen. Diese Stimmung kannst Du eigentlich nicht vergleichen.
Im Olympiastadion waren dann auch noch 40.000 da, aber da kommt natürlich keine Stimmung rüber. Weil es offen ist und über 70.000 rein passen. Da ist die Arena schon besser. Vor allem, weil die Stimmung bei den Spielen von 1860 besser ist als bei den Bayern-Spielen.

Also nichts mit „Hexenkessel“ Allianz-Arena für die Bayern?

Ein großer Anteil der Anhänger vom FC Bayern ist doch eher reserviert. Da muss man schon wirklich Traumfußball bieten, damit sich dort wirklich große Stimmung ausbreitet. Die Ansprüche sind bei den Fans natürlich anders. Wenn sich die Bayern zu einem 1:0 quälen, passiert da nicht viel. Die müssen schon den Gegner mit vier, fünf Stück aus dem Stadion schießen, sonst geht da nicht viel.

Verwöhnte Modefans beim FCB und hartgesottene Stimmungskanonen bei den Löwen?

Ja, weil sich dieses Klischee leider immer wieder bewahrheitet. Ich sitze auch oft genug bei den Bayern-Spielen im Stadion, um das zu beurteilen. Die 60er waren auch sehr dankbar für die schönen Zeiten Mitte der 90er Jahren, als wir permanent in der 1. Liga gespielt haben, des Öfteren sogar im Uefa-Cup. Da war das Publikum in gewisser Hinsicht auch verwöhnt. Jetzt spielt man seit drei Jahren in der zweiten Liga, da sind auch die Ansprüche gesunken. Das wirkt sich auf die gute Stimmung aus.

Wenn man ihnen so zuhört, macht es fast den Eindruck, als säßen sie doch noch auf der Spielerbank. Wie eng ist Ihre Beziehung zum Fußball noch?

Ich hatte zwar, mal ganz abgesehen von den Umständen, keinen besonders guten Abgang. Ich bin der einzige Spieler in der Vereinsgeschichte von 1860, der nicht offiziell verabschiedet wurde. Aber da ist man auch irgendwann drüber weg. Letztendlich habe ich in München meine sportlich erfolgreichste Zeit erlebt, deswegen hängt mein Herz auch immer noch daran. Unsere Generation damals hat schließlich dafür gesorgt, dass die Fans dauerhaft Erstliga-Fußball zu sehen bekommen haben. Ich möchte auch, dass der Verein wieder aufsteigt in die 1. Liga.

Vor allem, um wieder Münchner Derbys zu sehen?

Sicher. Das ist ja tausendmal besser, als wenn Braunschweig oder Jena zu Gast sind. Dann kommen die Gegner aus Bremen, Stuttgart und Leverkusen. Das möchte man natürlich lieber sehen.

Sie sind Hobby-Astrophysiker.

Richtig.

Kann man den Fußball und Physik irgendwie miteinander kombinieren?

Eigentlich nicht, weil Physik absolut logisch ist. Fußball hingegen ist alles andere als logisch. Da gewinnt nicht immer die bessere Mannschaft. Unlogischerweise.

Unlogisch erscheint auch ihre Krankheitsgeschichte. Wie ist da der aktuelle Stand?

Jetzt im Ruhezustand geht es einigermaßen, da gibt es keine Probleme. Ich bin allerdings überhaupt nicht belastbar, an Sport brauche ich erst gar nicht zu denken. Den Alltag kann ich relativ problemlos bewältigen, muss aber immer aufpassen, dass ich nicht zu viel mache. Offiziell bin ich Frührentner, mache den Hausmann.

Sie liegen seit Jahren im Rechtsstreit mit ihrer Krankenkasse, die ihnen die immensen Behandlungskosten bislang nicht bezahlen wollte. Gibt es in dieser Hinsicht etwas Neues?

Ich musste mich auf Anraten meines Anwalts auf einen Vergleich einlassen, der für mich zwar nicht zufrieden stellend war, aber mein Anwalt hat mir klar gemacht, dass ich ansonsten nicht den Hauch einer Chance habe. Richter, Gerichte und Gutachter stecken alle unter einer Decke. Da habe überhaupt keine Chance. Dafür gibt ein Beispiel: Dem vom Gericht abgestellten Gutachter wurde nicht geglaubt: Er hatte ein positives Gutachten für mich erstellt. Die haben ihr eigenes Gutachten nicht abgenommen! Stattdessen wurde ein anderer Gutachter beauftragt, der schließlich gegen mich geschrieben hat.


weiterlesen [1] [2] [3]



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News, Interviews, Blogs, Statistiken und Service zu: 1860 München, FC Hansa Rostock



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Kommentare

  • User
  • 07.09.2007 12:39:19 Juri Sparwasser

    Also Olaf,
    Braunschweig und Jena haben in der Arena mehr Stimmung gemacht als Bremen, Leverkusen oder Stuttgart selber zu Hause machen könnten. Nun mal im Ernst hättest dir die 20000 Jenenser in München geben müssen. Dat war unser Heimspiel!

  • User
  • 07.09.2007 12:55:26 monssolis

    Das ist alles, was dir zu dem Artikel einfällt? Olaf Bodden, beinahe hätte man ihn vergessen. Gut, mal wieder was von ihm zu hören.

  • User
  • 07.09.2007 13:07:17 einrudithömmes

    "Ich bin der einzige Spieler in der Vereinsgeschichte von 1860, der nicht offiziell verabschiedet wurde."

    Echt, jetzt? Was soll'n der Scheiß?

    Olaf Bodden war ein guter, keine Frage! Als Typ eine ehrliche Haut... das Interview auch gelesen, Juri? "Ich würde es wahrscheinlich so machen, wie viele andere heute auch: Dahin gehen, wo ich am meisten Geld verdiene." Chapeau!

    Und als Fußballer - vielleicht eine Art besserer Olaf Marschall, denn Bodden war auch mit dem Fuß ein feiner Kerl.

  • User
  • 07.09.2007 13:10:41 monssolis

    War auf jeden Fall angenehm zu lesen, das Interview. Normal tue ich mir hier nix an, was länger als eine Seite geht, aber hier waren drei fast zu kurz!

  • User
  • 10.09.2007 12:49:24 Lefteris13

    Ähnlich angenehmes Interview wie das Gespärch der Süddeutschen mit Scholl oder den Altintops. Menschen die was zu sagen haben und nicht nur etwas sagen um das Kauwerkzeug zu bewegen....alleine der von Rudi angesprochene bemerkenswerte Satz...

  • User
  • 12.09.2007 16:25:30 Juri Sparwasser

    Natürlich hab ich es gelesen, mich kotzt nur schon seit längerem an, dass einige Vereine nicht im Fokus von 11Freunde stehen. Wenn du nicht aus der Rhein/-Main/Westfalen Gegend kommst findest du deinen Heimatverein sträflich vernachlässigt hier wieder. Bodden war ein klasse Kerl, hab noch einen alten Fußballmanager da kaufte ich ihn immer.... . So ne Jungens gibts nicht mehr... .
    Hab mich schon gewundert das in der aktuellen Ausgabe mit dem Interview von Schnix und Onkel Hans zwei gebürtige Jenaer waren - ist wohl keinem aufgefallen sonst hätte man es nicht gebracht. Was denkt ihr wie lange ich hier schon mein Wappen fordere... sehr schade.... . Aber VfR Euro Eddy habt ihr...!

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